Körper reagiert im Schlaf auf Verkehrslärm

23. Juni 2010, 13:52
  • Der Körper reagiert auf die Lärm-Störung durch höhere Herzfrequenz und 
Blutdruck
    foto: photodisc

    Der Körper reagiert auf die Lärm-Störung durch höhere Herzfrequenz und Blutdruck

Konzentration am Tag sinkt besonders nach nächtlichem Zuglärm - An nächtlichen Verkehrslärm gewöhnt sich der Körper nie vollständig

Köln - Der nächtliche Lärm von Flugzeug, Bahn und Straße unterbricht den Schlaf und verschlechtert die Leistungsfähigkeit am Morgen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Zuglärm lässt schlafende Anrainer am häufigsten aufwachen, dahinter rangieren Auto- und Fluglärm. Allerdings verschlechtert jedes wahrnehmbare Geräusch den Schlaf", berichtet Studienleiterin Eva-Maria Elmenhorst.

Körper braucht Nachtruhe

Die Wissenschaftler zeichneten in elf aufeinander folgenden Nächten den Schlaf von 72 Erwachsenen aller Altersgruppen per Polysomnografie-Gerät auf. Die Probanden wurden dabei mit Geräuschen von Fluglärm, Autos und Zügen beschallt, wobei man den Schalldruckpegel und die Zahl der Lärmereignisse stets variierte. Jedes Mal nach dem Aufstehen überprüften die Forscher Wachsamkeit, Gedächtnis und Geschicklichkeit der Probanden.

Tatsächlich war die Reaktionszeit am Morgen durchschnittlich um 3,6 Millisekunden langsamer, wenn in der Nacht die Ruhe fehlte. Je höher die Frequenz des Nachtlärms und dessen Lärmdruckpegel, desto schlechter waren die Testergebnisse. "Besonders stark werden die Menschen bei der nächtlichen Erholung gestört, die sensibel für Unterbrechungen des Schlafs sind, wie etwa Kinder, Schichtarbeiter, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen", so Elmenhorst.

Gewöhnung gelingt nur teilweise

Der Körper reagiert auf die Störung durch höhere Herzfrequenz und Blutdruck, zusätzlich wird das zentrale Nervensystem aktiviert bis zur Aufwachreaktion, an die man sich auch am nächsten Morgen noch erinnern kann. "Gewöhnung an solche Geräusche gibt es durchaus und sie ist bereits innerhalb einer Nacht feststellbar", räumt die Expertin ein. Allerdings gewöhne man sich nie vollständig. "Das heißt, dass man auch nach Jahren nächtlicher Beschallung noch Reaktionen des Schläfers auf Lärm feststellen kann. Erforscht ist das aber bisher noch wenig."

Untersucht wurde auch, welche Eigenschaften des jeweiligen Lärms stört. "Wer direkt an der Bahn wohnt, hört bei einem vorbeidonnernden Güterzug das laute Geräusch sehr plötzlich. Diese Anstiegsteilheit des Lärmpegels, der den Schlaf am meisten stört, gibt es etwa beim Straßen- oder Fluglärm weniger", erklärt Studien-Mitautor Uwe Müller gegenüber pressetext. Störend sind jedoch auch sehr tiefe und sehr hohe Geräuschanteile, wobei Reaktionen schon ab der Wahrnehmungsgrenze gemessen werden können. Wie vielen verschiedenen Quellen von Verkehrslärm man ausgesetzt ist, ist für die Schlafqualität allerdings egal.

Lärmschutz neu überdenken

Relevant sind diese Ergebnisse für den Lärmschutz. In Deutschland darf Schienenlärm um fünf Dezibel (A) lauter sein als der von anderen Verkehrsträger, bevor Lärmschutz Pflicht ist. Dabei beruft man sich auf Studien zur Belästigung durch Schienenverkehrslärm. "Im Vergleich zu Flug- und Straßenlärm wird Schienenverkehr als am wenigsten belästigend empfunden. Aufgrund der feststellbaren physiologischen Reaktionen im Schlaf sollte dieser Bonus jedoch neu überdacht werden", so Elmenhorst. Erklärbar sei die Diskrepanz zwischen Körperreaktion und empfundener Belästigung dadurch, dass sich letztere vorwiegend am Tag bilde. (pte)

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In einem anderen Experiment hat man Leute in einem komplett schalldichten Raum mehrere Tage schlafen lassen. Ergebnis: die Probanden hatten einen sehr schlechten Schlaf und einen höheren Blutdruck. Angeblich brauch der Mensch (so wie in der Urzeit, am Lagerfeuer) einen gewissen Geräuschpegel, damit das Gehirn die Lage als sicher einstufen kann. Ist der Lärm allerdings zu laut, steht der Körper unter Stress, weil das Hirn "Gefahr" wahrnimmt.

na so was ... so eine 'Wissenschaft' ist fragwürdig, denn...

... "3,6 Millisekunden langsamer" - interessant wäre - und wissenschaftlich seriös - dass auch die durchschnittliche Reaktionszeit am Morgen (!) angegeben wird. Dann wird sich schon zeigen, welche Bedeutung 1/30 Sekkunde (!) hat - beim Autofahren wird von einer reaktionszeit (gesamttags) von 1 Sekunde ausgegangen

... "Diese Anstiegsteilheit des Lärmpegels, der den Schlaf am meisten stört, gibt es etwa beim Straßen- oder Fluglärm weniger" - klar, ist ja konstant zu laut, aber davon wird ja nix gesagt.

... "DLR": klar, dass da die Luftfahrt gut wegkommt; ich finds jedenfalls immer eine Belästigung, wenn die voll Schub gebenden Flugzeuge südlich von Wien wegstarten.
und Autos müssen heutzutage ja auch 'reingewaschen' werden...

Ich halte die Auswirkungen von Verkehrslärm für unterschätzt.

Der Lärmbekämpfung wird viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Tja und die Kirchenglocken bimmeln ruhig

weiter vor sich in Zeiten in denen jeder eine Uhr hat (damit sind ausdrücklich nicht die sakralen Glockengeläute gemeint).

Folgerungen für Wien

- ÖBB soll Zulaufstrecken für Hauptbahnhof gefälligst als Tunnel bauen, komplette Stilllegung des Westbahnhofs auch für Regionalverkehr

- Gürtel, Westeinfahrt, Triester Str., Altmannsdorfer Str., Lände, Prager Str., Brünner Str., etc.: Untertunnelung (Machbarkeit siehe München, Madrid, Boston, etc.) oder Rückbau

- U6 unter die Erde

- keine Großflächenplatten zur Abdeckung von Straßenbahnschienen, sondern durchgehende Oberfläche aus Beton oder Asphalt

- Ersetzen der prähistorischen Wiener Straßenbahnweichen und -kreuzungen durch aktuelle Versionen ohne Flachrille

hab 11 jahre an einer viel befahrenen straße inklusive bim gelebt. von jahr zu jahr mehr verkehr, es war nicht mehr zum durchdrucken, selbst in der nacht verkehrslärm, das zerrt an den nerven. nie mehr tu i mir das an. klar, absolute stille gibts nicht aber die lebensqualität steigt schon mit sinkenden db

Publziert?

In welchem wissenschaftlichen Journal wurde die Studie publiziert? Ansonsten ist die Studie wenig wert.

hauptsache die studentenheime in st pölten sind keine 100 meter von den schienen entfernt. ohne lärmschutz. 24 stunden am tag in 20 oder 10 minuten abständen.
reudige stadt

...ich kann dazu nur sagen...

..Überraschung!!! :-)

gibt genug leute die sagen:

"a das gwohnt man eh"
"so schlimm is das nicht, fenster zumachen genügt"
"ich hab auch mal neben bahn gewohnt, is überhuapt net laut"
"alte leut führen sich wegen ein paar quakender frösche auf, die spinnen doch"
"gastgarten macht eh um 24uhr zu und is gar net laut, ganz leise musik"

etc. etc.

Das Leben ist laut, ...

wenn man tot ist wirds leise genug! Bis zu einem bestimmten Grad kann ich ja Lärmempfindlichkeit verstehen aber wir wollen alle rund um die Uhr mobil sein, die frischesten Lebensmittel aus Übersee, Elektronikartikel aus China, Baustellen nach 2 Tagen schon wieder weg haben usw. Auch Kinder und Kirchtürme verursachen beträchtlichen Lärm.

Ich wohne direkt an der Strasse, die Bahn 30m weiter, zahle dafür aber weniger Miete.
Wers wirklich ruhig haben will muss auf eine Hochalpe oder einsame Insel ziehen und da gibts noch genug "Lärm" der von natürlichen Geräuschquellen kommt (Tiere, rauschende Gewässer, das brandende Meer ...).

falsche schlußfolgerung. muss ja nicht automatisch heissen, dass die umgebung ruhig gestellt werden soll, sondern das vielleicht einfach schlafräume entsprechend gebaut werden (bessere isolierung, dickere fenster). die meisten schlafen eben doch in gebäuden.

Ich bin vor kurzem von Wien aufs Land gezogen und hier wache ich jeden Morgen zu früh auf weil die Vögel so laut sind.
In Wien hatten wir ein hofseitiges Schlafzimmer in dem es herrlich ruhig war und man genüsslich ausschlafen konnte. Soviel zu einsame Insel

"Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt"

geh komm. dafür braucht man aber jetzt kein wissenschaftler sein oder?! dass sich lärm negativ auf den schlaf auswirkt is ja jetzt nicht unbedingt eine novität und dass man, wenn man einen unruhigen bzw. unruhigeren schlaf hatte, sich schlechter konzentrieren kann...naja, ohne worte...

Der Unterschied ist nur, dass sich der Hotzenplotz seinen Teil denkt, gewohnheitsmässig raunzt und das war's dann; wenn es wissenschaftlich abgesichert ist, kann es sich in Lärmdämmung auswirken.

ist halt leider so...

...dass es auch wissenschaftlicher belege bedarf, um ein handeln der politik zu initiieren.

leider ist es so, dass der normalbürger für dumm gehalten wird.

deshalb braucht es die wissenschaft als ausrede, wenn man etwas nicht umsetzten will.

sonst könnt ja jeder daherkommen.
es muss erst mal wissenschfftluich belget werden, dass die schläge auf den hinterkopf der gesundheit nicht förderlich sind. wenn man sich 1 minuten hinsetzt weiß das jeder, der nicht hirnverbrannt ist.

ganz ehrlich: ich halte viele "normalbürger" nicht für dumm sondern für desinteressiert und auch für uninformiert. nicht jede volksweisheit ist wahr. und eine dieser weisheiten ist nunmal: an lärm gewöhnt man sich. und das ist falsch.

Na geh, da haben die Deutschen viele Millionen Euro investiert und ihre klügsten Köpfe zusammen gesetzt und uns so ein revolutionäres Ergebnis gebracht und Du mußt es gleich niedermachen. Bist sicher ein neidischer Ösi^^

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