Euroländern droht Konjunkturabkühlung

23. Juni 2010, 10:46
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Auch wenn das Wirtschafts­wachstum höher ausfallen wird, die Sparprogramme der Regierungen belasten die Kaufkraft

Berlin - Den Euro-Ländern steht in der zweiten Jahreshälfte eine Konjunkturabkühlung bevor. Die Geschäfte der Dienstleister und der Industrie verloren bereits im Juni an Schwung, wie das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 5.000 Unternehmen mitteilte. Zwar werde das Wirtschaftswachstum im zu Ende gehenden zweiten Quartal mit 0,6 bis 0,7 Prozent etwa dreimal so stark ausfallen wie zu Jahresbeginn mit 0,2 Prozent. "Doch das schwächere Wachstum bei Produktion, Neuaufträgen und Exporten am Quartalsende legen nahe, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr einen Gang zurückschaltet", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister sank auf 55,4 von 56,2 Punkten im Mai. Das war der erste Rückgang seit Februar. Das Barometer hielt sich dennoch über der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Das geringere Auftragswachstum deutet aber eine weitere Verlangsamung an:

"In diesem Stadium der Erholung müssten wir eigentlich ein größeres Verbrauchervertrauen sehen, das zu höheren Ausgaben für Waren und Dienstleistungen führt", sagte Williamson. "Dazu scheint es derzeit aber nicht ausreichend zu kommen, weshalb sich das Wachstum abschwächen dürfte im zweiten Halbjahr." Ein Grund dafür sind die Sparprogramme der Regierungen. Sie reagieren mit Ausgaben- und Lohnkürzungen sowie Steuererhöhungen auf die Schuldenkrise, wodurch die Kaufkraft belastet wird.

Industrie ebenfalls pessimistischer

In der Industrie fiel der Einkaufsmanagerindex ebenfalls, wenn auch nur leicht von 55,8 auf 55,6 Punkte. Der Auftragsindex sank bereits den dritten Monat in Folge - von 56,5 auf 55,8 Zähler. "Das sind Signale für eine Abschwächung", sagte Williamson.

Die deutsche Industrie hat ihr hohes Wachstumstempo im Juni leicht gedrosselt. Der Einkaufsmanagerindex sank nach vorläufigen Ergebnissen um 0,3 auf 58,1 Zähler. Im Mai hatte der Frühindikator erstmals seit 15 Monaten nachgegeben - allerdings weit stärker als nun gegen Ende des Quartals. Experten hatten für Juni mit einem Rückgang auf 58,0 Zähler gerechnet. Das Barometer liegt aber noch immer weit über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Die Firmen steigerten die Produktion wieder etwas stärker als im Vormonat und stockten ihre Belegschaften auf. Allerdings zog die Zahl der Neuaufträge nicht mehr ganz so kräftig an wie im Mai. Die Branche hat damit weiterhin kaum Grund zur Klage: Wie aus der jüngsten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht, hat sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe sogar weiter aufgehellt. Das Wirtschaftsministerium rechnet wie die Bundesbank mit einem kräftigen Anziehen der Konjunktur im Frühjahr. Angetrieben von der brummenden Industrie und der starken Exportwirtschaft könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus Sicht von Experten von April bis Juni um rund ein Prozent zulegen.

Wie die Industriefirmen mussten jedoch auch die Dienstleister zum Ende des Quartals einen leichten Dämpfer hinnehmen: Der entsprechende Markit-Einkaufsmanagerindex fiel wie erwartet auf 54,6 Punkte von 54,8 Zählern im Mai. Die Zahl der Neuaufträge wuchs nur noch schwach. Zugleich stellten die Firmen nicht mehr so viele neue Mitarbeiter ein wie im Vormonat. (APA/Reuters)

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