MedUni Wien soll Harvard werden

23. Juni 2010, 08:24
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Einsparungen könnten Ziel jedoch in weite Ferne rücken

Wien  - MedUni Wien soll "Harvard" werden. "Wenn wir nicht gebremst werden, sind wir in 15 Jahren dabei. Wenn fünf weitere Diszplinen das schaffen, was zum Beispiel unsere Dermatologie, die Hämato-Onkologie, die Rheumatologen und und die Pathologen schaffen, können wir uns dann mit jeder Elite-Medizinuniversität messen. Dann kommen wir in den Bereich von 'Harvard'." - Dies sagte Dienstagabend Oswald Wagner, neuer Vize-Rektor der MedUni Wien für klinische Angelegenheiten, bei einem Hintergrundgespräch des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten in Wien.

"Einsparungen halten massiv auf"

Die Kehrseite der Medaille: Die von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (VP) angekündigten Sparmaßnahmen bei den Uni-Budgets. Wagner: "Es gibt ein paar Möglichkeiten, uns auf diesem Weg aufzuhalten. (...) Wenn wir jetzt in eine Phase kommen, in der wir einsparen müssen, hält uns das massiv auf. Wir können das mit Drittmitteln natürlich nicht wettmachen." Einfach fortgeschriebene Budgets würden bedeuten, dass man Personal abbauen müsse. Wobei das Ziel Institutionen wie die Harvard Medical School wäre, deren Erfolgsgeschichte gerade ab der Vertreibung der jüdisch-stämmigen Wissenschafter aus Wien und Österreich mit der Machtübernahme der Nazis so richtig begonnen hätte.

Die MedUni Wien profitiere - und werde diese Strategie in Zukunft noch stärker verfolgen - von der engen Verbindung zwischen den am AKH tätigen Ärzten und den direkt angeschlossenen Labors. Grundlagenforschung und Klinik würden so eine perfekte Übersetzung von medizinischen Fragen in Richtung Wissenschaft und zurück ermöglichen. Wagner: "Wir haben eine Forschung von klinisch tätigen Ärzten, die gleichzeitig Wissenschafter sind." Dieses Erfolgsmodell, auf dem man hier aufbaue, gebe es anderswo kaum mehr.

Kritik an Wirtschaftskammer

Es ei bedauerlich, so der Vize-Rektor, dass die Österreicher die Wissenschaft offenbar noch immer nicht für wichtig für die Gesellschaft hielten. Dies spiegle sich auch in Stellungnahmen, zum Beispiel von Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl. Wagner: "Dr. Leitl hat mich zweimal erstaunt. Einmal, als er für die Gesamtschule eingetreten ist. Das unterstütze ich auch sehr. Auf der anderen Seite mit der wirklich dummen Einstellung, dass man keine Grundlagenforschung, sondern nur industrienahe Forschung braucht. Der Topf für industrienahe Forschung ist immer gestiegen." Österreich verfolge hier genau die gegenteilige Strategie wie so erfolgreiche innovative Länder wie die Schweiz oder die skandinavischen Staaten. (APA)

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