Ottos Ende ist Südkoreas Glück

22. Juni 2010, 23:31
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Rehhagels Griechen scheitern nach 0:2 gegen Argentinien, den Asiaten reicht somit 2:2 gegen Nigeria für zweiten Achtelfinal-Einzug

Polokwane/Durban -  Letzter Vorhang für Otto Rehhagel: Der Europameister von 2004 hat mit Griechenland das WM-Achtelfinale verpasst und sich damit vielleicht endgültig von der ganz großen Fußball-Bühne verabschiedet. Die Griechen unterlagen Argentinien im letzten Gruppenspiel 0:2 (0:0) und schieden aus. Martin Demichelis (77.) und Martin Palermo (89.) trafen für die Argentinier von Trainer Diego Maradona in Polokwane und beendeten damit wahrscheinlich nach neun Jahren Rehhagels Ära als hellenischer Teamchef. Südkorea dagegen zitterte sich mit einem 2:2 (1:1) gegen Nigeria in der Gruppe B eine Runde weiter.

Die Südkoreaner treffen damit am Samstag (16.00 Uhr) in Port Elizabeth auf Uruguay, Argentinien als Gruppensieger auf Mexiko. Dieses Spiel wird am Sonntag (20.30 Uhr) im Soccer-City-Stadion von Johannesburg ausgetragen.

Griechische Selbstbeschränkung

Die Griechen verließen sich im Peter-Mokaba-Stadion ausschließlich darauf, dass das zeitgleich stattfindende Spiel zwischen Nigeria und Südkorea in ihrem Sinne ausgehen würde - mit einer Niederlage der Südkoreaner. In diesem Fall hätte ein Remis dem Ex-Europameister zum zweiten Gruppenplatz und damit dem Aufstieg ins Achtelfinale gereicht.  Doch auch die zweite Garde der Argentinier war immer noch stark genug, um die Griechen unter Druck zu setzen. Lediglich Georgios Samaras (48.), Stürmer von Celtic Glasgow, schnupperte an einem Torerfolg. Ansonsten waren die Griechen nie Willens oder in der Lage, die Abwehr des Gegners in Verlegenheit zu bringen.

Für Maradona war das Spiel eine Reise in die Vergangenheit. 1994 hatte er in den USA beim bislang einzigen WM-Duell der beiden Mannschaften (4:0) sein achtes und letztes WM-Tor geschossen. 16 Jahre später fiel der Erfolg der Albiceleste vor 38.891 Zuschauern im Peter-Mokaba-Stadion von Polokwane knapper aus - und das aus zwei Gründen: Otto Rehhagel setzte auf seine übliche Betontaktik, zudem schonten die Südamerikaner sichbereits für die K.o.-Runde: Maradona hatte seine Mannschaft auf sieben Positionen verändert. Lionel Messi allerdings lief auf eigenen Wunsch von Beginn an als Kapitän ein. Zwei Tage vor seinem 23. Geburtstag wurde der Weltfußballer damit zum jüngsten Chef der argentinischen WM-Geschichte.

Messi weiter torlos

Selbst nach dem Verlusttreffer ließ sich Griechenland nicht aus der Reserve locken.  Messi traf nach einem Solo in der 87. Minute die Stange und scheiterte zwei Minuten später an Tzorvaz, den abspringen Ball verwertete aber der eingewechselte Palermo sicher. Der 36-Jährige Veteran war von Maradona trotz vieler Vorbehalte zur WM mitgenommen worden. Berühmtheit erlangte der Stürmer bei der Copa America 1999, als er gegen Kolumbien drei Elfmeter verschoss.

In Durban scheiterte mit Nigeria nach Kamerun und Gastgeber Südafrika bereits die dritte von sechs afrikanischen Mannschaften bereits in der Vorrunde. Das Spiel machten zu Beginn die Südkoreaner, die zuvor 2:0 gegen Griechenland gewonnen und 1:4 gegen Argentinien verloren hatten. Die Nigerianer begannen nervös und fehlerhaft. Fast wie aus heiterem Himmel fiel daher das 1:0. Nach einer Flanke von Abwehrspieler Chidi Odiah von ZSKA Moskau erzielte Uche seinen zweiten Turniertreffer. Sein Bewacher Du-Ri Cha hatte nicht energisch genug eingegriffen. In der 36. Minute fand Uche die große Chance auf das 2:0 vor, sein Schuss aus gut 22 Metern ging jedoch an die Stange.

Afolabi patzte

Besser machten es kurz darauf die Südkoreaner. Nach einem Freistoß von Ki Sung-Yueng drückte Abwehrspieler Lee Jung-Soo nach krassem Stellungsfehler des Salzburgers Rafiu Afolabi den Ball per Kopf über die Linie (38.). Beschwingt vom Ausgleich in der Endphase der ersten Hälfte spielte Südkorea nach dem Seitenwechsel weiter munter nach vorne. Dies wurde nach vier Minuten belohnt, als Park Chu-Young mit einem direkten Freistoß in die rechte untere Torecke traf. Vincent Enyeama machte bei dem Schuss in die Tormann-Ecke keine gute Figur. Generell offenbarte Nigeria erneut gehörige Abstimmungs-Schwierigkeiten in seiner wackeligen Abwehr.

Nigeria, das vor der Pause noch das spielerisch tonangebende Team gewesen war, schien in der Folge völlig von der Rolle, fing sich erst nach rund einer Stunde wieder. Dann tauchten die Supereagles aber mehrmals gefährlich vor dem koreanischen Tor auf, Aiyegbeni Yakubu bliebt es schließlich vorbehalten, aus drei Metern völlig frei das Tor zu verfehlen (66.).

Am Ende eng

Doch Nigeria steckte  nicht auf und wurde dafür belohnt: Das dumme Strafraum-Foul des kurz zuvor eingewechselten Kim Nam-Il an Obafemi Martins nützte Yakubu zum 2:2-Ausgleich vom Elfmeterpunkt (69.). Was folgte war ein offener Schlagabtausch, in dem auch die Koreaner gegen eine offenere nigerianische Defensive zu Chancen kam. Die beste aber vergab Wolfsburg-Legionär Martins in der 80. Minute: Sein Heber über Korea-Goalie Jung Sung-Ryong ging am Tor vorbei, Nigerias Hoffnungen endgültig zerstoben, während die Koreaner über ihren zweiten Einzug ins Achtelfinale jubelten. (sid/APA/red)

ERGEBNISSE:

  • Griechenland - Argentinien 0:2 (0:0). Polokwane, Peter-Mokaba-Stadion, 38.800, SR Rawschan Irmatow (UZB).

Torfolge: 0:1 (77.) Demichelis, 0:2 (89.) Palermo

Griechenland: Tzorvas - Kyrgiakos, Papadopoulos, Moras, Papastathopoulos - Vyntra, Katsouranis (55. Ninis), Tziolis, Torosidis (55. Patsatzoglou), Karagounis (46. Spiropoulos) - Samaras

Argentinien: Romero - Otamendi, Demichelis, Burdisso, C. Rodriguez - Maxi Rodriguez (63. Di Maria), Bolatti, Veron - Messi - Milito (80. Palermo), Agüero (77. Pastore)

Gelbe Karten: Katsouranis bzw. Bolatti

  • Nigeria - Südkorea 2:2 (1:1). Durban, Moses-Mabhida-Stadion, 60.000 Zuschauer, SR Olegario Benquerenca/Portugal.

Torfolge: 1:0 (12.) Uche, 1:1 (38.) Lee Jung-Soo, 2:1 (49.) Park Chu-Young, 2:2 (69.) Yakubu (Foul-Elfmeter)

Nigeria: Enyeama - Odiah, Yobo, Shittu, Afolabi - Ayila, Etuhu - Obasi, Kanu (58. Martins), Uche - Yakubu (70. Obinna)

Südkorea: Jung - Cha, Cho, Lee Jung-Soo, Lee Young-Pyo - Lee Chung-Yong, Ki (87. Kim Jae-Sung), Kim Jung-Woo, Park Ji-Sung - Yeom (64. Kim Nam-Il), Park Chu-Young (93. Kim Dong-Jin)

Gelbe Karten: Obasi, Enyeama, Ayila bzw. Kim Nam-Il

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    Der 71-jährige WM-Neuling Otto Rehhagel verabschiedet sich mit seinen Griechen nach der Vorrunde. Diego Maradona, als Trainer ebenfalls Debütant auf dieser Bühne, macht als Gruppensieger weiter.

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