Acht Jahre Haft für Boss von Geldfälscherbande

22. Juni 2010, 19:39
7 Postings

Für besonderes Aufsehen sorgte Dimitr K. als er kurz nach seiner Festnahme im April 2005 seelenruhig aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt spazierte

Wien - "Der Euro ist uns heilig", erklärt Richter Peter Liebetreu dem Verurteilten. Denn: "Wir lassen uns unsere Währung nicht kaputtmachen." Der Schöffensenat hatte den 48-jährigen Dimitr K. gerade zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt. Ein Urteil nahe der Höchststrafe von zehn Jahren für den Kopf einer europaweit agierenden Geldfälscherbande. Dimitr K. nimmt das Urteil an, es ist rechtskräftig.

Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts war Dimitr K. eine der Leitfiguren einer von Bulgarien aus operierenden Geldfälscherbande, die sich auf die Herstellung von Euro-Blüten spezialisiert hatte. Er soll in Wien ein 18-köpfiges Team befehligt haben, wobei das Falschgeld in spezial präparierten Lkws oder Bussen herbeigeschafft wurde. Sodann wurde es eigens von dafür abgestellten Personen unter die Leute gebracht oder quer durch Europa und bis nach Großbritannien weitertransportiert.

Für besonderes Aufsehen sorgte Dimitr K. noch unter seinem Aliasnamen Ivan Ivanov - als er kurz nach seiner Festnahme am 13. April 2005 seelenruhig aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt spazierte, nachdem sich ein Mithelfer im Gefängnis mit einem gefälschten Dekret als Anwalt ausgegeben hatte und den Häftling in die Vorführzone bringen ließ.

Dort wechselte Dimitr K. seine Kleidung, indem er sich einen in einem Pilotenkoffer mitgebrachten Anzug überstreifte und eine Brille aufsetzte. An der Seite des vermeintlichen Anwalts verließ er dann Wien Richtung Bratislava, um kurz danach in Bulgarien wieder seine Fälschergeschäfte aufzunehmen. Dabei konzentrierte er sich nunmehr auf täuschend echt aussehende Reisepässe.

Obwohl er ein halbes Jahr später auf Basis eines europäischen Haftbefehls gefasst werden konnte, schien das Auslieferungsverfahren kein Ende nehmen zu wollen: Zunächst musste Dimitr K. in Bulgarien eine dreieinhalbjährige Haftstrafe absitzen, weil er rund 1500 Waschmaschinen bestellt, aber nicht bezahlt hatte.

Im Oktober 2009 wurde der Mann doch den österreichischen Behörden übergeben. Als im Jänner der Prozess eröffnet wurde, bekannte sich Dimitr K. formell schuldig, war jedoch bemüht, seine Rolle innerhalb der insgesamt 200 Personen umfassenden mafiösen Organisation herunterzuspielen. Das "war teilweise lächerlich", sagt Liebetreu. (APA, frei/DER STANDARD, Printausgabe, 23. Juni 2010)

Share if you care.