Und wer trauert um den ORF?

22. Juni 2010 18:54
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    Foto: apa/schlager

    ... ganz ungeniert ans Gängelband genommen": die Plenarsitzung im Parlament zum Thema "ORF neu" am 17. Juni und das Objekt der Debatte im Dienste der Informationspflicht.

Während der ersten Kondolenzbezeugungen für Hans Dichand wurde im Parlament das neue ORF-Gesetz verabschiedet - Ein Menetekel - Von Rubina Möhring

Was für ein symbolträchtiger Zufall. Justament am Todestag von Hans Dichand, Österreichs Boulevardmedienzar und Polit-Strippenzieher der Nation, erhielt der ORF sein neues Überlebensgesetz verpasst. Der ORF-Generaldirektor freute sich und war zufrieden, die Belegschaft protestierte, doch angesichts Dichands Tod und der folgenden Spekulationen über die Zukunft seines Medienimperiums war das neue ORF-Gesetz medial kein großes Thema. Gut so für jene, die das Gesetz durchboxten. Weniger gut für den ORF selbst und dessen Konsumenten. Für die Informationsvielfalt per se ist das neue ORF-Gesetz ein demokratiepolitisches Trauerspiel: Die futurezone ist futsch, regionale Information wird künftig nur nach Stückzahl bemessen, ein Spartenkanal kommt zwar - unklar ist jedoch, auf wessen Kosten.

Ganz ungeniert wurde da ein öffentlich-rechtlicher Sender per Gesetz ans Gängelband genommen. Scheibchenweise wird ihm die Refundierung bisher verwehrter Einnahmen - immerhin 160 Millionen Euro - innerhalb der kommenden vier Jahre zugesichert. Bis zum Vertragsende der jetzigen Führungsriege reicht das allemal. Da geht man dann auch schon auf so mancherlei Bedingungen ein und legt selbst Hand an bei der Beschneidung hauseigener Informationsangebote. Schließlich wird künftig eine staatliche Medienbehörde penibel das Wohlverhalten des ORF in Sachen künftiger Sparprogramme beurteilen. Ist der ORF lieb und brav, fließen die Gelder weiter.

Leichten Herzens wurde deshalb im Online-Bereich die "fuzo", die ORF-futurezone, auf dem Altar des neuen ORF-Gesetzes geopfert. Ihr Erfolg widersprach den Interessen anderer Medienlobbyisten, allen voran auch jenen des ÖVP-nahen VÖZ, des Vereins österreicherischer Zeitungen, mitsamt all dessen bisher wechselhaft erfolgreichen Engagements in den elektronischen Medien. Also weg mit der jugendorientierten futurezone. Schade drum. Denn Österreich wird dadurch um ein Segment ärmer in Sachen seriöser öffentlich-rechtlich Berichterstattung. Noch dazu in einem Bereich, der die jungen Generationen anspricht, also jene, die zumindest dem ORF-Fernsehen in Scharen davonlaufen. Selbst Medienstaatssekretär Ostermayer bedauerte in einem Lippenbekenntnis fuzos Ende. Per Gesetz ist dieses aber nun beschlossen. Auf der Strecke bleiben dabei demokratiepolitische Rechte wie Medienfreiheit, Medienvielfalt. Dieses war der erste Streich.

Reformziel Zu-Tode-Sparen? 

Streich Zwei war der Beschluss, dass ORF-Bundesländerredaktionen künftig nur noch 80 Beiträgen pro Woche an die Zentralredaktion liefern dürfen. Wie soll da der ORF als so genanntes nationales Leitmedium seiner genuinen Informationspflicht nachkommen können?

Man stelle sich vor, das Kontingent ist bereits durch Pflichtberichterstattung über regionale Politevents ausgeschöpft. Aus heiterem Himmel wird jedoch ein Bundesland plötzlich Schauplatz heißer Skandale oder gar einer außergewöhnlicher Umweltkatastrophen. Bleibt die Berichterstattung solcher quotenbringenden Ereignisse künftig privaten Sendern vorbehalten?

Wem dann ausländische Medien zuguterletzt die sensationsträchtigen Bilder teuer abkaufen würden, ist auch klar. Wird da ein Unternehmen möglicherweise langsam aber sicher als nationales Leitmedium zu Tode gespart? Und wo bleibt die Erfüllung des Informationsgebotes? Eh schon wissen: auf der Strecke.

Dichand hätte es gefallen 

Was also soll künftig das nationale Identität stiftende Bild des ORF sein? Wird vielleicht mehr Bundesländer-Grenzen übergreifender Austro-Musikantenstadelei produziert, das Programm mit heimische Dokusoaps verwaschen, unterbrochen nur von News-Flashes mit Topnachrichten aus der Welt der Morde, der Zugsunglücke und politischem Allerlei? Werden österreichische Filme, die nun mehr gefördert werden sollen, weiterhin nur zu nachtschlafender Zeit ausgestrahlt ? Wir der ORF ein nationales Leitmedium, das sich womöglich auch von der internationalen Bühne endgültig verabschiedet? Radio Österreich International wurde ja bereits aus so genannten Kostengründen erfolgreich eingestellt.

Aber nein doch. Laut neuem Gesetz darf der ORF nun endlich seinen bisherigen TV-Platzhalterkanal TW1 zu einem seriösen nationalen Informations- und Kulturchannel aufmotzen. Leicht gesagt, ohne Geld jedoch schwer getan. Was also könnte da näherliegen, als bisherige Budgets umzuwidmen. Jene von Bayern Alpha Österreich vielleicht, oder arte oder gar 3sat? Warum sich weiterhin dem Qualitätsdruck "fremder" Partner beugen statt eingeschulte Personalressourcen für den hausgemachten Kanal zu nutzen.

Wir wären dann endlich wieder richtig wir. Und das sogar ganz billig. Ist also nationales Einigeln total angesagt und damit auch das Ende grenzüberschreitenden Denkens? Wir werden es im Fernsehen sehen. Hans Dichand hätte das sicher gefallen. Auch sein Nachruf könnte zum Zeropreis im Spartenkanal als Dauerschleife der Welt nahegebracht werden. Allenfalls die üblichen Verdächtigen könnten querulieren, dass ein solcher Preis zu hoch wäre ... - Hoffen wir, dass all diese düsteren Gedanken nur unselige Unkereien sind. (Rubina Möhring/DER STANDARD; Printausgabe, 23.6.2010)

Zur Person
Rubina Möhring (Jg. 1950), Historikerin und Fernsehjournalistin, ist Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich und lebt in Wien.

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    1 2
    Gegrillte Galle
    23.06.2010 19:18
    Und wer trauert um den ORF?

    Ach, echt? Darf man schon?

    DieWahrheitistdenMenschenzumutbar
    23.06.2010 17:29
    mehr Bürgerfernsehen

    wenn wir für den ORF schon soviel zahlen dann bitte nicht für Serien die es auch in den Privatkanälen gibt und 10 Minuten ländliche Hofberichterstattung pro Tag. Statt 20€ für 2 Kanäle würde ich 10€ für einen kritischen Bürgerkanal bezahlen wollen. In der Qualität wie 3Sat aber mit mehr als 10 Minuten Bericht aus meinem Umfeld, auch Kamermann+Reporter in einer Person nahe am auch ruhig positiven Geschehen und mehr investigativer Journalismus.

    M K
     
    23.06.2010 16:17
    Auf dem Sterbebett

    Der Beitrag zum Thema ORF ist viel zu lang geraten. Er ist auch überflüssig.

    Die Schüssel-Partie hat den kranken Patienten aufs Sterbebett gelegt, und dort siecht er jetzt dahin bis zu seinem absehbaren Ende.

    Kein Gesetz kann das aufhalten, und wer hat schon die Kraft, den größeren Teil des etablierten Abzocker-Personals dieses Selbstbedienungsladens in den Ruhestand oder sonstwohin zu schicken?

    adaschauher
    23.06.2010 16:14
    um den ORf trauert keiner: die unheilige SPOeVPGrueneBZFPOe Allianz hat naemlich alle grosszuegigst bedient..

    ...und die bundesregierung hat den betrag VERDOPPELT !!!

    cee lo
    23.06.2010 15:21

    ...die denken sich wahrscheinlich "wozu brauch ma futurezone bei der gegebenen überalterung......wrabetz ist ein feiger mitläufer....

    papst benedikt
    23.06.2010 13:29

    ob es dichand gefallen hätte, spielt keine rolle. er ist tot.
    auf jeden fall gefällt es dem standard herausgeber bronner, schliesslich ist sein blatt der grösste profiteur an der hinrichtung der future zone. und schliesslich wurde das ganze ja von ihm betrieben.

    Rent a Democracy
    23.06.2010 12:58
    ... der ÖVP-nahe VÖZ ...

    bei dem auch der Standard Mitglied ist ...

    Das Ende der Futurezone ist echt eine Schweinerei, da wurden Dinge einer Relevanz gemeldet, die man hier bisher nicht lesen konnte.

    Tom Potzy
    23.06.2010 12:35
    Das einzige worüber ich trauere

    sind die Zwangsgebühren, die ich für den ORF bezahlen muss um damit einen Sender zu finanzieren, der sich in Qualität und Angebot kaum von den privaten Gratissendern unterscheidet. Aber das Geld wird ja benötigt, um z. Bsp. die Gagen der vielen Sportreporter zu bezahlen, die in die ganze Welt ausgesandt werden um uns dann in Doppelkonference mit dümmlichen Kommentaren und Analysen zu beglücken!

    Melchior Kreutzer
    23.06.2010 12:07

    Wie abgehoben muss man sein, um so etwas zu schreiben. Da bekommt der Staatsfunk in Zeiten der Krise, wo überall gespart wird ein 160 Millionen Euro Geschenk und die ORFler jammern. Da wird von „zu Tode sparen“ geschwafelt in einer Anstalt, in der die Mitarbeiter ein Vielfaches von den marktüblichen Preisen verdienen.
    Was die ORFler in ihrem Elfenbeinturm aber vollkommen übersehen ist, dass sie – aufgrund eigener Versäumnisse und Fehler – längst kein entscheiden Rolle mehr für Österreich und die österreichische Gesellschaft spielen. In den jungen Zielgruppen und bei den Neoösterreichern spielt der Staatsfunk praktisch keine Rolle mehr. So wie die SPÖ lebt auch der ORF nur noch von den Alten.
    Die ORFler sollten deshalb weniger jammern un

    Mr. Bernhard
    23.06.2010 11:40
    ORF?

    War das nicht dieser Sender mit den ultralangen Werbeblöcken zwischen Kirchennachrichten und Politikerhuldigungen? Gibt's den wirklich noch?

    M K
     
    23.06.2010 16:18

    Sie haben ihn schon länger nicht mehr gesehen?
    Ich auch nicht!

    Jujilla
    23.06.2010 11:31

    "Zu Tode gespart" für einen ORF der eurpaweit ein Gebührenkaiser ist und sich einfach viel zu viel schlechtes produziert, statt ein bisschen weniger und dafür Gutes?
    Nein, der ORF wird nicht zu Tode gespart, der ORF ist ein Faß ohne Boden, in dem einfach nur unentwegt Geld versickert. Stichwort: 9 Landesfürsten - äh. Direktoren.

    ja aber
    23.06.2010 11:31
    mir wurscht - weg mit dem orf

    ist eh nur politikerfernsehen. mit zwangsgebuehren. wenn schon pay-tv, dann freie wahl!!!

    ha, ha, ha
    23.06.2010 10:31
    Wer trauert um den ORF....

    ...kein Mensch!!!

    Neid Rider
    23.06.2010 10:26
    GIS-Gebühren auch ohne ORF

    Sollte es den ORF nicht mehr geben, muss ich dann weiterhin Gebühren zahlen? Ich habe ja weiterhin ein Gerät zu Hause, mit dem ich den ORF theoretisch empfangen könnte...

    fischkopp
    23.06.2010 11:05

    Natürlich. Selbst wenn der ORF morgen seine Tore zusperrt, die GIS lebt ewig weiter.

    Colonel Grande
    23.06.2010 10:21
    ORF: RIP

    noli turbare ...
    23.06.2010 08:43

    "Wird da ein Unternehmen möglicherweise langsam aber sicher als nationales Leitmedium zu Tode gespart?"

    Schön wär's. Aber der Bonzenfunk wird von den Parteien sicher gefüttert bis er unter 10% Marktanteil fällt. Dann wird er wahrscheinlich uninteressant und man kauft sich mehr andere Medien für Steuergeld.

    M K
     
    23.06.2010 16:19

    Mateschitz und Servus warten schon. Wahrscheinlich eh nicht mehr lange.

    See Tang
    23.06.2010 10:22

    den ORF gesundschrumpfen wäre die beste Lösung!

    1 TV-Kanal reicht!

    Seria
    23.06.2010 08:28

    Als Randstaat des deutschen Sprachraumes tut man sich natürlich schwer mit anderen deutschen Sendern zu konkurrieren. Die Länderredaktionen sind sicher zu aufwändig für das was sie bieten. Die internationalen Nachrichten geizen mit Info, da sie wohl auch am Publikumsinteresse orientiert sind. Das Publikum hat halt eine Schwäche für Musikantenstadel, Gesangsverein, Kojack, Strache etc

    Fritz Meyer
    23.06.2010 07:40
    Nicht Menetekel!


    Sondern schlicht und ergreifend a Schand.

    Fritz Meyer.

    estragon001
    23.06.2010 07:35
    ORF - R.I.P.

    Iss mir aber eh vollkommen wurscht, weil ich hab ihn rasugeblockt und denke auch nicht daran für diesen SCHROTT auch nur einen Cent zu bezahlen. Umgekehrt würde ein Schuh draus - wieviel bezahlt dieser Onanisten-Verein, dass man ihr "Programm" ansieht ?

    teuerzahler
    23.06.2010 07:09
    mir kommen die tränen!

    der intrigantenstadl und protektionszirkus orf gehört privatisiert. keine zwangsgebühren mehr für diese freunderlwirtschaft!

    einzig ö1 behalten und aus steuermitteln finanzieren, bei garantie der unabhängigkeit von parteien und regierung.

    daskarmakommtzurück
    23.06.2010 00:11
    erratum, fr. möhring!

    bezgl. 80 bundesland meldungen:

    im gesetz steht, dass bei wichtigen ereignissen die einen sozusagen österreichweiten wert haben, nicht auf das kontingent geschaut werden muss!

    (ins straßenösi-deutsch übersetzt)

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    Posting 1 bis 25 von 61
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