Zwei Jahre Sperre gegen Stephanie Graf

22. Juni 2010, 18:43

Wegen Versuch der Anwendung einer verbotenen Technik

Wien - Sechseinhalb Jahre nach ihrem Rücktritt ist eine der erfolgreichsten Athletinnen des österreichischen Sommersports von ihrer Vergangenheit eingeholt worden. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) verhängte mit Beginn 21. Juni 2010 eine zweijährige Sperre gegen die mittlerweile 37-jährige zweifache Mutter Stephanie Graf. Die Rechtskommission der NADA hatte in einem für den heimischen Leichtathletikverband (ÖLV) eingebrachten Prüfantrag festgestellt, dass die Olympia-Zweite von 2000 in Sydney über 800 m gegen die Anti-Doping Bestimmungen durch den Versuch der Anwendung einer verbotenen Technik verstoßen hat.

Die Kärntnerin hatte im November 2009 eingestanden, dass sie im Herbst 2003 in der Plasmapheresestation "Humanplasma" in Wien gewesen sei und sich Blut abnehmen, aber laut eigenen Angaben nicht rückführen habe lassen. Die Rechtskommission der NADA hatte am 5. Mai die Einleitung eines Dopingverfahrens gegen Graf bekanntgegeben und nach der mündlichen Verhandlung am (gestrigen) Montag die Sperre ausgesprochen. Graf, u.a. auch WM-Zweite 2001 in Edmonton, habe versucht, eine verbotene Technik anzuwenden, "indem sie sich Eigenblut zur Herstellung und Einlagerung von Erythrozytenkonzentrat für Zwecke der Leistungssteigerung abnehmen ließ", hieß es in der NADA-Aussendung.

Graf nicht bei Verhandlung

Graf, die im Jänner 2004 nur wenige Monate vor Olympia in Athen überraschend ihren Rücktritt vom Sport erklärt hatte, war nicht zur mündlichen Verhandlung erschienen. Sie hatte sich zu den gegen sie von der NADA erhobenen Vorwürfen durch ihren Rechtsvertreter mehrfach schriftlich geäußert und die Vorwürfe als unrichtig bestritten, teilte die NADA mit. Die Entscheidung der Rechtskommission ist nicht rechtskräftig, da seit 1.1.2010 alle Verfahrensparteien rechtsmittelberechtigt sind und keine Verfahrenspartei einen Rechtsmittelverzicht abgegeben hat.

Auf die erbrachten Leistungen der früheren Spitzensportlerin hat der Dopingverstoß keine Auswirkungen, da sie nach dem Besuch bei Humanplasma keine Wettkämpfe mehr bestritten hat. Abgesehen vom erheblichen Imageschaden für Graf als frühere Vorzeigeathletin und den Sport in Österreich, zieht die Sperre aber doch Konsequenzen nach sich. Laut Anti-Doping-Bundesgesetz kann die zweifache Sportlerin des Jahres in Österreich (2000, 2001) und Europas Leichtathletin des Jahres 2001 nach Ablauf der "Stehzeit" weitere vier Jahre nicht für einen Fachverband als Trainerin tätig werden, weiters erhält sie lebenslang keine Bundessportfördermittel mehr.

"Für uns ist sie überhaupt kein Thema mehr"

"Für uns ist sie überhaupt kein Thema mehr", sagte ÖLV-Generalsekretär Helmut Baudis, hat der ÖLV doch erst heuer im April Ergänzungen zu den Anti-Doping-Bestimmungen beschlossen, die Athleten nach schweren Dopingvergehen die Tür zum ÖLV verschließen. "Das trifft auf Trainer auch zu", stellte Baudis klar. Er stellte sich auch die Frage, ob der Fall Graf richtungsweisend für andere Akteure in der noch immer nicht ganz abgeschlossenen Humanplasma-Affäre sein könnte. Neben Graf waren auch Zeugen trotz Ladungen nicht zu der mündlichen Verhandlung erschienen, sie hatten dies damit begründet, dass sie bei den Strafverfolgungsbehörden bereits ausgesagt hätten.

Die NADA erläuterte, dass "für den vorliegenden Fall die Anti-Doping-Bestimmungen der IAAF idF 2002/2003 als den für die Athletin Stephanie Rita Graf zuständigen internationalen Fachverband anzuwenden" sind. Diese kennen keine Verjährungsfristen. Auch gäbe es keine günstigeren Bestimmungen, welche die Rechtskommission der NADA Austria allenfalls hätte anwenden können, da selbst der WADA-Code idF 1.1.2009 (Welt-Anti-Doping-Agentur) eine Verjährungsfrist von acht Jahren normiere, sodass aufgrund des Tatzeitpunktes eine Verjährung auch nach dem aktuellen WADA-Code nicht eingetreten sei, hieß es.

"Entspannte und glückliche Privatperson"

Graf habe "zumindest einmal und zwar spätestens im Herbst 2003 eine Eigenblutabnahme bei der Firma Humanplasma durchführen lassen bzw. weiters ihre Zustimmung dazu erteilt, dass das ihr abgenommene Eigenblut als Erythrozytenkonzentrat hergestellt bzw. gelagert wird. Nicht festgestellt werden konnte, was mit diesem eingelagerten Konzentrat letztlich geschehen sei. Dies war aber für die Beurteilung des gegenständlichen Sachverhaltes nicht erforderlich, da nach den im Jahre 2003 gültigen Anti-Doping-Bestimmungen des IAAF, ... , bereits der - wie im vorliegenden Fall - eingestandene Versuch der Anwendung einer verbotenen Technik, worunter ausdrücklich auch Blutdoping genannt wurde, unter Strafe stand", heißt es laut NADA.

Graf hatte Anfang Mai nach Einleitung des NADA-Dopingverfahrens mitgeteilt, dass sie "entspannt und glücklich" sei "und eine Privatperson." Sie zeigte sich überzeugt, dass das Verfahren keine Folgen haben werde. "Auf mein Leben, meine erbrachten Leistungen wird das keine Auswirkungen haben", sagte sie damals. (APA)

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Diplom Dopingfahnder Dipl.-Ing. Robert Mayreder
01
26.6.2010, 11:25
Gute Idee: Man sperrt alle nicht mehr aktiven Sportler

Könnte man auch Werner Grissmann sperren? Der hat sich sicher mit Schweinsbraten und Schnapserl gedopt. BTW: Wer glaubt, dass ihre Konkurrentinnen nicht gedopt hat, der ist nicht von dieser Welt. Leichtathletik ist der Wettkampf darum, wer Doping am besten verschleiert.

RG88
00
25.6.2010, 07:42
Angeblich bestreitet Graf

seit 6 Jahren keine Wettkämpfe. Wozu soll diese Sperre gut sein?

Háry János
22
24.6.2010, 12:36
Würden ordentliche Gerichte

dieser Auffassung folgen, dann wäre jeder, der einmal eine Bank betreten hat, wegen Bankraubs zu verurteilen.

Maria Johanna
01
24.6.2010, 14:38
Sie haben recht!

Sie haben recht. Allerdings müsste man ihr angeführtes Beispiel um die Sachverhaltsbeschreibung erweitern, dass ihr angeführter Besucher einer Bank dies maskiert, mit einer Waffe in der Hand und sichtlich mit dem Vorsatz die Bank zu überfallen tut!
Frau Graf ist des Dopings überführt worden und sie hat dies ja auch gestanden!

Marcel BAUM original
01
24.6.2010, 16:36
Nein, der Vergleich hinkt

Wenn ich so adjustiert in eine Bank gehe und ohne fremde Einwirkung den Versuch abbreche, ist das nicht strafbar. Dazu müßte erst das Wachpersonal mich an meiner Absicht hindern.
Frau Graf ist lt. der eigenen Definition der Wada von 2004 nicht des Dopings überführt
Unter 2,1 heißt es Das Vorhandensein eines verbotenen Wirkstoffes , seiner Metaboliten oder Marker in den Körbergewebs-oder Körperflüssigkeitsproben eines Athleten

unter 2,21 Es ist nicht entscheidend ob die Anwendung eines verbotenen Wirkstoffes oder einer Methode verbotenen leistungssteigernd wirkt oder nicht. Es ist ausreichend dass der verbotene Wirkstoff oder die verbotene Methode angewendet wurde oder ihre Anwendung versucht wurde.

Die Anwendung wurde nie versucht!!

anahotimmadesbummal
00
29.6.2010, 20:10

nicht die WADA, sondern die IAAF-Bestimmungen kamen in diesem Fall zur Anwendung und die sind eindeutig (frag nach bei Mario Jones & Co)

Frank der Grosse
00
24.6.2010, 14:12

Wenn er einen Plastiksack, einen Nylonstrumpf und eine Pistole dabeihat - ja.

kim basinger
00
24.6.2010, 12:06
Sperre gegen??

Ich bin für „Sperre für“

Marcel BAUM original
00
24.6.2010, 12:04
Hexenverfolgung

Diese selbst ernannten Saubermänner sind ärger als die Inquisition.
Welchen rechtsrelevanten Tatbestand haben wir den?
Eine Spitzensportlerin läßt sich Blut abnehmen. Das allein kann ja noch nicht strafbar sein, das kann man bestenfalls als Planung einer Straftat bezeichnen.
Die Ausführung der Straftat erfolgte aber nicht. Noch mehr, ein möglicher Vorteil der geplanten Tat entfällt, weil die Person freiwillig gar nicht mehr zu einem Wettkampf antritt und sie sich das Erikonzentrat auch nie mehr reinfundieren lassen hat.

Und keine Instanz die diesen selbsternannten Hüter des heiligen Grals anständig auf die Finger klopft!

An den Pranger mit ihnen.

kyselak3
 
00
24.6.2010, 13:18
spitzensport

ist die generalprobe für den totalitären staat.

Working Class
00
25.6.2010, 00:02
geh

shceiss di net an du Jamemralppen

MiGo16
00
25.6.2010, 16:05

um diese Zeit sollte man nicht mehr posten (unter gewissen Umständen. %%%%%zu hoch)
Weniger ist ab und zu mehr. IQ zb

gerry68
00
23.6.2010, 17:59
irgendwie ist das alles ein bisschen opium für das volk...

doping wird doch sowieso nicht wirklich ernsthaft bekämpft...organisationen wie nada/wada sind doch nur die feigenblätter für sportler und sponsoren(wir werden ja eh so streng kontrolliert)... und die strafen sind auch lächerlich...wenn man davon ausgeht das nicht alle dopen müsste jeder erwischte eine anklage wegen gewerbsmäßigem betrug,streichung aus allen ergebnislisten,rückzahlung aller förderungen und preisgelder und eine lebenslange sperre erhalten...aber die wirklichkeit ist...the show must go on und wir haben das feigenblatt nada/wada...

KomaPoster
01
23.6.2010, 15:46
Schafft diese NADA endlich ab! Und befasst Staatsanwälte und Richter - also Profis.

In allen anderen Ländern der Welt werden bei Doping ordentliche Gerichte befasst. Nur in Östereich schafft man ein Amterl mit Funktionären und Versorgungsjobs.

Man siehts ja am Fall Knauss. Die internationalen Organsiationen sperren ihn wegen Doping. In Österreich kommt er beim Staatsfunk unter und macht richtig Kohle. darf als Werbeträger für Bier (!) munter weitermachen. In diesem Land nimmt das Thema noch immer niemand ernst. Vor allen DIngen der NADA Chef selbst nicht.

mukl
00
23.6.2010, 16:18

ist doch bei uns auch so.

die nada kümmert sich um die sportlichen belange, die staatsanwaltschaft um die strafrechtlichen.

KomaPoster
00
24.6.2010, 10:01
Kommt ein Sportler ins Gefägnis, dann ist seine Karriere zu Ende.

Niemand braucht eine zusätzliche Organisation um Doping/Drogen-Sportler an der Ausübung von Straftaten (Wettkämpfe) zu hindern.

mukl
00
24.6.2010, 14:36

warum sollte das so sein? es gibt sicher genug sportler, die schon im häfen waren.

vor einem wettkampf einen heben gehen ist nicht illegal und trotzdem ist es doping.

doping kriminalisieren ist idiotisch. oder wollen sie einen sportler 2 jahre einsperren, nur weil er gedopt hat?
im grunde geht es um privatorganisationen, die es nicht schaffen, ihre regeln durchzusetzen. alles was darüber hinausgeht wird sowieso strafrechtlich verfolgt (sollte zumindest). doping fangt ja nicht bei illegal erworbenem EPO an, sondern bei schmerzmitteln oder gar harmloseren.

wollen sie dann auch die abseitsregel per strafrecht durchsetzen?

Alfred Moosbrugger
00
23.6.2010, 15:45

die nase und die gesichtspartie ist deutlich gewachsen, aber nicht so wie bei herrn mutola.

deshalb finde ich es gerecht, dass sie nur zweite geworden ist und ihr weibliches antlitz verschenkt hat.

erlich
00
23.6.2010, 15:09
... habe sich Blut abnehmen, aber laut eigenen Angaben nicht rückführen lassen ...

... heisst im klartext - hat sich gegenüber ihrer mitbewerber_innen absichtlich GESCHWÄCHT!

Der lustige aus dem zweiten Stock
 
00
23.6.2010, 15:00
Strafe

Und wie schaut es mit einer kleinen Geldstrafe aus ?

gueldensternn
02
23.6.2010, 14:19
Spitzenleistung von der NADA!

Besser hätte auch Dr. Fuentes die Humanplasmaaffäre nicht lösen können!

Eine vor 6 Jahren abgetretene Sportlerin der Volkseele zum Fraß vorwerfen - was für ein genialer Schachzug!

Die FunktionärInnen werden applaudieren!

Oder kommt noch was?

eleon
00
23.6.2010, 15:22

die nada ist ein verein. die humanplasma affäre zu lösen wäre aufgabe der staatsanwaltschaft.

denk mal
00
14.9.2010, 21:02
oh nein.

die staatsanwaltschaft sollte sich um angelegenheiten kümmern, die den staat oder seine bürger materiell oder an leib und leben schädigen. ansonst finde ich es rausgeschmissenes geld (ja, auch meines!) delikte zu konstruieren, um deren verfolgung dann medial zu politischem kleingeld umzumünzen. widerlich. die sportverbände sollen sich ihren dreck doch alleine machen!

zensursustanahoi
00
23.6.2010, 14:17
Lappe ohne Rentier
01
23.6.2010, 14:15
Na endlich...

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