Der kompetente Polizist

22. Juni 2010, 18:39
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Sofern die südafrikanische Polizei nicht gerade foltert oder auf Obdachlose schießt ...

Sofern die südafrikanische Polizei nicht gerade foltert oder auf Obdachlose schießt, hinterlässt sie einen sympathischen Eindruck. Es fällt auf, dass die Beamtinnen und Beamten im Schnitt dicker sind als die Restbevölkerung, und das liegt echt nicht an den unvorteilhaft geschnittenen blauen Uniformen. Sie sind tatsächlich feister.

Sie treten im Rudel auf, und warum zehn Männer und drei Frauen vor nur einer harmlosen Tür stehen, weiß höchstens die harmlose Tür. Manchmal sind sie derart in ein Gespräch vertieft, dass man einfach an ihnen vorbeigeht. Es kann aber passieren, dass sich einer erbarmt und das Foto auf der Akkreditierung minutenlang mit dem echten Gesicht vergleicht.

Über die Kompetenz zu urteilen wäre wiederum inkompetent. Es ist nur ein Gerücht, dass vor der WM Kurse unter dem Titel "So werde ich ein Dreieinhalb-Stunden-Wach-organ" angeboten wurden.

Vor dem Presseeingang im Ellis Park hat sich ein wunderbar blader Polizist aufgebaut. Er ist für den Security-Check zuständig, also für jenes Gerät, das man von den Flughäfen kennt. Spürt es gefährliche Gegenstände in der Laptoptasche oder am Körper auf (Granaten, Panzer, Handys, Geldmünzen), piepst es. Die Folge ist eine Perlustrierung.

Die Anlage des Dicken gibt seit Tagen keinen Mucks von sich. "Wahrscheinlich ist sie aus dem Spielzeuggeschäft", sagt er und geht zum Beweis viermal voll bewaffnet durch die Schleuse. Absolute Stille. Er lacht, winkt einen durch, behauptet, er könne das Gute vom Bösen ohne die depperte Technik unterscheiden. "Kontrolle ist gut, Vertrauen besser." Das Dickerchen ist seit 25 Jahren Polizist. Es wirkte kompetent. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 23. Juni 2010)

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