Beweglich wie Ölsardinen

22. Juni 2010, 18:30
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Zwei Monate brauchte es, bis die Grünen erkannt hatten, dass es hier um die Kernkompetenz ihrer Partei geht

Angesichts des beispiellosen Ölfiaskos im Golf von Mexiko reagierten die österreichischen Grünen mit einer Beweglichkeit wie Sardinen im Öl. Ganze zwei Monate ist es her, dass die "Deepwater Horizon" explodierte. Ein Ereignis, das mit einer täglichen Bilderflut von ölverschmierten Kreaturen bis zum "Livestream" der sprudelnden schwarzen Soße vor Augen führt, was die Folgen unserer auf Öl basierenden Wohlstandsgesellschaft sind.

Und was taten die heimischen Grünen? Widmeten sich mit Hingabe so zeitlosen Themen wie dem Anti-Rauchergesetz. Zwei Monate brauchte es also, bis die Grünen erkannt hatten, dass es hier um die Kernkompetenz ihrer Partei geht - und präsentierten nun den Slogan "Raus aus dem Öl!" Hätte Eva Glawischnig dafür so lange gebraucht, als sie noch bei Global 2000 aktiv war? Das sagt schon einiges über den Zustand des Parteiapparates aus.

Der Parteiapparat der Bundesgrünen, wohlgemerkt. Denn am selben Tag präsentierte der oberösterreichische Grünen-Chef Rudi Anschober die Bedarfsanalyse für neue Speicherkraftwerke. Ein beachtlicher Schritt für einen Grünen-Politiker - ist doch der Kampf gegen Staumauern in den Alpen archetypisch für die Ökobewegung. Aber wer das Ziel einer Energiewende ernst nimmt, darf sich um dieses Thema nicht herumdrücken. Anschober hat übrigens nicht so lange gebraucht, um Inserate zu schalten. Auf denen steht: "Grüne Energie statt Ölpest". (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2010)

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