WAZ-Ausstieg: Belgrad wird nicht Wien

22. Juni 2010, 18:21
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WAZ: Treuhänder wie bei "Krone" , aber Ausstieg

Essen/Belgrad/Salzburg - Belgrad wird nun doch nicht Wien: Ihr Engagement bei Serbiens größter Tageszeitung ging die deutsche WAZ-Gruppe aber ähnlich an wie anfangs das bei der "Krone".

1987 kaufte die WAZ 50 Prozent an der "Krone". Um Österreichs Öffentlichkeit nicht zu überfordern, stieg sie offiziell nur mit 45 Prozent ein. Fünf Prozent blieben treuhändig ein paar Jahre in österreichischer Hand, bis der erste Schock überwunden war.

An Serbiens Vecernje Novosti übernahm die WAZ nun offiziell 24,9 Prozent samt deren Eigentümerin, einer Salzburger Holding, die bisher Treuhändern gehörte. Von einem serbischen Unternehmer will die WAZ weitere 37,5 Prozent an Vecernje Novosti. WAZ verweist auf einen "rechtsgültigen Vertrag" darüber. Der Mann sieht sich offenbar nicht als Treuhänder, seine Anwälte kündigen Klage an. Gab's auch schon in der Krone-Geschichte.

Auch die Krone-Gründer um Hans Dichand und Kurt Falk standen als Treuhänder des heimlichen Financiers in Verträgen. Falk erstritt sich und Dichand je 50 Prozent an der Krone vor Gericht.

Die 62,4 Prozent will die WAZ verkaufen und sich wie angekündigt aus Serbien zurückziehen. Ihre 50 Prozent an der Krone will die WAZ nun behalten. Wien soll nicht Belgrad werden. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 23.6.2010)

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