Kein Einschlafen dank Billig-Futon

22. Juni 2010, 19:21
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Ein Future Optical Network alias Futon soll schnelles Internet mit günstigeren Komponenten bringen

Mit einigen letzten Plätzen auf der "letzten Meile" muss sich Österreich derzeit abfinden: Glasfaseranschlüsse, die bis zum Haus oder gar zum Endteilnehmer reichen, sind laut aktuellem Branchenbericht des Fibre to the Home Council Europe hierzulande noch eine absolute Rarität. Gerade einmal 60.000 dieser schnellen Anbindungen ans Internet gibt es bisher, in kaum einem anderen europäischen Land sind es noch weniger. Und selbst die Zahlen der österreichischen Glasfaserneukunden wachsen europaweit nur in Rumänien noch langsamer.

Dabei gilt es als ausgemachte Sache, dass der Weg zum "Breitband für alle" bei gleichzeitig steigenden Datenmengen wohl auch durch die Glasfaser wird führen müssen. Denn passive optische Netzwerke, also solche, die keine Stromversorgung benötigen, sind äußerst robust, unempfindlich gegenüber Störungen durch andere Leitungen, und sie haben bei hoher Bandbreite eine vorteilhafte Reichweite. Derzeit können die Leitungen bis zu 20 Kilometer lang sein, die von der Vermittlungsstelle zum Kunden führen.

Warum der Ausbau dennoch schleppender geschieht, als Geschwindigkeitszuwächse diesen rechtfertigen würden, kann Christian Jenkner von Lantiq Österreich - vormals Infineon - begründen: "Derartige Netze, wie sie in Asien bereits weitverbreitet sind, haben einen großen Nachteil: Der Kostenfaktor für die Komponenten ist noch enorm hoch." Als Leiter des gemeinsam mit der TU Wien durchgeführten Fit-IT-Projekts, das in der Kategorie "Embedded Systems und Halbleiter" mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurde, will nun er genau das ändern.

Ein "Futon", also ein "Future Optical Network", soll sich - wie es der Name des Forschungsprojekts vermuten lässt - aus Bausteinen zusammensetzen lassen, die in Zukunft zuverlässiger sind und dadurch die Kosten eines Netzwerks senken. Welche Lasertypen sich für den Einsatz in optischen Netzwerken vielleicht besser eignen, muss deshalb ebenso völlig neu überdacht werden wie auch die fehleranfällige Steuerung dieses Lasers. (saum, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. Juni 2010)

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