Urus steigen auf, Franzosen fliegen heim

22. Juni 2010, 19:09
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1:0 über ebenfalls im Achtelfinale stehende Mexikaner - Südafrika trotz 2:1-Erfolgs über desolates Frankreich ausgeschieden

Rustenburg/Bloemfontein - Sie tanzten ins Stadion, spielten groß auf und schlichen am Ende tieftraurig vom Platz: Mit aufopferungsvollem Kampf und einer weiteren Demütigung für den heillos zerstrittenen Vizeweltmeister Frankreich hat sich Südafrika als erster WM-Gastgeber nach der Vorrunde verabschiedet. Trotz eines 2:1 (2:0) gegen eine desolate Equipe Tricolore und der Schützenhilfe von Uruguay beim 1:0 gegen Mexiko blieb der Achtelfinal-Traum von Bafana Bafana unerfüllt. Doch es war ein ehrenvoller Abschied.

Dabei hatte es zunächst so ausgesehen, als sollte das Wunder des Aufstiegs möglich sein. Bongani Khumalo hatte die Gastgeber in der 20. Minute in Führung gebracht, Mphela in der 37. auf 2:0 erhöht. 'Ich habe zwischendurch wirklich geglaubt, dass wir es schaffen können', sagte Mphela.

Heimflug am Mittwoch

Die Franzosen, die zwei Tage nach der Spielerrevolte wegen des Rauswurfs von Nicolas Anelka erneut einen katastrophalen Eindruck hinterließen, spielten nach einer Roten Karte gegen Yoann Gourcuff (25.) 65 Minuten in Unterzahl. Am Mittwoch fliegt man nach Hause.

Bafana Bafana träumte lange vom Wunder, erst der Anschlusstreffer des eingewechselten Florent Malouda (70.) machte die Chancen zunichte. 'Wenn der Ball beim Stand von 2:0 nicht an den Pfosten gegangen wäre, hätten wir uns qualifiziert', sagte Trainer Carlos Alberto Parreira und trauerte einer Chance von Mphela zu Beginn der zweiten Halbzeit nach. Doch letztlich sah der Brasilianer das Positive: 'Ich bin stolz auf meine Jungs, sie haben das ganze Land stolz gemacht.'

Vor 39.415 Zuschauern in Bloemfontein wehrte sich sein Team von Beginn an mit aller Macht gegen das Ausscheiden. Der Schwung wurde schnell belohnt, als Khumalo nach einer Ecke von Siphiwe Tshabalala zum umjubelten 1:0 einköpfte. Frankreichs Torwart Hugo Lloris hatte den Ball unterlaufen und Abwehrmann Abou Diaby seinen Gegenspieler nahezu unbedrängt hochsteigen lassen.

Sieg außer Reichweite

Gegen zehn Franzosen nahm der Druck der Gastgeber weiter zu. Kurz nach dem 2:0 durch Mphela, der die komplette Verwirrung der französischen Hintermannschaft aus kürzester Distanz nutzte, sprach sich der Führungstreffer für Uruguay im Parallelspiel herum und schürte die Hoffnungen weiter.

Nach dem Seitenwechsel blieben die Südafrikaner am Drücker, hatten aber bei weiteren guten Chancen Pech im Abschluss. Nachdem Mphela nach Vorlage des überragenden Tshabalala mit einem Schlenzer den Pfosten getroffen hatte, scheiterte er in der Folgezeit zweimal an Lloris. Als die Gelb-Grünen alles auf eine Karte setzten, traf sie der von Malouda erfolgreich abgeschlossene Konter ins Mark. Einem Sieg kamen die Franzosen jedoch nicht mehr nahe,

Domenech war entsprechend frustriert: 'Ich bin sehr enttäuscht, es war eine traurige WM für uns', sagte der scheidende Coach, der von Laurent Blanc ersetzt wird.

Mexiko dank Tordifferenz weiter

Uruguay und Mexiko hingegen fixierten den Aufstieg. Uruguay setzte sich in Rustenburg dank eines Treffers von Luis Suarez gegen Mexiko mit 1:0 (1:0) durch und ist als Sieger der Gruppe A zum ersten Mal seit 1990 in der nächsten Turnierphase. Mexiko durfte als Pool-Zweiter auf Kosten von Gastgeber Südafrika jubeln, hatte die Nase nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vorne.

Von einem mancherorts kolportieren Stillhalteabkommen (ein Remis hätte beiden zum sicheren Aufstieg gereicht) war von Beginn an nichts zu merken. Gerade Mexiko benötigte den Sieg, um mit Platz eins in der Gruppe denwahrscheinlichen Achtelfinalgegner Argentinien, das erst am Abend spielt, zu vermeiden.

Suarez mit Goldtor

Dass die Mittelamerikaner daran scheiterten, lag schließlich nicht am mangelnden Willen. Wie schon in den Partien zuvor war der Truppe von Javier Aguirre der Wille zur Offensive deutlich anzusehen. Und weil auch Uruguay den Weg zum Kasten des nicht immer ganz sattelfesten mexikanischen Tormanns Oscar Perez suchte, sahen die Zuschauer im Royal-Bafokeng-Stadion eine phasenweise kurzweilige Partie.

In der Chancen auf beiden Seiten zu verzeichnen waren. Kurz nach dem Start rollte ein Schuss von Luis Suarez nur unweit des langen Ecks des mexikanischen Tors vorbei (4.), in der 22. Minute ließ ein Hammer von Andres Guardado aus gut 25 Metern Uruguays Latte erzittern. Die Partie verlor in der Folge etwas an Intensität, wurde durch den Führungstreffer aber wieder interessant: Nach einer Hereingabe von Edinson Cavani musste Suarez nur noch den Kopf hinhalten (43.).

Urus kaum in Bedrängnis

Mexiko, das zu dieser Zeit eine weitere Aufholjagd Südafrikas im Parallelspiel gegen Frankreich befürchten musste, steigerte nach Wiederbeginn das Tempo, die beste Chance hatte vorläufig aber Uruguay: Diego Luganos gefährlichen Kopfball machte jedoch Tormann Perez zunichte (54.).

Mexiko-Coach Javier Aguirre reagierte mit frühen Wechseln, hatte sein Kontingent schon nach gut einer Stunde erschöpft und sorgte tatsächlich für neuen Schwung. Uruguay zog sich immer weiter zurück, ließ die Mexikaner vor dem Strafraum kombinieren, in echte Bedrängnis kamen die Führenden mangels zündender Ideen des Gegners aber dennoch kaum. In der 64. Minute verpasste Francisco Rodriguez eine Flanke aus wenigen Metern nur hauchdünn, auch Franco (84.) blieb der Ausgleich in guter Position verwehrt. (APA/SID/red)

 

Gruppe A (3. Runde):

Mexiko - Uruguay 0:1 (0:1). Rustenburg, Royal-Bafokeng-Stadion, 33.425 Zuschauer, SR Viktor Kassai/Ungarn 

Tor: 0:1 (43.) Suarez

Mexiko: Perez - Osorio, Rodriguez, Moreno (57. Castro), Salcido - Torrado, Marquez, Guardado (46. Barrera) - Blanco (63. Hernandez), Franco, Dos Santos

Uruguay: Muslera - M. Pereira, Lugano, Victorino, Fucile - Arevalo, Perez, A. Pereira (77. Scotti) - Suarez (85. A. Fernandez), Forlan, Cavani

Gelbe Karten: Hernandez, Castro bzw. Fucile

Frankreich - Südafrika 1:2 (0:2). Bloemfontein, Free State Stadium, 39.415, SR Oscar Ruiz (COL).

Torfolge: 0:1 (20.) Khumalo, 0:2 (37.) Mphela, 1:2 (70.) Malouda

Frankreich: Lloris - Sagna, Gallas, Squillaci, Clichy - Diarra (82. Govou), Diaby - Gignac (46. Malouda), Gourcuff, Ribery - Cisse (55. Henry)

Südafrika: Josephs - Ngcongca (55. Gaxa), Mokoena, Khumalo, Masilela - Pienaar, Sibaya, Khuboni (78. Modise), Tshabalala - Mphela, Parker (68. Nomvethe)

Rote Karte: Gourcuff (26./Foul)

Gelbe Karten: Diaby bzw. keine

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    Goldschütze Suarez.

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