Grüner Vorstoß für neue Speicherkraftwerke

22. Juni 2010, 17:52
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Umstrittene Projekte sind laut OÖ-Landesrat Anschober für Energiewende notwendig

Linz - "Für Oberösterreich gibt es einen Bedarf von ein bis zwei Pumpspeicherkraftwerken - für den europäischen Markt bedeutend mehr." Diese Forderung kommt von keinem Sprecher eines großen Energieunternehmens - sondern von einem Grünen Politiker. Oberösterreichs Energie-Landesrat Rudi Anschober präsentierte am Dienstag eine bei der Österreichischen Energieagentur in Auftrag gegebene Bedarfsstudie - Grundlage dafür war die in Oberösterreich ausgerufene "Energiewende": Bis 2030 soll der Bedarf an Raumwärme und Strom in diesem Bundesland zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern hergestellt werden.

Allerdings: Der Strom aus Wind- und Fotovoltaikkraftwerken kann nicht kontinuierlich hergestellt werden. Die Energie muss für Zeiten der Flaute oder des Sonnenmangels auch gespeichert werden können. Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen seien daher "eine wesentliche Unterstützung für einen effizienten Ausbau von Fotovoltaik und Windkraft in Oberösterreich", betonte Anschober am Dienstag.

Speicherkraftwerke in den Alpen sind allerdings traditionellerweise bei Naturschützern höchst umstritten. In Oberösterreich sind derzeit vier Projekte in Planung: Die Anbindung des Energiespeichers Pfaffenboden in die 220-kV-Leitung Ernsthofen-Weißenbach sowie Projekte in Pfenningberg, Jochenstein und Ebensee. In Summe wäre damit eine Gesamtleistung von 1050 Megawatt möglich.

Laut der aktuellen Energieagentur-Studie seien allein für die oberösterreichische "Energiewende" ein bis zwei dieser Projekte notwendig. Oberösterreich sei aber "keine energiepolitische Insel" - und angesichts des europaweiten Ausbaus von Wind- und Sonnenstromanlagen sei ein Vielfaches dieses Bedarfs nötig.

Auch im Westen Kärntens, im Süden Salzburgs und in Tirol sind derzeit Pumpspeicherkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 5000 MW in Planung. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2010)

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