Spätstarterin mit Zug zum Ziel

22. Juni 2010, 18:35
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Bettina Roither, bisher Radio-Chefredakteurin, bewarb sich nach Frist - VP indes könnte sich für Mitbewerberin Wüstenhagen erwärmen

Wien - Donnerstag müssen sich die Kandidaten für die Führung von Ö1 einem internen Hearing stellen. Die chancenreichste Kandidatin kam erst nach der Bewerbungsfrist dazu.

Als Favoritin gilt Bettina Roither (51), bisher Radio-Chefredakteurin. Mögliche Begründungen sind bunt: Der ORF könnte der FPÖ für die Zustimmung zum ORF-Gesetz danken. Roither machte Pressearbeit für die FPÖ unter Norbert Steger, heute ORF-Stiftungsrat. Aber: Roither ist definitiv nicht der FPÖ zuzuordnen.

Aus der ÖVP kommen bisher skeptische Stimmen zu Roither. Die Bürgerlichen können sich offenbar eher für Ulrike Wüstenhagen erwärmen (leitet die Stabsstelle Kommunikation und Administration von Ö1). In schwarzen Kreisen kursiert dazu auch eine Entscheidung des Bundeskommunikationssenats gegen einen Kommentar Roithers - siehe oben - über Nationalratpräsident Martin Graf (FPÖ).

Trösten könnte die Bürgerlichen womöglich (Auskenner klingen nicht unbedingt danach): Als Radio-Chefredakteur ist der ihnen zugerechnete* Radio-Innenpolitikchef Hannes Aigelsreiter im Gespräch. Alternative von links freilich, favorisiert etwa von Karl Amon, TV-Chefredakteur mit Aufstiegspotenzial: Brigitte Handlos. Für Roither als Ö1-Chefin soll auch SP-Klubchef Josef Cap sein.

Um die Ö1-Führung hat sich auch Wolfgang Fischer beworben, der schon die Human Resources des ORF geleitet hat. Fischer war unter Gerhard Weis auch in der Radiodirektion tätig. Heute arbeitet er für Kommunikation und Marketing des ORF.

Als Favorit für die TV-Wissenschaft galt Universum-Chef Walter Köhler. Bis zur Frist nicht beworben hat sich TV-Religionschef Gerhard Klein. Doch kursiert im ORF erneut das Szenario, der Bürgerliche könnte die Wissenschaft zusätzlich führen.

TV-Magazinchef Johannes Fischer wünscht sich als seinen Nachfolger im Falter "Profis des Magazinjournalismus" wie Peter Resetarits, Claudia Neuhauser: eine Spitze gegen die bürgerliche Favoritin Lisa Totzauer (ZiB 1). Noch einen Wunsch hat Fischer: Armin Wolf (ZiB 2) "gehört irgendwann ins Topmanagement" - mehr dazu hier. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 23.6.2010)

*) Hannes Aigelsreiter verwahrt sich gegen politische Zuordnung: "Ich weiß nicht, warum Sie mir in Ihrem Artikel vom 23.6.2010 über mögliche Personalrochaden im ORF eine politische Punze verpasst haben. Lassen Sie mich dazu festhalten, dass ich unabhängig bin und als Redakteur und Leiter der Radio-Innenpolitik meine journalistische Arbeit genauso verstehe und mache. Eine Zuordnung - zu welchem Lager auch immer - halte ich für unfair und rufschädigend. Ich bitte Sie, das zu respektieren."

 

 

  • Ö1-Kandidatin Bettina Roither.
    foto: orf/ramstorfer

    Ö1-Kandidatin Bettina Roither.

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