Grün fordert Ölausstieg: "Wenn schon Öl, dann nur Kernöl bitte!"

22. Juni 2010, 17:45
  • Artikelbild
    foto: cremer

    Zwar keine Brent-Spar-ähnliche Besetzung, dafür ein bisschen ungewollter Aktionismus an der grünen Hausfassade gegen "die Ölmultis": Glawischnig und Brunner kämpfen mit ihrem Transparent.

Die Grünen entdecken "das dreckige Ölgeschäft" nach der Katastrophe im Golf von Mexiko als ihren Hauptfeind Nummer eins

Wien - Zwei leere, pechschwarz bestrichene Ölfässer, auf denen die Mikros stehen, dahinter die Grünen-Chefin Eva Glawischnig mit ihrer Umweltsprecherin Christiane Brunner: Angesichts der Katastrophe im Golf von Mexiko - seit am 20. April die BP-Bohrinsel explodiert ist, schießen dort täglich Millionen Liter Rohöl ins Meer - starteten Österreichs Ökos am Dienstag eine Kampagne, mit der sie fossilen Energieträgern abschwören.

"Raus aus dem Öl!" , lautet der Schlachtruf der Grünen, der über den ganzen Sommer erklingen soll, vor allem in Wien, wo sie vor der Wahl mit Aktionen in den Bezirken auf ihr Anliegen aufmerksam machen wollen. Das Logo der Kampagne - ein umgestürztes Ölfass auf rot-gelbem Grund - gemahnt farblich wie formal verdächtig an die bewährten Anti-Atomkraft-Buttons aus den Siebzigern, die Botschaft dahinter ist jedoch komplexer. Analog zum russisch-ukrainischen Gasstreit fordern die Grünen - wie schon 2006 unter ihrem Slogan "Pellets statt Putin" -, dass hierzulande nicht länger auf den Ausbau und die Förderung fossiler Energien, sondern vielmehr auf Ökostrom wie Ökowärme gesetzt wird.

"Das Tschernobyl der Ölwirtschaft"

Denn: Nach wie vor heizen etwa zwei Drittel der Österreicher ihr Eigenheim mit nichterneuerbaren Energien. Daher wollen die Grünen die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP jetzt in die Pflicht nehmen. Beispiel Ölkessel: Im Vorjahr, kritisiert Glawischnig, habe es "einen exorbitanten Anstieg" im Verkauf gegeben, weil "die Öllobby und Förderindustrie" die Kessel "den Familien zum halben Preis beinahe geschenkt" hätten. Damit nicht genug, wurde die Verkaufsaktion auch noch von der Wirtschaftskammer beworben. Fazit: Nach einem kontinuierlichen Wachstum des Markts für Biomassekessel kam es 2009 zu einem Einbruch um 24 Prozent, obwohl der Preis für Pellets stabil geblieben sei, bemängelt die Grünen-Chefin, für die der BP-Unfall im Golf von Mexiko bereits "das Tschernobyl der Ölwirtschaft" ist. Und überhaupt: "Die Ölkonzerne gehen über Leichen, sie vernichten ganze Ökosysteme!"

Heute, Mittwoch, beschäftigen die Grünen schon einmal den Umweltausschuss im Nationalrat mit der Katastrophe samt ihrer Gegenkampagne. In einem Entschließungsantrag fordern sie die Koalition auf, Beteiligungen an internationalen Gas- und Ölpipeline-Projekten zu stoppen. Außerdem solle es keinen Neubau und keine Wiederinbetriebnahme von Kraftwerken mehr geben, die mit Öl, Gas oder Kohle betrieben werden. Und: Ein Baustopp für in Planung befindliche Autobahnen wie Schnellstraßen sei auch hoch an der Zeit. Denn: "Sieben Millionen Euro" fließen allein in solche Programme, kritisiert die grüne Umweltbeauftragte Brunner: "Ein Vielfaches von dem, was für die Ökostromförderung zur Verfügung gestellt wird." Dieses Missverhältnis will die Partei vor dem Budgetbeschluss im Herbst auch noch aufs Tapet bringen.

Entsprechende Aktionen

Zu guter Letzt entrollen Glawischnig und Brunner am Balkon des grünen Büros in der Löwelstraße ein Transparent. Während die beiden gegen den Wind ankämpfen, verspricht eine Mitarbeiterin auch noch entsprechende Aktionen im steirischen Wahlkampf. Weil: "Wenn schon Öl, dann nur Kernöl bitte!" (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 253
1 2 3 4 5 6
potemtweller
11
27.7.2010, 11:18
der durchschnittliche gruene

hat familie, zwei autos und fliegt 2x im jahr mit dem flugzeug.viel spass beim oelausstieg.

Selfdefense
10
27.7.2010, 11:01
Kernöl aus Kernkraft

Kommt nach dem Atomstrom aus der Steckdose nun das Kernöl aus der Tankstelle?

Dein schönster Traum
00
27.7.2010, 10:14
Allerdings!

Auch ich weigere mich, aus dem Kernöl auszusteigen!

Platon der Ältere
10
Weltfremd!

Kahless
00
30.6.2010, 12:08
...

Pellets und Solar - dass wird wunderbar ! Grün wählen und 10Kg Pellets gratis dazu !

freimann
26
27.6.2010, 12:36
Man darf sich nicht wundern

wenn manche Poster hier schon gereizt reagieren.
Zu sagen "Raus aus dem Öl" und als Alternative die weitere Erhöhung der Ökostromförderung anzuführen ist so grenzenlos dumm, dass es schon weh tut.
Bei den Schwarzen ist das etwas anders, da weiß man wenigstens, dass sie damit ihr Klientel (Bauern und windige Firmen) weiter bedienen wollen. Das ist zwar auch hinterfotzig, ist mir aber noch immer lieber als die grenzenlose Dummheit der grünen Brunner.

Andreas Mittermayer
31
30.6.2010, 21:33
Na, Herr freimann!


Wie gewohnt lesen wir von Ihnen nur Behauptungen ohne inhaltliche Argumente.

Abgesehen davon sind Ihre Behauptungen auch inhaltlich falsch.

Das ist aber bei Ihnen auch nichts Neues!

ha, ha, ha
214
27.6.2010, 09:28
Wann "fordern" die Grünen...

...endlich den Drogenerhalt per E-Card?

Grisu der kleine Drache
00
27.9.2010, 11:43

Von den Grünen habe ich das noch nicht gehört, aber Peter Michael Lingens hat im Profil letztens vorgeschlagen, durch (kontrollierte) Legalisierung von Drogen der Drogenkriminalität die Existenzgrundlage zu entziehen.

MAXIMA
317
25.6.2010, 15:42
Stopfts doch das lecke Bohrloch mit den Grünen

Böser
14
24.6.2010, 13:59

wenn schon grüne, dann bitte nur als 100er

Michael ....
11
24.6.2010, 08:06

Grün fordert Ölausstieg: "Wenn schon Öl, dann nur Kernöl bitte!"

Und im Hintergrund die schönen Plastiktransparente bei der Pressekonferenz ... wo bekanntlich keine Spur von Öl zu finden ist ;)

downing
60
24.6.2010, 06:50
auto brumm brumm schön ahhh

ja die auto- und öllobby hatein ganzes stück arbeit geleistet und sogar in österreich seine jünger wie roboter gefüttert.
die gute nachricht für die ewig gestrigen ölsympathisanten ist, dass auch schön langsam an sauberen strom durch atomkraft nachgedacht wird.
so kann energie für uns alle zu jedem zeitpunkt in jeder menge und bester qualität zum einsatz kommen.
ah, einmal im erdöl schwimmen oder ein grundstück beim reaktor für die ganze familie?

/dev/stderr
22
24.6.2010, 09:41
Es gibt Alternativen zur Atom- oder Erdöl-Energie.

Nur müssen diese leistbarer/attraktiver gemacht werden. Wobei das nicht heißen muss das sie günstiger werden müssen, es würde auch reichen das zB Erdöl endlich auf seinen wahren Wert steigt und nicht künstlich niedrig gehalten wird.

Flowchi
01
24.6.2010, 06:26
solange...

...Wir den Ausstieg von unseren Politikern nicht schaffen wird alles was kommt korrumpiert werden, egal wie super es sein mag!

Wer Gold in dreckige Hände legt kann sich nicht sicher sein Sauberes zurückzuerhalten!

guten Morgen allerseits

Antun Zonger
11
23.6.2010, 21:34
Der Schreibtisch des Alten

Der alte Kapitän war in Pension gegangen. Und der neue Kapitän machte sich daran, das Geheimnis des Alten zu ergründen. Nachdem der Tresor geöffnet worden war, fand man darin einen Zettel "steuerbord - rechts, backbord - links"

Und da wird eben jemand an Van der Bellens Schreibtisch gewesen sein: "Raus aus dem Öl"

Car80
18
23.6.2010, 20:37
Tolle Sprüche

"Wenn schon Öl, dann nur Kernöl bitte!"

klingt ja wie bei der FPÖ. Kann man sicher bei der Wienwahl auf den Plakaten lesen. ich habe noch einen.

Wenn schon Grün, dann nur am Baum hängend"

multivitamin saft
 
11
23.6.2010, 20:23

na gut treibstoff/energie kann man sicher auch anders herstellen.
und kunststoffersatz ist dann ?????????
aber ich schätze das haben sich die grünen noch nicht überlegt.

Andreas Mittermayer
00
Andreas Mittermayer
00
Fortsetzung:


Weiters:

Wenn die Grünen fordern: "raus aus dem Öl" meinen sie vor allem die energetische Nutzung (Verschwendung!) des Erdöls. Es ist keine Frage, dass Erdöl für manche Artikel einen höchst wertvollen Grundstoff darstellt. Umsomehr ist eine Verschwendung, wie sie derzeit passiert, höchst unsinnig!

Das betrifft auch die Verwendung des Erdöls als Grundstoff für fast alle Verpackungsanwendungen.
Denn gerade hier gibt es genügend Alternativen!

carbonara
12
23.6.2010, 17:52

Ölgegner überwintern bei Dunkelheit und kaltem Hintern.

dergrind
12
23.6.2010, 17:34
ja kernoel

und schnelle brueter bis zum horizont...machts die augen auf...was wir an energie brauchen (weil wir vermutlich gut 80% davon fuer "diverses" in den wind schiessen) werden uns in zukunft sonne, wind und von mir aus auch der mond nicht liefern koennen...da helfen auch keine plakate...das vermutlich auch nicht erdoelfrei ist :-)

Andreas Mittermayer
00
30.6.2010, 21:41
Wären Sie informiert, hätten Sie das Posting so nicht geschrieben!


Siehe etwa:

http://www.gruene.at/uploads/m... 0_2030.pdf

http://www.bund-saar.de/joomla/im... assung.pdf

http://www.kombikraftwerk.de/

/dev/stderr
00
24.6.2010, 09:43

Die Sonne liefert genug Energie, wir sind nur scheinbar noch nicht in der es effektiv genug auszunützen...

Grisu der kleine Drache
33
23.6.2010, 17:08
Fantasielos in den Untergang


Erstaunlich wie viele Poster die Grünen als "weltfremd" und "realitätsfern" beschimpfen.

Offensichtlich scheinen viele zu glauben, wir würden bis in alle Ewigkeit Massen an Erdöl brauchen, weil sonst die Zivilisation untergeht.

Dabei ist gerade dieser Glaube an die alternativlose Abhängigkeit vom Erdöl völlig weltfremd.

Leute, es gibt andere Energiequellen! Auch wenn manche offensichtlich zu borniert sind, um Alternativen zur Kenntnis zu nehmen.

Derzeit ist Öl für viele Zwecke am praktischsten und billigsten (insbesondere als Treibstoff), doch das wird sich mit zunehmder Erschöpfung des Öls und technischer Weiterentwicklung der Alternativen umdrehen und dann kommen eben andere Energiequellen zum Zug.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 253
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.