Medwedew holt sich Know-how im Silicon Valley

22. Juni 2010, 17:38
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Russlands Präsident will am Stadtrand von Moskau eine Innovationsstadt errichten und besucht das Vorbild in den USA

Die erste Station auf seiner dreitägigen USA-Reise führt den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew ins kalifornische Silicon Valley. Nach dessen Vorbild soll am Stadtrand von Moskau eine Innovations- und Wissenschaftsstadt entstehen. Medwedew strebt daher eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Handel an.

Der politische Neustart zwischen Russland und den USA macht sich zunehmend auch in den Wirtschaftsbeziehungen bemerkbar. Beim St. Petersburger Wirtschaftsforum am vergangenen Wochenende waren die USA mit einer großen Delegation stark vertreten. US-Unternehmen wie GeneralElectrics und Boeing haben in der letzten Zeit Großaufträge aus Russland an Land gezogen. Auf seiner USA-Reise wird Medwedew auch von russischen Unternehmern wie Viktor Wexelberg, Anatoli Tschubais, Michail Prochorow und Wladimir Lissin begleitet.

In Kalifornien wird Russlands Präsident nicht nur mit Gouverneur Arnold Schwarzenegger zusammentreffen, sondern auch mit Auswanderern aus seiner Heimat. An der Westküste leben rund eine halbe Million russische Landsleute. Nicht wenige davon haben eine große Karriere in Silicon Valley gemacht.

Treffen

Medwedew soll unter anderem den Tetris-Erfinder Alexej Paschitnow sowie Max Levchin, Mitbegründer des Onlinebezahldienstes Pay Pal, treffen. Keine Begegnung wird es jedoch mit Google-Gründer Sergej Brin geben. Der in Moskau geborene Brin hatte sich in der Vergangenheit kritisch über Russland geäußert. So bezeichnete er sein Heimatland aufgrund der grassierenden Korruption als "Nigeria mit Schnee".

Damit das nicht so bleibt, will Medwedew die Gründung einer Innovationsstadt für rund 30.000 Ingenieure und Wissenschafter vorantreiben. Diese Stadt, die in der Nähe der Siedlung Skolkowo im Südwesten Moskaus entstehen soll, soll über eine eigene Verwaltung, Exekutive, weniger Bürokratie und Steuern verfügen. Für die Planungen werden aus dem Budget 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Am Donnerstag wird Medwedew seinen Amtskollegen Barack Obama im Weißen Haus treffen. Es sollen Abkommen über die Zusammenarbeit vom Antiterrorkampf bis zum Innovationsbereich unterzeichnet werden Danach geht es für beide zu den G-8/G-20-Gipfeln, die am Wochenende in Toronto stattfinden. (ved, DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2010)

  • Der russische Präsident Medwedew hat keine Angst vor neuen Technologien - im Bild mit einer 3D-Brille.
    foto: epa

    Der russische Präsident Medwedew hat keine Angst vor neuen Technologien - im Bild mit einer 3D-Brille.

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