WAZ hält an Ausstieg aus Serbien fest

22. Juni 2010, 16:59
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Deutscher Medienkonzern hält knapp ein Viertel an Tageszeitung "Vecernje novosti" - Zukauf weiterer über Treuhänder dominierter Anteile geplant, um diese später zu verkaufen

Belgrad - Die beabsichtigte Übernahme des führenden serbischen Boulevardblatts "Vecernje novosti" durch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), die in Österreich an der "Kronen Zeitung" und am "Kurier" beteiligt ist, sorgt in Serbien für Aufregung. Erst vergangene Woche hat die WAZ überraschend erklärt, dass sie sich aus dem Balkanstaat zurückziehen will. Der Medienkonzern erwerbe von WAZ-Treuhändern dominierte Anteile an der Zeitung, um sie später verkaufen zu können, erklärte WAZ-Sprecher Paul Binder auf APA-Anfrage und fügte hinzu, dass man am Ausstieg aus Serbien festhalte.

Mit der nun abgeschlossenen kompletten Übernahme der Ardos Holding GmbH aus Salzburg ist die WAZ nach eigenen Angaben mit knapp einem Viertel an der Tageszeitung direkt beteiligt. Weiters wollen die Deutschen von einem serbischen Geschäftsmann zwei weitere Gesellschaften erwerben, die ebenfalls an der Zeitung beteiligt sind. "Wie angekündigt, wird die WAZ in Serbien desinvestieren und ihr Engagement beenden", bekräftigt das Unternehmen in einer Aussendung am Dienstag.

Widerstand in Serbien

In Serbien stößt der WAZ-Anteilserwerb am Boulevardblatt auf Widerstand. In der serbischen Öffentlichkeit geht man davon aus, dass Geschäftsmann Milan Beko, ehemaliger Investitionsminister unter dem verstorbenen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic, 2006 bei "Vecernje novosti" eingestiegen war, um die Übernahme des Blattes durch die deutsche Mediengruppe zu verhindern. Dies soll mit dem Segen des damaligen nationalkonservativen Premiers Vojislav Kostunica erfolgt sein.

Auch "Vecernje novosti" selbst schießt sich heute, Dienstag, auf WAZ-Chef Bodo Hombach ein und titelt in einem Artikel: "Hombach versucht 'Novosti' zu stehlen". Die serbischen Behörden haben auf die Übernahmeschlacht bei dem Boulevardblatt vorerst nicht reagiert.

WAZ ist auf dem serbischen Medienmarkt seit Oktober 2001 durch ein Joint Venture mit dem Zeitungsverlag Politika AD mit Sitz in Belgrad vertreten. Über dieses Joint Venture hält die WAZ-Gruppe 50 Prozent an der Tageszeitung "Politika", die 1904 gegründet wurde. Dem Gemeinschaftsunternehmen gehören auch die Sportzeitung "Sportski Zurnal" und die wöchentlich erscheinende Wettzeitung "Mix". (APA)

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