Die Erde hat "zwei Packungen Zigaretten täglich geraucht"

27. Juni 2010, 20:28
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Forscher warnen vor dramatischen und irreversiblen Veränderungen in den Weltmeeren

Washington DC - Jüngste Studien deuten darauf hin, dass die rasch steigenden Treibhausgaskonzentrationen die Umweltbedingungen in den Weltmeeren in eine Richtung verändern, die es seit Jahrmillionen nicht gegeben hat. Mit der Zunahme der atmosphärischen Treibhausgase, die vom Menschen produziert werden, drohten dramatische und irreversible Veränderungen der Funktionen in den Ozeanen. Schwerwiegende Folgen für Hunderte Millionen Menschen seien nicht auszuschließen, wenn dieser Trend fortgesetzt werde, schreibt Studien-Leitautor Ove Hoegh-Guldberg vom Global Change Institute an der University of Queensland in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science".

"Die Weltmeere erzeugen die Hälfte des Sauerstoffs, den wir zum Atmen brauchen und absorbieren 30 Prozent des vom Menschen erzeugten CO2", erklärt Hoegh-Guldberg. "Damit sind die Ozeane wie das Herz und die Lunge des Planeten. Ein Überleben der Erde ohne die Meere ist nicht möglich." Die jüngsten Studien zeigen Zeichen von schlechter Gesundheit. "Es sieht so aus, als habe die Erde zwei Packungen Zigaretten täglich geraucht", vergleicht der Forscher die Situation.

Zusammenbruch ganzer Nahrungsketten

Hoegh-Guldberg warnt vor plötzlichen und unerwarteten Veränderungen, die problematische Folgen für den Menschen haben können. "Das ist zudem ein weiterer Beweis dafür, dass es zu einer nächsten großen Aussterbenswelle kommen wird", schreibt der Forscher. Die größten Probleme dabei bereiten die rasche Erwärmung und die zunehmende Versauerung der Meere, die zur Zerstörung der Korallenriffe, Seegraswiesen und Mangroven führt. Die Folge sind immer weniger und immer kleinere Fische und der Zusammenbruch ganzer Nahrungsketten.

Studien-Co-Autor John Bruno von der University of North Carolina in Chapel Hill zufolge greifen die Treibhausgase in viele wichtige physikalische und geochemische Aspekte der Erde in einer seit einer Million Jahre beispiellosen Art ein. "Das führt zu fundamentalen und globalen Änderungen der Funktionsweise von marinen Ökosystemen." Es sei mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ein Kippeffekt eintritt, dessen Folgen schnell und unaufhaltsam sind und der auch zu Veränderungen verschiedener anderer Systeme führt. (pte/red)

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