Poker um Ex-Meinl-Firmen geht in die nächste Runde

22. Juni 2010, 18:37
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Lösung für umstrittene Flughafenbeteiligung in Parma gefunden - Schiedsverfahren startet im November

Wien - Der Vergleich zwischen der Meinl Bank und jenen "Rebellen", die das Ruder bei den Ex-Meinl-Unternehmen Airports International (AI) und Power International (PI) übernommen haben, ist doch noch nicht vom Tisch. "Wir reden noch immer" sagte James Shinehouse, Direktor von Airports und Power International am Dienstag am Rande der Hauptversammlungen der beiden Gesellschaften zum Standard.

Das Problem, an dem es sich bisher vor allem spießte, war die Flughafenbeteiligung in Parma, an die eine Investitionszusage von rund 120 Millionen Euro geknüpft war und die dem Vernehmen nach keine Seite übernehmen wollte. "Dieses Problem wurde nun aber gelöst", erklärt Shinehouse, "vorausgesetzt die italienischen Behörden genehmigen die Transaktion". Denn die Beteiligung am italienischen Flughafen wurde restrukturiert - heißt: Die Investitionszusage wurde deutlich zurückgefahren. Um wie viel, wurde jedoch nicht gesagt. Die Details würden erst veröffentlicht, sobald sie vertraglich unter Dach und Fach seien. Damit werde das Objekt für Käufer aber wieder attraktiv, heißt es. Und damit erhöhen sich die Chancen für eine Lösung zwischen Meinl Bank und Rebellen.

In der Zwischenzeit wird aber auch auf gerichtlicher Ebene weiter gekämpft. Wie berichtet, hat das AI/PI-Management das Schiedsverfahren gegen die Meinl Bank wieder aufgenommen, in dem es um die Frage überhöhter Market-Maker-Gebühren und Kosten für die Börsengänge geht. Die erste Anhörung findet am 29. November in Wien statt. Shinehouse gab sich zuversichtlich, dass es bis zum Frühling 2011 eine Lösung gibt. Auch die in Jersey eingebrachte Schadenersatzklage in der Höhe von rund 240 Millionen Euro gegen die Managementgesellschaften ist wieder aufgenommen worden. Zudem hat die Meinl Bank drei neue Klagen gegen das aktuelle Direktorium eingebracht und wirft ihnen Kreditschädigung, Missmanagement und Wertverlust vor.

Beigelegt wurde hingegen die Strafanzeige, die die Meinl Bank im März 2009 gegen die AI-Board-Mitglieder wegen des Verdachts der schweren Nötigung eingebracht hatte.

Nächste Ausschüttungen

Bei den AI/PI-Hauptversammlungen wurden weitere Ausschüttungen an die Anleger bekannt gegeben. Die PI-Anleger haben bisher 6,90 Euro erhalten. Für die nächste Auszahlung wurde am Dienstag zwar die Bandbreite von 0,60 bis 1,40 Euro bestätigt - somit könnten in Summe 7,50 bis 8,30 Euro ausgeschüttet werden. Als nächster Schritt sollen aber vorerst 0,40 Euro pro Zertifikat an den Anleger fließen.

AI-Anleger haben bisher 2,95 Euro ausbezahlt bekommen, weitere Ausschüttungen in der Höhe von 1,75 bis 2,70 Euro wurden vom Direktorium am Dienstag bestätigt - fließen sollen demnächst 1,10 Euro pro Anteilsschein, wenn die Vereinbarung mit den italienischen Behörden rund um Parma fixiert ist.

Für den Fall, dass am Ende doch mehr als die genannten Beträge an die Anleger ausgeschüttet werden kann, wurde in beiden Unternehmen ein Bonussystem für die vier Direktoren beschlossen, das jeweils bis zu 600.000 Euro umfassen kann und auf die vier Direktoren aufgeteilt wird.

Das Ziel von AI/PI ist es, die restlichen Beteiligungen möglichst rasch zu verkaufen und in der Folge die Gesellschaften aufzulösen. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2010)

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