ÖVAG-Zukunft in Kürze entschieden

22. Juni 2010, 15:44
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Vorstand muss Alternativszenarien zu geplatzter Bawag-Ehe zeichnen

Wien - In den nächsten Tagen entscheidet sich das weitere Schicksal der Volksbank AG (ÖVAG). An diesem Donnerstagnachmittag werden in einem Treffen der Aufsichtsräte erste Weichen gestellt. Zunächst wird der Vorstand dort das Scheitern der Fusionsgespräche mit der BAWAG einbekennen und Alternativszenarien zeichnen. Dass die ÖVAG in der jetzigen Form solo auf dem Markt bleibt, wird am Finanzplatz in Zweifel gezogen. Es geht darum, wie auf Sicht neues Kapital aufgestellt wird.

Einem Alleingang steht die Bankenaufsicht ablehnend gegenüber. Mehrfach haben die Behörden dem Volksbanken-Spitzeninstitut einen strategischen Partner nahegelegt. Zur Beschaffung frischen Kapitals - vorzugsweise zur Ablöse der Milliarden-Staatshilfe - hatte sich die ÖVAG einen starken Fusionspartner vorgestellt. Der Wunschpartner BAWAG (bzw. dessen US-Eigentümer Cerberus) ist mittlerweile jedoch keine Option mehr.

Möglichst noch im Juni wolle man zu Festlegungen zur künftigen Aufstellung gelangen, kapitalmäßig und strukturell (Aufstockung, Trennung von Assets), verlautete am Dienstag.

Zu den Inhalten der am Donnerstag um 15 Uhr startenden Aufsichtsratssitzung machte Banksprecher Walter Gröblinger heute keine Angabe. Sobald es nach der Sitzung etwas zu kommunizieren gebe, werde man umgehend informieren.

Einfluss nicht abgeben

Einflussreiche Volksbanker wollen ihren Einfluss nicht abgeben, im Gegenteil. Ob und wie viel frisches Kapital die Hauptaktionäre (die österreichischen Volksbanken/Primärstufe) demnach zuschießen sollten, bleibt vorerst unkommentiert. Mehr als 300 Mio. Euro wurden jüngst kolportiert. Als fix gilt, dass vor allem von den Sperrminoritätsaktionären von der deutschen DZ Bank nichts nach Wien fließen wird. Die DZ Bank dürfte sich verwässern lassen, heißt es zur APA. Als offen galt vorerst weiter, wofür die frischen Mittel verwendet würden - also ob sie in der Bank blieben oder ob sie sofort weitergereicht würden, um mit der Rückzahlung des Staatsgelds zu beginnen.

Um Mittel freizuschlagen, gilt als Alternative zum Totalverkauf der Bank ein Verkauf in Einzelteilen als Option. Neben der Immotochter Europolis wird dabei auch immer die Investkredit genannt. Als sakrosankt hat der ÖVAG-Vorstand bisher immer die Ostbankentochter Volksbank International genannt, obwohl an dieser Tochter einiges Interesse herrscht. Als Empfängerin von Staatshilfe hat die ÖVAG die zuständigen staatlichen Organe in alle strategischen Entscheidungen eng einzubinden. (APA)

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