Wiener Betriebskosten stiegen zuletzt nur leicht

22. Juni 2010, 14:32
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MVÖ-Präsident Niedermühlbichler: "Versicherungskosten raus aus dem Betriebskostenkatalog"

Die Betriebskosten in Wien sind 2008 weniger stark gestiegen als die Inflationsrate, nämlich von 1,60 Euro auf 1,62 Euro pro Quadratmeter. Die Teuerung habe damit nur 1,5 Prozent betragen, während der Verbraucherpreisindex um 3,2 Prozent zugelegt habe, erklärte Georg Niedermühlbichler, Präsident der Mietervereinigung Österreichs (MVÖ).

Niedermühlbichler stellte am Dienstag gemeinsam mit MVÖ-Geschäftsführerin Nadja Shah den dritten "Wiener Betriebskostenspiegel" vor. Dessen Daten beziehen sich auf - im Vorjahr versendete - Betriebskostenabrechnungen für das Jahr 2008 in privaten Wiener Miethäusern. Stichtag für die Versendung der Betriebskosten-Aufstellungen an die Mieter ist alljährlich der 30. Juni. Die Mietervereinigung überprüft jährlich 5000 Abrechnungen.

"Versicherungskosten raus aus dem Katalog"

Auffallend sei, dass die Kosten für Müll, Wasser und Lift praktisch stagniert hätten, so Niedermühlbichler. Die Kosten für Reinigung seien mit 1,09 Prozent nur leicht gestiegen, das Gros des Zuwachses hätten die Versicherungskosten ausgemacht - mit 3,8 Prozent war hier ein überproportionaler Anstieg zu verzeichnen. Einmal mehr plädierte Niedermühlbichler aus diesem Anlass dafür, die Kosten für Hausversicherungen aus dem Betriebskostenkatalog zu streichen. Begünstigter im Schadensfall sei der Hausbesitzer, deshalb dürften die Prämienkosten nicht an die Mieter weitergereicht werden, so der MVÖ-Präsident.

Nicht zu den Betriebskosten zählen schon bisher etwa Mietzinsausfälle, Reparaturrechnungen, Delogierungs- und Prozesskosten sowie unbestimmte Beträge wie "Spesen" oder "Diverses", so Niedermühlbichler (zulässige Betriebskosten siehe unten).

Nach Wiener Bezirken betrachtet habe es 2008 in der Brigittenau (20.) die höchsten Betriebskosten (ohne Liftkosten) gegeben (mit 1,84 Euro pro m² und Monat), in Alsergrund (9.) die niedrigsten (1,49 Euro). Für Liftanlagen liegt der wienweite Durchschnittswert netto bei 1,91 Euro pro m² und Jahr bzw. bei 0,16 Euro pro Monat.

Betriebskostenrechner

Der einzige Bezirk, in dem die Müllentsorgungskosten jene für Wasserver- und -entsorgung übersteigen, ist laut Niedermühlbichler die Innenstadt. Hier gibt es aber auch eine Besonderheit: die Müllabfuhr kommt täglich.

Shah rät Mietern, zumindest einmal eine Überprüfung durchführen zu lassen. Von den durchschnittlichen Kosten des eigenen Wohnbezirks auf die eigenen Betriebskosten Rückschlüsse zu ziehen, sei letztlich wenig zielführend, da sich die Betriebskosten des eigenen Wohnhauses eventuell auch weit unter dem Bezirks-Durchschnitt bewegen könnten. Der "Betriebskostenrechner" auf der Website der Mietervereinigung liefert aber schon einmal eine erste grobe Einschätzung. (Martin Putschögl, derStandard.at, 22.6.2010)


Zulässige allgemeine Betriebskosten nach §§ 21-24 MRG:

  • Wasserver- und entsorgung sowie regelmäßige Kontrollen (Eichung, Wartung und Ablesung von Wasserzählern, sofern diese pro Wohnung angebracht sind.)
  • Rauchfangkehrer
  • Müllabfuhr
  • Schädlingsbekämpfung
  • Kanalräumung
  • Beleuchtung des Stiegenhauses
  • Angemessene Feuer-, Haftpflichtversicherung und Versicherung gegen Leitungswasserschäden
  • Angemessene Versicherung gegen Glasbruch- und Sturmschäden, wenn die Hälfte der Mieter ihre Zustimmung dazu gibt
  • Verwaltungskosten
  • Reinigungskosten
  • Öffentliche Abgaben des Hauses
  • Die Bewohner einer 70-Quadratmeter-Mietwohnung in einem Wiener Zinshaus, das über einen Lift verfügt, müssen mit jährlichen Liftkosten von im Schnitt 133,70 Euro rechnen. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur unwesentlich verändert, so die Mietervereinigung.
    foto: standard/cremer

    Die Bewohner einer 70-Quadratmeter-Mietwohnung in einem Wiener Zinshaus, das über einen Lift verfügt, müssen mit jährlichen Liftkosten von im Schnitt 133,70 Euro rechnen. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur unwesentlich verändert, so die Mietervereinigung.

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