Swasiland: Die WM zu sehen als zweite Chance im Leben

22. Juni 2010, 13:21
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Jeremiah Thwala ist mit HIV und TB infiziert, antiretrovirale Medikamente erlauben es ihm ein für viele selbstverständliches Vergnügen zu genießen

Die Thwala Familie versammelt sich um das kleine Radio, um den Kommentatoren zuzuhören, während das Spiel der 2010 FIFA Weltmeisterschaft angepfiffen wird. Die Aufregung in dem kleinen Vier-Zimmer-Haus ist so groß, dass die Nachbarn, die vorbeigehen, sie beinahe spüren können. Wie die anderen Millionen Fußballfans auf der ganzen Welt, haben sich die Thwalas schon eine Zeitlang auf diese Möglichkeit gefreut. Für sie ist die Weltmeisterschaft so aufregend, weil zum ersten Mal in der Geschichte das größte Sportereignis der Welt in Afrika stattfindet, im benachbarten Südafrika.

Familie Thwala lebt in Jerusalem, einer kleinen ursprünglichen Gemeinschaft in der Shiselweni Region, im Süden von Swasiland.

Das kleine Königreich Swasiland liegt zwischen Südafrika und Mozambique. Es ist das Land mit der weltweit größten HIV/Aids-Verbreitung, wo jeder Vierte mit HIV lebt.

Für den 48-jährigen Jeremiah Twala, der Haushaltsvorstand, ist dieser Moment eine willkommene Atempause von den Leiden einer Krankheit, die ihn in den vergangenen zwei Jahren schwer gezeichnet hat. Er kann nicht aufhören daran zu denken, dass er fast dieses historische Ereignis verpasst hätte, als er fast an der Killer-Kombination HIV und Tuberkulose (TB) gestorben wäre. Wenn er in die aufgeregten Gesichter seiner drei Kinder blickt, zwei jugendliche Buben und ein Mädchen, kann er die zweite Chance, die ihm das Leben gegeben hat, nur würdigen.

Antiretrovirale (ARV) Medikamente und eine Behandlung gegen multiresistente Tuberkulose (MDR TB) haben es ihm erlaubt, zurück ins Leben zu kehren. Jeremiah ist einer von tausenden Swasis, die sowohl mit HIV als auch mit TB infiziert sind (oder wie in seinem Fall MDR, die schwieriger zu behandeln und die tödlichere Form der TB ist).

„ARVs und TB Medikamente haben mit eine zweite Chance im Leben gegeben, aber es ist schrecklich, dass meine Frau diese zweite Chance nicht bekommen hat“, klagt er. Jeremiahs Frau, Patricia Masuku, starb im Jahr 2005, noch bevor eine Diagnose erstellt werden konnte, da die Familie nie medizinische Hilfe suchte. Sie glaubten, dass ihre Krankheit auf Hexereien von Nachbarn in der Gemeinschaft zurückging.

Während viele Menschen in Swasiland durch solche Aberglauben unnötig gestorben sind, sind umso mehr heute am Leben, weil sie einen Zugang zu kostenlosen lebensrettenden HIV und TB Behandlungen in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen haben.

Jeremiah, der zurzeit aufgrund seines Gesundheitszustandes, der sich dank der Behandlung langsam wieder erholt, arbeitslos ist, sagt, dass er allen Grund hat für immer dankbar zu sein, dass er Zugang zu ARVs und HIV Medikamenten bekommen hat. Er hat nun die Chance seine Kinder großzuziehen und sein erstes Enkelkind kennenzulernen.

Im Moment genießt er das Spiel zwischen Frankreich und Mexiko. Ein einfaches Vergnügen, das für viele selbstverständlich ist, aber eines, das einen magischen Moment für Jeremiah und seine Kinder bedeutet.

(Lungile Dlamini, MSF Information, Education and Communications Officer, Mbabane, Swasiland.)

  • Jeremiah Thwala
    foto: aerzte ohne grenzen

    Jeremiah Thwala

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