Sexueller Missbrauch

Forderungen von bis zu 130.000 Euro pro Person

22. Juni 2010, 06:26

Aufforderungsschreiben an Diözesen ergangen - Kirche wird Unterlassung zur Last gelegt

Wien - Die Rechtsvertretung Betroffener von sexuellem Missbrauch in der Kirche hat nun Aufforderungsschreiben an die Diözesen verschickt. Darin werden für die 131 Kläger Entschädigungszahlungen in Höhe von bis zu 130.000 Euro pro Person verlangt. Den jeweiligen Diözesen sowie Erzdiözesen wird Unterlassung zur Last gelegt. Weiters wirft Rechtsanwalt Werner Schostal der Kirche vor, als Erfüllungsgehilfe bei den verschiedenen Fällen von Missbrauch mitgewirkt und Geistliche bewusst weiter eingesetzt zu haben.

"Betroffene kirchlicher Gewalt"

"Da der Diözese bekannt war, dass es in Ihrer Diözese zu sexuellen Übergriffen auf Schutzbefohlene gekommen ist, und sie nichts dagegen unternommen hat, setzte sie ein objektiv pflichtwidriges und daher schuldhaftes Verhalten", heißt es in dem Aufforderungsschreiben. Schostal, der die Opfer - sie sind in der Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" organisiert - vertritt, hat in einem ersten Schritt an sechs Diözesen ein Schreiben gerichtet, das jeweils einen exemplarischen Fall behandelt. Innerhalb von zehn Tagen muss eine Antwort erfolgen.

Die sexuellen Übergriffe lassen das Verhalten der Diözesen "in einem noch strengeren Licht erscheinen", ist der Anwalt der Meinung. Die Opfer hätten sich "voll und ganz der Institution Kirche" anvertraut. "Auch an Aufklärung war in dieser Zeit noch nicht zu denken, sodass das Opfer sich niemanden anvertrauen konnte und mit der Tatsache des sexuellen Übergriffes alleingelassen wurde." Eine Verjährung in manchen Fällen will der Anwalt nicht anerkennen.

Unterlassungsdelikt

Neben dem Tatbestand des Missbrauchs erfülle die Kirche noch jenen eines Unterlassungsdelikts, ist Schostal der Ansicht. "Die Erzdiözese nahm es billigend in Kauf, dass sexuelle Übergriffe auf Schutzbefohlene geschehen, da sie keine erkennbaren Gegenmaßnahmen setzte bzw. sich nicht vergewisserte in weit in ihrer Diözese solche Vorfälle passieren", so die Begründung. "Entsprechende vom Gesetz geforderte Handlungen, um solche Taten zu verhindern, wurden ohnedies nicht gesetzt." Die Diözese hafte somit für Handlungen des unmittelbaren Schädigers als Erfüllungsgehilfe wie für eigenes Verschulden.

Gegen "Besorgungsgehilfenhaftung"

Weitere Schuld sieht der Rechtsanwalt insbesondere in jenen Fällen, in denen die Kirche den "unmittelbaren Schädiger" weiter in Bereichen einsetzte, "in denen sich seine gefährliche Neigung realisieren konnte" und spricht von Besorgungsgehilfenhaftung: "Wer sich wissentlich einer gefährlichen Person zur Besorgung seiner Angelegenheiten bedient, haftet für den Schaden, den sie in dieser Eigenschaft einem Dritten zufügt."

Schostal geht davon aus, dass sich die Summen der Entschädigungszahlungen in der Bandbreite von 15.000 Euro für leichte Gewalt und 130.000 Euro für schwere Gewalt bewegen müssen. Bis zur genauen Klärung der Ansprüche sind die Diözesen aufgefordert, "ohne weiteres Zuwarten" ein Akonto in der Höhe von 15.000 Euro zu erbringen. Zusätzlich verlangt die Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" auch Therapiekosten erstattet, lediglich jeder fünfte Betroffene benötige dies allerdings, so ein Sprecher der Plattform.

Ausdrücklicher Wunsch der Betroffenen ist es auch, dass die an die Diözesen übermittelten Daten nicht an die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Opferanwaltschaft unter Waltraud Klasnic weitergeleitet werden. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 253
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Ann Ecker
61
23.6.2010, 01:26
Bin ich auch missbraucht worden?

Ich sag mal ja.
Ich möchte nämlich auch 15.000 €. Wo muss man sich da anmelden?
Lotto spielen ist altmodisch. Kirche klagen!

monoton
11
24.6.2010, 09:30

das ist wieder typisch, die opfer nochmals durch unterstellungen zu schädigen.
das gefällt euch erzkatholischen freunden der pädophilien

W.Hammerl
42
23.6.2010, 00:41

Was heißt 131 Kläger? Haben 131 Personen kirchliche Institutionen bei Gericht verklagt? Dann soll man natürlich einmal die Urteile abwarten. Oder versuchen lediglich 131 Personen mit Hilfe gieriger Anwälte zu Geld zu kommen?

daBart
00
23.6.2010, 12:53

Ich würd mal sagen du liegst mit deiner pauschalen Annahme "Gierige Anwälte" genauso falsch wie die Leute mit "Alle Kirchenvertreter sind ...". Die Wahrheit wird meines Erachtens in der Mitte liegen, es hat sicherlich echter Missbrauch stattgefunden und es wird auch den ein oder anderen Trittbrettfahrer geben.

Das Beste es hält sich aus der ganzen Misere der ganze Politapparat raus und lässt die Gerichte die Fälle verhandeln.

Prof. Alois
 
00
29.6.2010, 15:12
Ein frommer Wunsch

Zur Zeit müssen sich Priester mit K ollar in der Straßenbahn beflegeln lassen. Weil die Medien so tun, als gäbe es jedes Monat 131 Opfer. Und nicht über die letzten 40 Jahre verteilt. Die meisten Opfer, die sich outen, deren Tat ist verjährt. Es kümmert aber den mediengeilen Anwalt nicht, dass seine Klage abgewiesen wird. Wegen Verjährung. Dem sind die Gefühle eines Opfers von Herzen egal.
Die Kirche entschädigt alle, die glaubwürdig darstellen können, dass sie geschädigt wurden.

Mögen alle anderen Organisationen, die mit Jugendlichen zu tun haben, sich nicht dahinter verstecken, sondern genauso handeln.

Goldmarie
02
22.6.2010, 18:21
Das sollte allen klar sein

Millionen können nicht gut machen, was die Kirche an den von ihr körperlich und sexuell mißbrauchten Kindern verbrochen hat.

W.Hammerl
40
22.6.2010, 18:16

Ich nehme an, der Brief ist bereits in der Rundablage.

Karl Buschina
50
22.6.2010, 17:05
Ich bin ganz allgemein kein Freund von Religionsgemeinschaften.,.

Aus der Kirche bin ich schon vor mehr als 30 Jahren ausgetreten. Aber dieser Anwalt glaubt, dass er sich über gesetzlich festgelegte Verjährungsfristen einfach hinwegsetzen kann und diese von seiner Anerkennung abhängen. Auch wenn alle seine Vorwürfe zutreffen sollten so ist doch sein Wunsch nach € 15.000 Akonto nicht nur eine Anmaßung sondern auch reichlich naiv, weil so eine Zahlung vom Gericht als Schuldeingeständis gewertet würde und auf das wird kein Anwalt der Kirche einsteigen.
"Innerhalb von zehn Tagen muss eine Antwort erfolgen" - wer sagt das und was wenn nicht?

Ich glaube daher, dass die Betroffenen sich um einen kompetenteren Anwalt umschauen sollten.

Senator Alvin M. Greene
02
22.6.2010, 23:52

Soweit ich weiß beginnt die Verjährungsfrist in solchen Fällen mit der Volljährigkeit der Opfer und kann auch verlängert werden.

Keglevics
03
22.6.2010, 23:07
Keine Sorge,

der Anwalt wird schon auf dem richtigen Weg sein.

abc 1234
00
22.6.2010, 16:57
Nannte man das im Mittelalter nicht Ablasshandel?

Ach hoppla ... das Geld fließt ja in die falsche Richtung.

Grundsätzlich ist eine außergerichtliche Einigung nicht komplett falsch, da den Betroffenen eine öffentliche Anhörung der Ereignisse erspart bleibt.

Trotzdem fraglich den Bock zum Gärtner zu machen anstelle diese "Entschädigungen" rechtstaatlich geprüft zukommen zu lassen.

John Sandwich
128
22.6.2010, 15:48
verschiedene Opiate:

http://www.kirchenaustritt.at/
... ist eine private Webseite mit allen Informationen zum Austreten aus jeglicher Religionsgemeinschaft. Ein Austritt dauert meist nur 10 Minuten.

http://www.atheistische-religionsgesellschaft.at/
Als eine Gruppe von Atheistinnen und Atheisten beteiligen wir uns am religiösen Diskurs und wollen ganz konkret erreichen, dass unser religiöses Bekenntnis auch als ein solches staatlich anerkannt wird.

http://venganza.at/
Vereinigte Kirche des FSM - Austria

http://www.wir-sind-kirche.at/
Verein zur Förderung von Reformen in der römisch-katholischen Kirche

http://www.priesterinnen.net/
Initiative Weiheämter für Frauen in der römisch-katholischen Kirche

...

konski
22
22.6.2010, 20:12
rot stricheln

zeugt von humorlosigkeit?
und das ist ja wohl schlimmer als gottlosigkeit oder bigotterei.

Freie Welt
211
22.6.2010, 15:47
Der instabilste Teil unserer Gesellschaftsordnung

ist offenbar die Rechtsstaatlichkeit.
Denn kaum passt sie uns in einem konkreten Fall nicht in den Kram, schieben wir sie einfach zurSeite, als hätte sie hierbei keine Gültigkeit.

All das ist gut beobachtbar bei Staatsbürgern, die ein Strafmandat wegen Falschparken erhalten, die ihre Steuererklärung abgeben oder die sich über mutmaßliche Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche erregen.

Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind nicht viel mehr als ein selbstgerechter Mob.

Sol´kanar -The Swamp King
43
22.6.2010, 16:39
es ist weniger das,

sondern eher dass man die gewissheit hat, bei einem strafzettel oder anderen "delikten", wie ein bissi was an der steuer vorbeigeschleust zu haben, nicht davonkommt und gleichzeitig zu wissen, dass der milllionen-hinterzieher, korrupte politiker und missbrauchende hohe geistlicher ungeschoren bleibt UND WEITERMACHT!

Prof. Alois
 
63
22.6.2010, 16:24
Das stimmt

Weil sich in früheren Jahrzehnten niemand an die Justiz wandte soll jetzt die Kirche gradestehen. Das ist eine feine Auffassung von Gerechtigkeit.

Quasis Herr Karl
10
22.6.2010, 18:37
Weil früher...

und jetzt. Keine Angst, der Großteil der Verbrechen ist verjährt, viele Täter verfault. Weshalb sich Opfer erst sehr viel später oder gar nicht melden, darüber sollten Sie sich unvoreingenommen informieren. Material dazu gibt es genügend.

Prof. Alois
 
00
23.6.2010, 20:30
Womit Sie mir jetzt endlich bestätigt haben

dass diesen Dingen juristisch nicht beizukommen ist. Wenn man nur irgendein Gefühl dafür hat, wie es einem Opfer dabei geht.

Quasis Herr Karl
00
23.6.2010, 21:00
Ich weiß nicht, was Sie mit "juristisch beikommen"

meinen.
Meine Forderung hat sich nie an oder gegen die Kirche gerichtet sondern an den Staat. Jener ist verpflichet die kriminellen Vorkommnisse in den so genannten "Landesheimen" in einer unabhängigen Kommission aufzuarbeiten. Um die kirchlichen Fälle kümmert sich ja eh die Klasnic-Kommission. Wer kümmert sich um die Verbrechen in staatlichen Anstalten? Auch wenn die Täter verfault sind, die jeweiligen Landesregierungen haben in ihrer Aufsichtspflicht schwer versagt. Ich war in solchen Anstalten, weiß was ich schreibe und will. Auch Frau Klasnic hat vor einer Woche selbiges gefordert, in Salzburg wird bis Mitte Juli eine Einrichtung dafür stehen, in Tirol existiert eine solche, in OÖ ist man nicht mehr weit davon entfernt. So wie die einzelnen Diözesen die Fälle sammeln und bündeln, an die Kommission von K. weiterleiten, so sind die Fälle aller Bundesländer zu sammeln, bündeln und an eine Kommission im Parlament weiter zu leiten. Feymann mag das nicht? Na schauma amoi. Es geht mir in allererster Linie um Aufklärung dieser Verbrechen, den Kriminellen und Schuldigen einen Namen zu geben, und sich nicht so niederträchtig hinter den Skandalen der Kirche zu verstecken.Politikerinnen und Politiker die sich weigern eine staatliche Kommission einzurichten haben entweder keinen Charakter, oder sie verfügen über eine ausgeprägte Unwissenheit darüner was in diesen Kinderkasernen vor sich gegangen ist.

Prof. Alois
 
00
28.6.2010, 16:00
Aufarbeiten geht nur dann

wenn das Opfer dezitiert zustimmt und von einem unabhängigen Gremium darauf hingewiesen wurde, was auf es zukommt, sollte das ganze gerichtlich aufgearbeitet werden.

Das ist der Grund, warum es keine Anzeigepflicht gibt bei Kindesmissbrauch. Es braucht einen Anstoß der Gesellschaft, damit sich möglichst viele finden, die sich ohne Rückjsicht auf ihr eigenes Seelenleben outen. In Form der K irche hat man so eine Stellvertreterorganisation gefunden. Es muss möglich sein, auch den Rest der Gesellschaft zur Verantwortung zu ziehen.

Mokka Sinn
43
22.6.2010, 15:59
Hier geht es um Hilfe für die Opfer und größtmögliches Abstellen der verbrecherischen Tätigkeiten einer schwerstkriminellen Organisation.


Nicht um ihre zugegebenermaßen offensichtlich ebenso dringende Selbstfindung.

RG88
40
22.6.2010, 15:39
Nach einer Entschädigungszahlung wird

dann auch die Rosette wieder ins rechte Lot gerückt.

Standardjurist
1919
22.6.2010, 15:11
Von einem ehemaligen hochrangigen RKK-Mitarbeiter

in den USA, der nunmehr für die Opferseite arbeitet:

"You touch their money and you get their attention."

sir osis of liver
 
03
22.6.2010, 16:01

in diesem fall lobe ich mir "amerikanische" zustände. die kirchen ernähren sich ausschliesslich von spenden und schmarotzen keine steuergelder.

konski
00
22.6.2010, 20:14
...

aber sie müssen kaum steuern zahlen...

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