"Die Altstadt ist frei" - aber nicht ganz

21. Juni 2010, 19:30
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Seit dieser Woche wird das Zentrum der Altstadt mit 36 Pollern vor illegal zufahrenden Autos geschützt - Auch das Kaiviertel soll nun für Pkw gesperrt werden

Salzburg - Was lange währt: Nach jahrelangen Debatten und gegen den Widerstand der Wirtschaftskammerfraktion in der Stadt-ÖVP ist die Salzburger Altstadt ab sofort für illegal zufahrende Autos gesperrt. Insgesamt 36 Poller riegeln seit Montag die Fußgängerzone außerhalb der Ladezeiten ab.

Einige der Poller sind mittels Fernbedienung versenkbar. So können Anrainer, Einsatzkräfte oder auch Hotelgäste weiterhin in die Altstadt zufahren. Insgesamt hat die Stadt rund 600.000 Euro für den Schutz des Weltkulturerbes vor den illegalen "Kaffeefahrten" (Bürgermeister Heinz Schaden, SPÖ) ausgegeben.

Des Bürgermeisters Jubel, "die Altstadt ist frei", bei der offiziellen Inbetriebnahme der Poller trifft die Realität freilich nur zum Teil. Der südöstliche Altstadtteil, das Kaiviertel, bleibt weiterhin für den Individualverkehr geöffnet. Am Kajetanerplatz und in der Basteigasse betreibt die Salzburger Parkgaragengesellschaft zwei bewirtschaftete Parkplätze. Eigentümer der Gesellschaft sind Stadt und Land. Geht es nach den Kaufleuten und der Bürgerliste, soll als erster Schritt der Kajetanerplatz zwischen Landesgericht und Kajetanerkirche autofrei werden.

Vorkämpfen

Derzeit müssen sich all jene Touristen, die am Busterminal Nonntal die Reisebusse verlassen, mühsam durch die parkenden Autos Richtung Altstadt vorkämpfen. An Spitzentagen werden im Süden der Altstadt laut Padutsch immerhin bis zu 160 Busse gezählt. Ersatz für die derzeit 40 Stellplätze auf dem Kajetanerplatz könne in der angrenzenden, neu gebauten Parkgarage der Barmherzigen Brüder geschaffen werden, argumentieren Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) und der Sprecher der Kaiviertler Wirtschaft Peter Bernhofer.

War bei den Pollern vor allem die ÖVP auf der Bremse gestanden, so ist es beim Kajetanerplatz nun plötzlich die SPÖ. Hauptargument gegen einen autofreien Platz sind jene 240.000 Euro, die die Parkgaragengesellschaft hier jährlich einnimmt. Auf diese könne man nicht verzichten. "Wenn man einen autofreien Platz politisch will, ist es wirtschaftlich machbar", sagen hingegen die Vertreterin der Bürgerliste im Aufsichtsrat der Garagengesellschaft Ingeborg Haller und Stadtrat Padutsch. Laut Padutsch habe die Garagengesellschaft allein im Jahr 2008 einen Überschuss von 800.000 Euro erwirtschaftet. Kommenden Montag will die Bürgerliste im Aufsichtsrat von der Geschäftsführung Berechnungen einfordern, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Sperre des Kajetanerplatzes hätte. (Thomas Neuhold/DER STANDARD-Printausgabe, 22.6.2010)

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