Nun Fliesen am Tapet

21. Juni 2010, 18:29
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Brüssel/Wien - Ausgerechnet kurz nach der Ankündigung Pekings, das Währungssystem zu flexibilisieren, tut sich eine neue Front in den Handelsbeziehungen mit Europa auf. Die EU-Kommission geht Dumpingvorwürfen europäischer Hersteller gegen chinesische Fliesenproduzenten nach.

Der Europäische Verband der Keramikkachel-Hersteller hatte im Mai Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt, die zum Schutz vor unfairem Preiswettbewerb ausländischer Anbieter Zölle verhängen kann. Der europäische Verband habe nachgewiesen, dass die Menge und die Preise der Importe aus China den Marktanteil der europäischen Konkurrenten verdrängt habe, hieß es in der Ausgabe des Amtsblattes der Europäischen Union vom Wochenende.

Derartige Auseinandersetzungen sind freilich nichts Ungewöhnliches. Die EU hat bereits in mehreren Branchen, wie etwa in der Stahl- oder der Schuhindustrie, den Importen aus China Zölle auferlegt. Auch die USA beschweren sich laufend über Dumping des Reichs der Mitte. Ende des Jahres wurden beispielsweise Strafzölle auf Stahlrohre verhängt. Auch Reifen werden mit einem Zollaufschlag belegt.

Umgekehrt beklagt China Handelshemmnisse beim Import von US-Autos. Vor allem bei Stufenhecklimousinen und Geländewagen vermutet die Regierung illegale Praktiken und Exportsubventionen. Zudem sind Peking die hohen Geflügel-Importe aus den USA ein Dorn im Auge. Die Vereinigten Staaten überschwemmten den chinesischen Markt mit Hühnerteilen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.6.2010)

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