Chile knackt die Schweizer Festung

21. Juni 2010, 18:05
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Südamerikaner schlagen Eidgenossen mit 1:0 und fahren bereits den zweiten Sieg ein - Schweizer Behrami sah Rot

Port Elizabeth - Bei Chile wirkte wieder Humberto Suazo mit, der Legionär von Real Saragossa, den der argentinische Coach Marcelo Bielsa beim 1:0 gegen Honduras wegen der Nachwirkungen eines Muskelfaserrisses auf die Bank setzte. Suazo ist Hauptverantwortlicher für Chiles achte WM-Teilnahme, mit zehn Toren wurde er Schützenkönig in der Südamerika-Quali, die Chile hinter Brasilien auf Platz zwei beendete. Suazo freilich gelang kein idealer Einstand, bereits in der ersten Minute sah er nach einem Foul an Stephane Grichting Gelb. Folgenschwerer war die Gelbe für Chiles Carlos Carmona, da es seine zweite war im Turnier, ist er fürs letzte Gruppenspiel gegen Spanien gesperrt.

Ottmar Hitzfeld krempelte die schweizerische Mannschaft, der der epochale 1:0-Erfolg gegen Spanien gelang, etwas um. Das lag auch daran, dass der Knöchel des Rekordschützen Alex Frei (40 Tore) wieder in Ordnung war. Und am genesenen Oberschenkel von Valon Behrami. Folgenschwer war der nicht allzu harte Schlag des West-Ham-Legionärs gegen Leverkusen-Legionär Arturo Vidal (31.), welcher leicht fiel. Referee Khalil Al Ghamdi aus Saudi-Arabien, der die Partie nie richtig in den Griff bekam, zeigte Behrami Rot. Und der Schweizer waren nur noch zehn. Kurz vor dem Pausenpfiff holte Hitzfeld Herrn Frei vom Feld und ersetzte ihn durch Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta, der ebenfalls in Leverkusen arbeitet.

Torchancen gab's zunächst kaum im Nelson-Mandela-Bay-Stadion. Vidal, Carmona und Alexis Schanchez schafften es immerhin, am Schweizer und Wolfsburger Tormann Diego Benaglio zu scheitern. Die Nati brachte vor der Pause nach vorn nichts Nennenswertes zuwege.

Nach der Pause brachte Bielsa ZSKA-Moskau-Kicker Mark Gonzalez für den enttäuschenden Suazo, was sich auszahlen sollte. Und Jorge Valdivia für Vidal. Die Chilenen stürmten ambitioniert. Und in der 48. Minute landete der Ball im schweizerischen Tor. Schütze Sanchez frohlockte, doch hinter seinem Rücken war schon offenbar, dass das Tor nicht zählte. Gleich drei seiner Kollegen waren beim Weitschuss im Abseits gestanden, Gonzalez lenkte den Ball noch ab. Wenig später rettete Benaglia durch zeitgemäßes Herauslaufen vor Sanchez.

Dazwischen gab's immer wieder Tumulte. Die Kicker beider Teams benahmen sich gar nicht artig, was auch an der mangelnden Souveränität des Referees lag, der schlussendlich neun Gelbe und eine Rote zeigen sollte.

Man schrieb die 67. Minute, als die numerisch geschwächten Schweizer einen neuen WM-Rekord aufgestellt hatten, den sie noch ein wenig verbessern sollten. 551 Minuten lang waren sie zu diesem Zeitpunkt bei einer Endrunde gegentorlos geblieben. Die letzten, die gegen die Eidgenossen netzten, waren die Spanier 1994 beim 3:0. Zur Erinnerung: Bei der WM 2006 scheiterten die Schweizer nach einem 0:0 im Elferschießen an der Ukraine.

Nach 559 Minuten freilich war's vorbei mit der schweizerischen Gegentorlosigkeit. 75. Minute in Port Elizabeth: Flanke des eingewechselten Esteban Paredes, Gonzalez verwandelt per Kopf. Chile hatte weitere Chancen. Und der eingewechselte Eren Derdiyok vergab noch eine gute Ausgleichschance. (bez; DER STANDARD Printausgabe 22. Juni 2010)

Chile - Schweiz 1:0 (0:0). Port Elizabeth, Nelson-Mandela-Bay-Stadion, 34.872, SR Khalil Al Ghamdi (Saudi-Arabien).

Tor: 1:0 (75.) M. Gonzalez

Chile: Bravo - Medel, Ponce, Jara - Isla, Carmona, Vidal (46. M. Gonzalez) - Sanchez, Fernandez (65. Paredes), Beausejour - H. Suazo (46. Valdivia)

Schweiz: Benaglio - Lichtsteiner, Von Bergen, Grichting, Ziegler - Behrami, Huggel, Inler, Fernandes (77. Bunjaku) - Frei (42. Barnetta) - Nkufo (68. Nkufo)

Rote Karte: Behrami (31./Tätlichkeit)

Gelbe Karten: H. Suazo, Carmona, Ponce, Fernandez, Medel, Valdivia bzw. Nkufo, Barnetta, Inler

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    Eifrige Chilenen brachten defensive Schweizer mit 1:0 zu Fall.

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    Nicht ganz dicht: Der Eidgenossen Abwehr hielt dem chilenischen Treiben keine 90. Minuten stand.

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