Lumumba-Mord: Sohn kündigt Klage gegen zwölf Belgier an

22. Juni 2010, 16:06

In der Vergangenheit Anschuldigungen Belgier hätten den Mord gedeckt oder sogar unterstützt

Brüssel - Kurz vor den 50-Jahr-Feiern zur Unabhängigkeit der heutigen Demokratischen Republik Kongo von Belgien ist der Mord am ersten kongolesischen Regierungschef Patrice Lumumba wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Lumumbas Sohn Guy kündigte am Dienstag in Brüssel eine Klage gegen zwölf Belgier an, die 1961 in die Ermordung seines Vaters verwickelt gewesen sein sollen. "Ich will wissen, warum er getötet worden ist", sagte er in der belgischen Hauptstadt. Kommende Woche werden König Albert II. und Königin Paola zu den Feierlichkeiten in Kinshasa erwartet.

Die Klage, die im Oktober vor einem Brüsseler Strafgericht eingereicht werden soll, richtet sich nach Angaben eines Anwalts von Lumumba gegen "Polizisten, Militärangehörige und Funktionäre". Sie laute unter anderem auf "Kriegsverbrechen". In der Vergangenheit wurden immer wieder Anschuldigungen laut, Belgier hätten den Mord gedeckt oder sogar unterstützt. Eine Untersuchungskommission des belgischen Parlaments gelangte 2001 zu dem Schluss, dass Belgien eine "moralische Verantwortung" für den Mord trage.

Eine Gruppe namhafter Anwälte und Historiker rief die Staatsanwaltschaft in Brüssel am Montag dazu auf, Anklage zu erheben. "Die Fakten sind ermittelt und belegen, dass es sich bei den Ereignissen von 1960 und 1961 um Kriegsverbrechen handelte", sagte Christophe Marchand, der das Anwaltsteam leitet. Der erste kongolesische Regierungschef wurde durch einen mit der früheren Kolonialmacht und den USA abgesprochenen Putsch von Oberst Joseph-Désiré Mobutu (dem späteren Diktator Mobutu Sese Seko) gestürzt, in Léopoldville (heute Kinshasa) ins Gefängnis gesperrt und im Jänner 1961 von belgischen Agenten in die abtrünnige Region Katanga gebracht. "Sie waren für seine Ergreifung, Entführung und schließlich Ermordung verantwortlich", sagte der Historiker Luddo de Witte, dessen Forschungen schon die Parlamentsuntersuchung eingeleitet hatten. Lumumbas Leichnam wurde nie gefunden. Mehrere der Verdächtigen sind noch am Leben. Marchand sagte, er erwarte die Eröffnung des Verfahrens im Oktober. (APA/AFP)

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Patricè Lumumba ist Africa,...

...im Allgemeinen. ^^

alwqays remedmber 11. opf september

allende
und
mossadeq sind zwei andere diee mir spontan einfallen

Raoul Pecks "Lumumba"-Film von 2000 ist hier übrigens wärmstens zu empfehlen.

Der Mord geht auf das Gewissen der belgischen Regierung und der CIA. Ein sehr dunkles Kapitel der Kolonialgeschichte.

Der war für den "freien Westen" nicht korrupt genug.

Das war sein Todesurteil.

Mit Mobuto konnte der "freie Westen" gut leben.

Der

Nachfolger Mobutu wird auch seinen Teil an der Sache gehabt haben.
Ob Lumumba besser gewesen wäre... keiner weiss es, und dass ist echt schade.

so schrecklich die belgier waren, so beeindruckt bin ich, dass sie offener mit ihrer geschichte umgehen

und nicht mehr so wie damals auftreten, sondern ihre afrikapolitik wirklich geändert haben.

würde frankreich sich ähnlich verhalten, sähe in afrika die welt ganz anders aus.

Inwiefern anders?

In dem Punkt, dass es gut ist, dass die Belgier zu den Verbrechen ihres Königs (ja, nachdem der Kongo sein Privatbesitz war, gehören die Verbrechen auch ihm allein) offener sind als die Franzosen und dass auch die Franzosen hier schonungsloser aufdecken sollten, bin ich ganz bei ihnen.

Aber inwiefern sähe Afrika dann anders aus?
Sähe es dann so wie im Kongo aus?
DANN wär Totschweigen ja noch besser.

"und nicht mehr so wie damals auftreten, sondern ihre afrikapolitik wirklich geändert haben. "

stand zwischen "überschrift" und "fazit".

im kongo hat keine einzelne kraft mehr das sagen, sondern rohstoffkonzerne stecken hinter dem grauen.

möglich gemacht wird das auch durch die vielen pseudo-volksvertreter, die durch frankreich an der macht gehalten werden. afrika ist nicht in der lage einzugreifen, wenn es brennt, weil gute präsidenten geputscht werden. das ist frankreichs afrikapolitik. nach wie vor.

Belgier gehen offener mit ihrer Vergangenheit um? Bitte mal das Afrika Museum bei Brüssel ansehen. So viel ich mitkriege, waren die belgischen Verbrechen in Kongo (und die Grundlagen für das ruandische Genozid) nie ein großes Thema in Belgien selbst. Ganz im Gegenteil, ehemalige Kolonialbeamte, kleine und große Verbrecher, die mit viel Gold und Diamanten zurückkamen, leben auch heute noch wie Maden im Speck in kleinen Schlössern. Und die Autobahnen leuchten dank Kongo wie eh und je.

über die vergangenheit und die verantwortlichen stimmen wir überein.

aber wer sich das auftreten belgiens in afrika heute ansieht merkt, dass es keine direkte kontinuität gibt, wie auch bei england, im gegensatz zu frankreich.

auf der anderen seite ist über die belgischen verbrechen viel mehr unumstritten bekannt. zumindest finden die, die da etwas aufarbeiten wollen gehör.
bei frankreich unmöglich. la grande nation besteht in deren köpfen ja noch, wäre also hochverrat.

"Bei der Feier erinnerte Lumumba den Monarchen in einer berühmt gewordenen Rede an alle Demütigungen der Bevölkerung durch die belgischen Kolonialherren"

Baudouin wollte die Wahrheit nicht ertragen. Das war gleichbedeutend mit Lumumbas Todesurteil.


Es wird Zeit, dass Belgien dieses dunkle Kapitel seiner Vergangenhiet aufarbeitet.

Er war damals

ein Märtyrer Afrikas, Patrice Lumumba, absolut integer, gebildet, intelligent, Patriot, ein Stern am Himmel Afrikas. Wurde leider von dumpfen Kolonialisten, Faschisten, profitgeilen Rohstoffjägern umgebracht. Allein dafür gebührt den belgischen Kolonialisten ein Zerfall ihres künstlichen Staates.

Letzte Aufnahmen

dürften die hier sein, ab 1:50
http://www.youtube.com/watch?v=P4TcSkSuQAM

Der Kongo ist leider ein Land, wo man sehen kann, waspassiert wenn man über Generationen seine Probleme nur mit Gewalt löst.

Allein vom Kongo als Staat zu reden ist schon falsch, da er ja noch nicht einmal die grundlegenden Kriterien eines Staates erfüllt. Außerhalb der Hauptstadt und seiner näheren Umgebung regieren irgendwelche Rebellenarmeen, Söldnertruppen oder die Armeen von Konzernen.

Der Kongo ist das Ideale Beispiel eines Staates in welchem die Konzerne regieren. Es gibt keinerlei Gesetze und auch keine Möglichkeit sie durchzusetzen. Der Kongo ist ein gescheiterter Staat und der von USA und Europa gestütze Mobutu war nur das verrückte Aushängeschild dieses Nicht-Staates.

ja, aber in keinem anderen Land haben die Kolonialisten so gewütet wie in Belgisch Kongo, dem persönlichen Besitz König Leopolds, einer Art Wirtschaftsbetrieb mit Sklavenarbeit (Siehe Conrads "Herz der Finsternis"). Die Belgier verwehrten den Kongolesen jegliche Rechte und Bildung (ausser Volksschule). So ist es kein Wunder, dass dieses schöne Land heute ein failed state ist wie kein anderes. Ich erinnere daran, dass zum Zeitpunkt der Unabhängikeit dieses 40 Millionen Volk gerade 4 einheimische Akademiker hatte (2 davon katholische Priester)! Darin liegt der wesentliche Unterschied zu britischen und französischen Kolonien.

nicht nur jeder widerstand wurde gnadenlos gebrochen

DIE HÄLFTE der bevölkerung kam während der belgischen kolonialherrschaft durch zwangsarbeit, massaker und jagdausflüge der belgischen kolonial-elite ums leben.

Also die Hälfte: Das lässt sich mit den vorliegenden Zahlenmaterial nicht belegen, weil wie "diamant" schon richtig anmerkte, es keine entsprechende Zahlenbasis gibt.

Auch war die Kolonialelite unter Leopold nicht rein belgisch, der hat sich für seinen Söldnerhaufen auch ein paar Personen anderer Nationalität.

Des weiteren muss die Zeit als Privatkolonie des belgischen Königs von der Zeit als belgische Kolonie unterschieden werden.

Warum MUSS man die Zeit als Privateigentum des belgischen Königs EXTRA betrachten?

War das kein Belgier?

"War das kein Belgier?"

Nein, eigentlich war er Deutscher. Haus Sachsen-Coburg-Gotha:

http://tinyurl.com/2v3a8vv

Davon abgesehen waren der Freistaat Kongo (Leopold II.; von Belgien unabhängig), und die Kolonie Belgisch-Kongo politisch und rechtlich vollkommen unterschiedliche Entitäten.

Auch war die Lage der Einheimischen in der Kolonie dann wesentlich besser, und die ganz großen Verbrechen die es sie unter Leopold gegeben hatten, fanden dort dann nicht mehr statt. Was jetzt nicht heißen soll, das es das Honigkuchenland war, aber es war eine "normale" Kolonie im Rahmen der damaligen Gepflogenheiten.

Das aber Leopolds II. Nachkommen nie wirklich finanziell und moralisch zur Rechenschaft gezogen wurden, ist eine andere Sauerei.

söldnerhaufen ungleich kolonialelite

diamant ist wie eh und je ein erzkonservativer kampfposter, der wo er kann die unterdrücker legitimiert, weil er sich wohl selbst wünscht mal mehr als ein kampfposter sein zu können.

aus den fingern gesogen hab ich mir die informationen nicht, jedoch vertraue ich auf ARTE & co. mehr als auf kolonialromantiker.

Naja, zumindest bei den ARTEsendungen zu dem Thema, die ich gesehen habe, war immer von Schätzungen die Rede, eben mit Verweis auf die problematische Zahlenbasis. Das es ein in die Millionen gehendes Massenmorden und Schlachten (allerdings auch unter massenhafter Beteiligung einheimischer Söldner) war ist unwiderlegbar. Allerdings auch das es einen Bedeutenden Unterschied zwischen Leopolds Schreckensregime und dem eher durchschnittlich problematischen Kolonialregime des belgischen Staates gab. Ein weiterer Skandal an dem der belgische Staat Schuld trägt, ist dass er Leopold den Kongo mit dem Geld der belg. Steuerzahler teuer abgekauft hat, anstatt es ihm einfach wegzunehmen, und den alten in einer Zelle verrotten zu lassen.

Bloedsinn! Da niemand weis wie viele Menschen

vor der Ankunft der Europaeer im Kongobecken lebten, ist es nicht moeglich genaue Zahlen ueber die Opfer der Kolonisation zu nennen.
Alles andere ist dumpfe Propaganda!!

Sorry, aber über die HÄLFTE sind sich Historiker einig

Schon die Tatsache, dass für jeden Schußß Munition eine Hand abgegeben werden mußte läßßte gewisse Berechnungen zu (natürlich werden die Kongolesen, denen die Hand bei lebendigen Leib abgehackt wurde schon mitgerechnet) J. Conrads "Heart of Darkness" ist nur eine literarische Aufarbeitung, daneben gab es auch Untersuchungen und Missionare, auf deren Material sich diese Schätzungen stützen.

Schaetzungen bleiben eben Schaetzungen!

Niemand kann sagen ob es Tausende oder Millionen waren! Das ist einfach so!
Eines aber steht fest, ein harmoschisch gewaltloses Paradies war das Land auch vor den Belgiern nicht!

Ausserdem hat es bisschen den Anschein als wollten die anderen (groesseren) Kolonialmaechte Belgiens Ruf schaden um vielleicht selbst diese lukrative Kolonie zu uebernehmen.

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