Ioan Il-Sung geht in Pension

21. Juni 2010, 16:39
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Bulimie und Fettsucht - Von Andrea Schurian

So viel zum Pensionsschick, äh, -schock: Für Ioan Holender, der ihm genehme Journalistengespräche zum Adieu in Buchform gießen ließ, maskierte sich die Wiener Staatsoper kürzlich als Postamt, um Direktors Abschiedsbriefmarken erstabzustempeln.

Und so scheidet und singt er also seit einigen Wochen unter Standing Ovations dahin. Allerdings, gesteht der bekennende Macho, wäre er eher nicht gern sein eigener Mitarbeiter gewesen. Verständlich.

Das Ö3-Frühstück mit Claudia Stöckl liegt zwar schon ein paar Jährchen zurück, immer noch sehr gut erinnerlich ist folgender Holender-OT: "Wenn eine zunimmt, dann sage ich ihr schon: ,Na, da hat es scheinbar wieder so richtig geschmeckt?‘ Sie schaden damit Ihrer Karriere und unserem Haus! Ich hasse dicke Sängerinnen." Dick und doof.

Beruhigenderweise geht Ioan Il-sung Ende August mit 75 eh nicht wirklich in die Frührente. Als fliegender Holender wird er, qui und qua, beraterisch, intendantisch und TV-dilettantisch tätig sein. Und sicher weiterhin zu Kunst, Kultur, Koalitionsverhandlungen, Bundesregierung, Kanzler, Parteienbefindlichkeit, Budget, Anorexie, Bulimie, Fettsucht, Schönheit, Eleganz, Manieren etc. etc. befragt werden. Dazu muss er nicht plötzlich höflich und emotional intelligent werden.

Holender bleibt Holender. Die Oper wird neu. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 22.06.2010)

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