Objekt im Kuipergürtel zeigt sich in alter Frische

28. Juni 2010, 10:54
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Transneptunisches Objekt KBO 55636 beobachtet - es dürfte aus der Kollision des Zwergplaneten Haumea mit einem anderen Himmelskörper herrühren

Stuttgart - Jenseits der Bahn des Neptun befindet sich der Kuipergürtel, in dem außer Kometen und kleinen Asteroiden auch zehntausende Objekte kreisen, die größer als 100 Kilometer sind.  Zu diesen transneptunischen Objekten (auf Englisch: Kuiper Belt Objects, KBOs) gehören letztlich auch solche, die früher als Planeten oder Monde qualifiziert worden sind - etwa Pluto, Charon und Quaoar.

Die vergleichsweise geringe Größe der meisten KBOs und ihre große Entfernung machen es jedoch schwierig, sie in ihren Einzelheiten zu untersuchen. Eine Möglichkeit dazu besteht, während ein KBO kurz vor einem hellen Stern vorbei läuft: Aus der Messung der Veränderungen des Sternlichtes während dieser als Sternbedeckung bezeichneten Phase können Astronomen die Größe und Temperatur des bedeckenden Himmelskörpers sowie das mögliche Vorhandensein einer Atmosphäre ableiten. Um jedoch am richtigen Ort und zur richtigen Zeit zu beobachten, muss man die - oft sehr exzentrische - Umlaufbahn eines KBOs so gut kennen, dass man die Position vorhersagen kann, die er hat, wenn sein vom bedeckten Stern geworfener Schatten die Erde trifft. 

Blick in die Vergangenheit

Dieser "Trick" gelang erstmals im Oktober 2009 einem Team von 18 Astronomen unter Leitung von James Elliot vom Massachusetts Institut of Technology (MIT), das eine Sternbedeckung durch das Objekt mit dem Namen "KBO 55636" beobachtete. Zu dem Team gehörte auch eine Forschergruppe des Deutschen SOFIA Instituts (DSI) der Universität Stuttgart unter Leitung von Jürgen Wolf. Über die Ergebnisse berichtet die Zeitschrift "Nature".

Wie Elliot und seine Kollegen berichten, lieferte die Bedeckung genügend Daten, um Größe und Albedo von KBO 55636 zu bestimmen. Die Oberfläche von 55636 ist so hell wie Eis und Schnee - eine große Überraschung für die Forscher, da man von diesen uralten Himmelskörpern normalerweise eine stumpfere, dunklere Oberfläche erwartet. Die gemessene hohe Albedo lässt vermuten, dass die Oberfläche aus Wassereis-Partikeln besteht. Dies stützt die Theorie einiger Forscher, derzufolge es vor etwa einer Milliarde Jahre einen Zusammenstoß zwischen dem 2005 entdeckten Zwergplaneten Haumea und einem weiteren Körper des Kuipergürtels gegeben hat. Dabei wurde der Eismantel von Haumea zerstört und in Dutzende kleinerer Körper aufgeteilt, darunter auch das KBO 55636. Und anders als unsere Erde mit ihren Verwitterungsprozessen haben sich die KBOs im Laufe der Zeit kaum verändert. Sie können so Hinweise auf die Frühphase des Sonnensystems und die Planetenentstehung liefern.

Die Forschungsarbeit zeigt auch, dass die Astronomen Sternbedeckungen genügend genau vorher sagen können, um sie mit dem neuen NASA/DLR Flugzeugobservatorium Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy (SOFIA) messen zu können. Das Forschungsflugzeug, eine umgebaute Boeing 747SP, trägt ein Großteleskop mit einem 2.7-Meter Spiegel und kann Messungen im Infrarot-Bereich durchführen, die von Boden aus unmöglich sind. (red)

  • Illustration der Flugbahn des KBO 55636
    foto: wolf

    Illustration der Flugbahn des KBO 55636

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