Römische "Autobahnraststätte" in Ungarn entdeckt

21. Juni 2010 16:33

Gebäudekomplex stammt aus dem 2. Jahrhundert und zeugt vom ausgeklügelten Verkehrswesen seiner Zeit

Wien - Das römerzeitliche Äquivalent einer Autobahnraststätte hat ein Team von ungarischen und österreichischen Archäologen in Nemescso bei Szombathely in Westungarn entdeckt. Die Forschungsarbeiten - unter anderem auch die 3-D-Rekonstruktion der antiken Anlagen - laufen im Rahmen des Bernsteinstraßenprojekts und in Kooperation des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) mit dem Savaria Museum in Szombathely.

Der Gebäudekomplex in Nemescso stammt aus dem 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und ist mit einem geräumigen, teilüberdachten Innenhof sowie seitlichen turmartigen Erweiterungen ausgestattet. Nach heutigen Erkenntnisse wurde die Station im späten 3. oder im 4. Jahrhundert aufgegeben. 

Effizientes Verkehrswesen

Das Verkehrswesen an der sogenannten Bernsteinstraße war an die damaligen Verhältnisse ausgezeichnet angepasst - Stefan Groh, Fachbereichsleiter am ÖAI, sieht durchaus Parallelen zum heutigen Autobahnsystem: "Das Verkehrssystem hatte um diese Zeit eine Qualität, wie sie erst wieder im 19. Jahrhundert mit dem Postkutschenwesen erreicht wurde", erklärt Groh. Die Ergebnisse von Nemescso boten neue Erkenntnisse zur Infrastruktur der Bernsteinstraße. Die "römische Autobahn" war eine sieben Meter breite, massiv geschotterte Hauptstraße, auf der man von der damaligen Nordgrenze des römischen Reiches bei Carnuntum bis zur oberen Adria gelangte.

Das wichtigste Transportmittel für Lasten war der Ochsenkarren. Dieser hatte eine Spurbreite von rund 1,2 bis 1,4 Metern - damit "gab es immer eine Überholspur für schnellere Fuhrwerke", so der Archäologe. Die durchschnittliche Tagesstrecke eines Ochsenkarrens betrug rund elf bis 14 Kilometer. Dann mussten die Ochsen gewechselt oder ein Halt eingelegt werden. Fußgänger legten durchschnittlich die doppelte Entfernung zurück, militärische Reiter kamen auf eine bis zu siebenfache Strecke pro Tag.

Ausgefeilte Infrastruktur

Entsprechend angepasst war die Infrastruktur: Alle zehn bis 14 Kilometer errichtete man in römischer Zeit an der Bernsteinstraße eine kleinere Station wie in Nemescso. Alle 20 bis 28 Kilometer erreichte man auf seiner Reise einen größeren Ort und alle 50 bis 70 Kilometer kam man in eine städtische Siedlung. Fußgänger fanden somit am Ende ihrer Tagesetappen ebenso eine Herberge wie Reiter, die regelmäßig ihre Pferde wechseln mussten.

Die römischen Verkehrswege waren für den Transport von Waren, die Verschiebung von militärischen Einheiten und auch private Reisen von Bedeutung. "Die Straßenerhaltung war Aufgabe der öffentlichen Verwaltung und war teilweise in der Hand der Städte oder auch des Militärs", sagte Groh. Straßenmaut gab es keine. Bezahlen mussten Benutzer allerdings für die Benutzung der Stationen. (APA/red)


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ÖAI

Kommentar posten
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helsing, van
22.06.2010 15:44
Unendlich viel Geld

ausgeben um was zu erreichen? Die Archäologie ist am echt am Ende - anstatt Fragen zu beleuchten/beantworten die die Menschheit bewegt (ala englische Archäologie) reißt man schlecht dokumentiert (kann es beurteilen) Funde und Befunde aus dem Boden und verkauft dann dieses ohnehin bekannte Wissen als Sensation und ahja - eine 3D Reko gibts oben drauf - "Forschung am Letztstand" nennt man das dann in der österreichischen Forschungsprovinz (aka Geldvernichtungsmaschinerie)

Nick Tameer
22.06.2010 22:07

Mir scheint dieses Statement recht widersprüchlich. Einerseits beklagen sie fachliche Mängel bei Ausgrabungen durch österreichische Archäologen. Das kann ich nicht beurteillen, auch wenn mir es so pauschal behauptet etwas fragwürdig erscheint.

Weiterhin aber fordern Sie, die Archäologie möge sich mit "Fragen, die die Menschheit bewegen" befassen, um im gleichen Atemzug der österreichischen Archäologie Sensationshascherei vorzuwerfen. Wie hätten Sie's denn gern? Soll sich seriöse Archäologie mit der akribischen Erforschung dessen befassen, was sie vorfindet, oder soll sie das zugunsten menschheitsbewegender - was doch nur Orientierung an Sensationellem bedeuten kann - Aktivitäten verschmähen?

helsing, van
22.06.2010 23:03
Archäologie

die akribische Bearbeitung der Funde (u. Befunde) heißt in der Fachsprache "antiquarische oder kulturhistorische Archäologie" und beschäftigt sich mit den großen Ws: WAS?, WANN? WER? - und über diese Fragestellungen ist die Disziplin halt leider schon länger hinaus (in Ö halt nicht) - die Disziplin versucht inzwischen als kulturhistorisch orientierte Disziplin menschliche Muster und Verhaltensweisen (immer auch in Bezug auf das hier und jetzt) zu (er)klären sprich anhand des Artefakts weitergehende Fragestellungen zu beantworten (siehe amazon englische Publikationen) - Archäologie is also mehr also nur der Fund; nur in good old Ö macht man den Klassiker: jubel: Fund, es ist alt - mach ma a Reko und bring ma an klanen Artikel

Nick Tameer
23.06.2010 20:45

Ich habe nicht von "Bearbeitung", sondern von "Erforschung" gesprochen, die einerseits Bearbeitung zwar nicht ausschließt, vielmehr ist Bearbeitung selbst auch ein Teil der Erforschung (erst wenn man weiß, wie der verkustete und verbeulte Gegenstand, der gefunden wurde, einmal ausgesehen hat, kann man seine Bedeutung wirklich erkennen), aber sich darin nicht erschöpft. Zwar mag sie dann wohl auch den Blick auf weiterreichende Frage richten, aber der Versuch die Archäologie quasi als den Königswegs zu Aussagen über menschliche Kultur schlechthin - zur, um das mal in dieser altmodischen Form auszudrücken, regina humaniorum - zu erheben, dürfte diese Disziplin wohl etwas überfordern, selbst für Angelsachsen.

nuts1
23.06.2010 16:48

das eine schließt das andere nicht aus... wenn sie innovation wollen müssen sie es selbst in die hand nehmen in ö wird alles über freundelwirtschaft verteilt un dalles immer wieder reproduziert

Elias Canis
23.06.2010 16:36
Ah, ein Amazon-Professor.

Ich bin klug
22.06.2010 12:28
Ess-O-Guck heißt die, und wenn man Glück hat, sieht man einen Wagenunfall:

http://www.comedix.de/lexikon/d... o_guck.php

01052004
22.06.2010 10:53
sorry

"römische autobahnen" waren nicht geschottert, sondern mit großen platten belegt. unter diesen war ein mehrteiliger schichtartiger aufbau, teilweise mit kanal unter der strasse und gehsteigen und fußgängerüberwegen (in den städten)...

der schotter war nur der unterbau...

und die "raststationen" hatten meistens neben übernachtungs- und speisemöglichkeiten auch eine kleine therme angeschlossen.

raststationen waren in den entfernungen den ein beladener ochsenkarren an einem tag geschafft hat, angelegt.:
in der ebene also etwa alle 4,5 bis 5 kilometer, im gebirge durchaus alle 2000 meter...

das ist seit dem 19. jahrhundert bekannt...man weiß also wo man "nachschauen" muß...

macmel
22.06.2010 11:28
Eben nicht

Nur wenige Straßen waren mit Platten belegt.
Die Meisten waren geschottert mit einem mehrlagigen
Unterbau

nuts1
23.06.2010 16:49

hier ist nicht von straßen die rede sondern autobahn

Der Weise von Zion
22.06.2010 13:23

wie hieß ergo die schottermieze damals?

dr mike
22.06.2010 00:53

Das haben Uderzo und Gosciny bereits gewußt und auch schon veröffentlicht. Allerdings gilt das nicht für Autobahnstationen entlang der Bernsteinstrasse sondern in Gallien.

elderem
22.06.2010 10:01
"von hier hat man einen guten blick...

auf die straße. wenn man glück hat, sieht man sogar einen wagenunfall" (oder so ähnlich...)

Ava Tar
21.06.2010 22:43
Stand "Mons Rosarum" drauf ?

lanebbia
22.06.2010 13:45
Nein, "Terratempus"

Thomas Felder
22.06.2010 15:37

Macus Donaldus

Po Polos
21.06.2010 22:13
Ist doch nichts neues!

Autostrada Raststätten gibt es doch bei uns auch schon seit langem (z.B. Lindach, Ybbs)

Heimwerkerkönig
 
21.06.2010 17:27
Diese Herbergen...

... waren in der Regel übrigens ziemlich verlaust und verwanzt.
Also nicht viel besser als moderne Raststätten :)

Nick Tameer
22.06.2010 07:41

Wobei "Laus" damals natürlich lobend gemeint gewesen wäre.

Advaita0
21.06.2010 20:06
in Italien oder wo?

Bei uns haben wir zum Glück Landzeit, Rosenberger & Co

werwolfi
21.06.2010 22:51

die hießen damals halt "tempus terrarum" und "mons roseus" ;o)

Nick Tameer
22.06.2010 07:29

[ich möchte optimierend "tempus rusticum" und "montanus roseus" anbieten; "hic montanus roseus, hic insalata" - spätantiker, vulgärlat. Werbeslogan, etwa "kalte Küche rund um die Uhr"]

Der Weise von Zion
22.06.2010 13:23

hic insalata
das ist schon sähr gewagt
:-)))

werwolfi
22.06.2010 11:44

ja, du hast v.a. mit "rusticum" recht, war in 10 sekunden hingerotzt - sehr schlampig, wie ich zugeben muss.... ;o)

Nick Tameer
22.06.2010 20:22
Sie rotzen - wir motzen!

Eigentlich bin ich ja ein ganz lässiger Typ, aber ich bin von Erbsenzählern besessen und du weißt ja wie Erbsenzähler sind - wahnsinnig perfektionistisch.

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