Streit um Thayatalbahn geht weiter

21. Juni 2010, 14:08
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Gemeinsames Positionspapier mit Tschechien sieht Revitalisierung der Strecke als "erklärtes Ziel"

St. Pölten - Nach der Ankündigung des Landes Niederösterreich, die Thayatalbahn zuzusperren, geht der Streit um die Verbindung in die nächste Runde. Gemeinsam mit Vertretern Tschechiens hat das Land Mitte Juni ein Positionspapier unterzeichnet, laut dem die Revitalisierung der Bahnstrecke zwar angestrebt wird - von der jetzigen Schließung samt Einbindung der Region in ein Buskonzept rücken die Verkehrsplaner auf niederösterreichischer Seite aber nicht ab. Die Bahninitiativen protestieren daher weiter.

Eine Revitalisierung der Bahnstrecke ist laut dem Positionspapier zwar "das erklärte Ziel" der Regionen, die Finanzierung sei dem niederösterreichischen Steuerzahler aber aufgrund der Kosten von rund 28 Mio. Euro nicht zumutbar, meint das Land. Bund und ÖBB hätten die Strecke in den vergangenen Jahren dermaßen heruntergewirtschaftet, dass eine Sanierung einen kompletten Neubau bedeuten würde, so Landesrat Johann Heuras (ÖVP).

Einrichtung des Radwegs

"Stimmt nicht", kontern die Bahninitiativen und berufen sich auf auch vom Land mitfinanzierte Studien. Der grenzüberschreitende Radweg, den das Land auf der Bahntrasse plane, ist nach Meinung des Vereins Neue Thayatalbahn nicht das, was die tschechische Seite sich wünsche. Tatsächlich kommt im gemeinsamen Positionspapier der Radweg nicht vor, sondern nur die "kurzfristige" Einrichtung einer Buslinie von Waidhofen nach Telc. Wie lange dieser Bus in Betrieb bleiben werde, könne man noch nicht sagen, heißt es im Büro des Verkehrslandesrates.

Die Einrichtung des Radwegs ist in einer Resolution auf niederösterreichischer Seite festgelegt. Damit würde auch die Bahntrasse erhalten bleiben und so wäre "die Sicherung der langfristigen Option auf eine spätere Revitalisierung der Bahnstrecke ermöglicht", steht in dem Papier geschrieben. Dies käme laut Verein Neue Thayatalbahn noch teurer als eine jetzige Sanierung: "Sollten die Gleise aber wirklich abgewrackt und die Strecke in einen Radweg umgewandelt werden, so wird die Wiederherstellung ein Vielfaches kosten".

"Probahn" ortet in Niederösterreich - im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie Oberösterreich (Stern & Hafferl), Salzburg (Salzburger Lokalbahn) oder Tirol (Zillertalbahn) - gar fehlendes fachliches Know-how für eine erfolgreiche Landesbahn. Heuras habe offenbar nicht verstanden, dass ein attraktives Mobilitätskonzept gerade für das Land NÖ darin bestünde, die Regionalbahnen mit einem Buskonzept zu verbinden, nicht durch ein solches zu ersetzen, betont die Initiative in einer Aussendung. Damit wäre nicht nur Pendlern, Schülern und Touristen geholfen, sondern auch eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene möglich. Diese "historische Chance" auf eine "attraktive Verkehrsinfrastruktur" nicht zu nützen, sei "schade". (APA)

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