Moskau dreht wieder den Gashahn zu

Regina Bruckner, 21. Juni 2010, 13:17

Einmal mehr zeigt sich, dass Europa gut daran tut, sich vom russischen Öltropf zu lösen

Wladimir Putin hatte jüngst bei seinem Besuch in Wien betont, dass Russland als verlässlicher Lieferant die Erdgasversorgung Europas "viele Jahre" sicherstellen werde - eine Diversifizierung der Lieferanten, wie sie "Nabucco" anstrebe, sei gar nicht nötig. Der aktuelle Konflikt mit Weißrussland straft seine Aussagen Lügen.

Den Gashahn dreht Russland seinen kleinen Brüdern gerne einmal zu. Im Jänner des Vorjahres wurden die russischen Gaslieferungen nach Westeuropa über die Ukraine komplett gestoppt. Derzeit wird die Lieferung nach Weißrussland gedrosselt. Unbezahlte weißrussische Schulden in Höhe von 192 Millionen Dollar seien offen. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko fordert dagegen im Rahmen des Abkommens über eine Zollunion, das am 1. Juli in Kraft tritt, von Russland weiterhin günstige Öl- und Gaslieferungen.

Einmal mehr geht es um die ökonomische und politische Macht im postsowjetischen Raum. Für Lukaschenko ist Russland der wichtigste Garant der Macht. Russland hat durch subventionierte Energielieferungen das Wirtschaftssystem des belarussischen Präsidenten abgesichert, das auf dem günstigen Einkauf von Rohstoffen aus Russland und dem teuren Verkauf veredelter Rohstoffe auch in die EU basierte. Russland ist der wichtigste Absatzmarkt für belarussische Produkte. Die wirtschaftliche Abhängigkeit sichert Moskau den Einfluss auf den westlichen Nachbarn.

Die Basis bröckelt aber schon, seit Russland vor einigen Jahren begann, im postsowjetischen Raum die Preise für Energieexporte zu heben. Bis 2011 sollen die russischen Subventionen vollkommen abgeschafft werden. Belarus schaut sich folgerichtig nach alternativen Wirtschaftspartnern um, wie die Beteiligung am Programm der östlichen Partnerschaft der EU zeigt. Das langfristige Ziel der russischen Führung bleibt es aber, den westlichen Nachbarn politisch und ökonomisch zu kontrollieren: Einerseits durch die schrittweise Übernahme der Transitpipeline in die EU durch Gazprom (Russland transportiert 20 Prozent seines Gases und 30 Prozent seines Öls durch Belarus in die Union). Andrerseits versuchen russische Unternehmen sich im Rahmen der weißrussischen Privatisierung die wichtigsten Teile der belarussischen Wirtschaft zu sichern.

Lukaschenko ist jedenfalls nicht bereit, freiwillig politischen oder ökonomischen Einfluss an Moskau abzugeben. Ein Ende des Konflikts ist also nicht abzusehen. Für Europa hoffentlich eine weitere Bestätigung, sich aus der Abhängigkeit vom russischen Öltropf zu lösen. (Regina Bruckner)

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Waldgaenger
00
Gute Idee

Kaufen wir unser Öl und Gas künftig in den USA und in Israel. Russland wollen wir nicht, und Iran gibt uns nichts, weil dort alles die Inder und Chinesen aufkaufen.

papst benedikt
08
22.6.2010, 12:47

österreich sollte endlich die konsequenzen ziehen und anstatt russischen gases besser die heisse luft seiner journalisten nützen. davon gibt es mehr als genug und nebenbei handelt es sich dabei um einen hausgemachten, niemals versiegenden strom. energiewende jetzt!
:-)

bladerunner
02
22.6.2010, 13:28

Ich bin für eine Dampfturbine im Plenarsaal des Parlaments. Bei dem Aufkommen an heißer Luft, die dort immer unter Hochdruck abgelassen wird, könnten wir uns für die nächste Legislaturperiode energietechnisch perfekt absichern.

Zu überprüfen wäre noch, ob wir für die CO2-Absonderungen der Heißluftproduzenten Zertifikate zukaufen müssen, oder ob wir sie als "CO2-Neutral" einstufen können (da meist eh schon faul(ig), und Großteils biologisch abbaubar).

tancy
27
22.6.2010, 10:02

warum gibr man eigentlich immer Russland die Schuld???? Wenn wir Energie liefern, erwarten wir doch auch, daß diese bezahlt wird!!!

Standard Leser4
 
51
22.6.2010, 10:32

Russland ist Weissrussland 216 Mill USD schuldig, die Weissrussen den Russen 186 Mill USD? Wer ist nun der Provokateur?

a stranger in a strange land
22
22.6.2010, 10:16

niemand gibt russland schuld. aber man muss schon seehr naiv sein wenn man denlt dass ru seine rohstoffe nicht auch als politisches druckmittel oder erpressungsmittel einsetzt.

die grundaussage des artikels ist selbstverständlich richtig: europa mus aus der abhänigkeit von fossilen rohstoffen raus und aus der abhängigkeit vom einzigen gaslieferanten russland. ist doch ganz einfach und logisch.

Jene Grüne Straßenkatze
16
22.6.2010, 12:12
...

Nein, die Abhängigkeit von Russland zu beenden ist nicht logisch. Logisch wäre es zu folgern, dass die Abhängigkeit von Leitungen, die durch unzuverlässige Staaten führen, beendet werden muss.

honni soit
72
22.6.2010, 13:45
Oh doch, es wäre schon logisch sich von einem Lieferanten zu trennen,

der seine Zusagen nicht einhält. Warum ist eigentlich wurscht.

Wenn ein Einzelhändler eine Ware zu einem bestimmten Termin bestellt, und diese zu diesem Termin nicht geliefert wird, wird er sich nach einem anderen Lieferanten umsehen. Ganz egal, ob der Lieferant "schuld" an der nicht termingerechten Lieferung ist oder nicht.

Bei einem so wesentlichen Gut wie Gas muss das noch viel eher gelten.

hjg-analyse
15
22.6.2010, 13:53
schuld an der Misere ist der Zwischenhändler -

aber RUS liefert jetzt ohnehin mehr Gas nach EU über die anderen Leitungen

monella laputa
13
22.6.2010, 08:51
ganz einfach:

endlich aufhören Gas zu verwenden. Raus aus der Gas-Abhängigkeit! Dann kann einem egal sein, welcher Heini wem etwas schuldet, bzw. ist man kein machtpolitischer Spielball mehr.

Entropix
24
22.6.2010, 09:43
und statt Erdgas

verwenden wir dann genau was?

Weixus
04
22.6.2010, 10:59

Warum stellt sich die Politik taub obwohl sie das alles ganz genau weiss? Weil die omv mit den mächtigen Gas und Ölmagnaten im Osten einen Vertrag bis weit über 2020 abgeschlossen hat der uns verpflichtet! (auch wenn wirs nicht brauchen) zu zahlen. Ganz abgesehen davon das z.B. dem Verbund das sicher auch nicht sehr gefallen würde wenn das Projekt Güssing Schule machen würde. Da steht wiedereinmal eine mächtige Lobby dahinter, es ist einfach nur traurig...aber der Druck wird grösser und grösser und auch immer mehr Gemeinden in Ö wollen es Güssing nachmachen. Und wiedereinmal hat die Politik vollkommen verschlafen...es ist eine Schande für dieses Land von solch unfähigen Leuten regiert zu werden!

Weixus
02
22.6.2010, 10:55

Biogas!

Es ist ein Wahnsinn was hier wieder einmal passiert, unsere Politik versagt auf ganzer Linie und wir werden in absehbarer Zeit den Preis dafür bezahlen.

Anstatt sich endlich unabhängig zu machen investieren wir Millionen in die Nabucco Pipeline. Die tausende Kilometer querfeldein durch politisch nicht gerade sehr stabile Gegenden verlegt wird und uns im Endeffekt nur noch abhängiger macht.

Warum sich nicht endlich unabhängig machen, Güssing hats vorgezeigt...eine der ärmsten Gemeinden Österreichs!!! Alle Experten sind sich einig das mit dem heutigen Stand der Technik es kein Problem mehr darstellt sich vom Gas unabhängig zu machen, was das an Arbeitsplätzen bringen würde will ich gar nicht weiter ausführen.

Entropix
03
22.6.2010, 11:39
selbst wenn Sie

die gesamte verfügbare Biomasse nach dem Modell Güssing (zu exorbitanten Kosten) vergasen würden, könnten Sie den Bedarf auch nicht annähernd decken.

Manahmanah
00
22.6.2010, 17:31

Kennen Sie die OEgut Studie?
Sie zeigt auf, dass es möglich wäre, den Strom-und Wärmebedarf ohne fossile Energieträger zu decken.

http://www.gruene.at/uploads/m... 0_2030.pdf

bildungsoffensive
02
22.6.2010, 14:03

die betreiber behaupten, dass in der gegend um güssing mehr biomasse nachwächst, als verbraucht wird. es gibt dort auch einen extra angelockten holzverarbeiter, welche seine abfälle gegen energie zur verfügung stellt.
es würde ja auch schon einiges ausmachen, jene menge biomasse zu verwenden, welche ökologisch verträglich ist und nur noch den rest durch andere energieträger zu kompensieren. immerhin.
ein anderer positiver effekt ist die dezentralisierung und damit einhergehend eine relative versorgungssicherheit. wenn ich daran denke, dass für viele das "überleben" in österreichs winter von einem einzigen rohr mit dem durchmesser 1m (hausnummer) abhängt...

Threonin
00
22.6.2010, 17:12

Gut, sie haben es also geschafft, einige kleinere Orte in Österreich mit Biogas zu versorgen. Und dann? Um Europa mit energie aus nachwachsenden Rohstoffen zu versorgen benötigt es schätzungsweise einer Anbaufläche von der Größe von Frankreich. Ok, vielleicht auch nur die Hälfte, möglicherweise aber auch doppelt so viel. Abgesehen von den Schwierigkeiten beim Umrüsten bestehender Anlagen, viele Menschen hätten wohl ein gewisses Problem damit, wenn auf den Äckern noch mehr Energie statt Nahrung wächst und dann wieder einmal die Nahrungsmittelpreise steigen.

Entropix
00
22.6.2010, 14:52
ich behaupte,

dass ich meinen Energiebedarf locker aus dem Altholz und den Tannenzapfen in meiner Umgebung decken kann! Daraus abzuleiten, dass dieses Modell auch für Österreich funktioniert, wäre mir zu gewagt ;-)

Weixus
02
22.6.2010, 13:57

Nachtrag:

Mit modernen Biogasanlagen (wie der in Güssing), die übrigens einen sensationellen Gesamtwirkungsgrad von 85% erreichen, wäre es möglich ganz Österreich mit Biogas zu versorgen. Laut führenden Wissenschaftlern der Boku Wien bräuchte man dafür weniger als die Hälfte des bei uns jährlichen zuwachses an Holz.

http://www.eee-info.net

Weixus
02
22.6.2010, 12:55

So ein Blödsinn!

Wie kommen sie zu diesem Schwachsinn?

Exorbitante Kosten???

Die werden wir haben wenn wir in ein paar Jahren unsere Klimaziele verfehlen und Millionen Euro Strafe nach Brüssel zahlen müssen. Wenn wir in erneuerbare Energie investieren würden dann würden wir dem entgegen wirken, wir machen das Gegenteil, mit der Nabucco Pipeline belasten wir unsere Klimaziel zusätzlich.

Entropix
10
22.6.2010, 14:16
haben Sie

einen Taschenrechner? Nehmen Sie ihn zur Hand und rechnen sie nur die Finanzierungskosten (bitte ohne Subventionen), die Abschreibungen auf die Anlage und die Betriebskosten, die Rohstoffe schenke ich Ihnen. Ergebnis: Insolvenz now ;-)

Weixus
01
22.6.2010, 14:44

Das es Geld kostet diese Anlagen zu bauen ist klar, sollte auch nicht zur Diskussion stehen. Hier gehts um Nachhaltigkeit, um unser aller Zukunft.

Meiner Meinung nach wären die kolportierten 3.5 Milliarden (im Vergleich dazu: das BiogasKW in Güssing kostete ~2,2Mio) die Österreich in die Nabucco Pipeline investiert hier viel besser angelegt. Aber wie immer denkt man auch hier nur an den schnellen, kurzfristigen Erfolg und Profit.

Und die Politik spielt wie immer mit, das ist der wahre Skandal daran!!!



Entropix
00
22.6.2010, 14:54
Sie brauchen aber

mindestens Tausend Güssing! Können Sie das dann auch noch finanzieren?

Weixus
01
22.6.2010, 15:14

Diese Diskussion allein auf finanzielle Aspekte zu reduzieren halte ich für mehr als falsch, die Frage ist nicht ob wir können sondern ob wir wollen.

Und es ist ja nicht so das das alles nur Geld kostet, es kommt ja auch was zurück;

"Eine gewaltige regionale Wertschöpfung von jährlich 13 Mio € wurde dadurch erreicht."

"über 50 Firmen haben sich bereits angesiedelt, mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen, die Stadtverwaltung hat ihre Einnahmen von 400k auf 1,4Mio gesteigert und dabei ihre Energiekosten von 6,5 auf knapp 3Mio jährlich gesenkt.

Schliesslich und endlich werden wir irgendwann einmal umstellen müssen, ob wir wollen oder nicht, warum jetzt Zeit vergeuden und sinnlose Investitionen tätigen die nur kurzfristig profitabel sind

sanginius
10
21.6.2010, 22:14

Belarus hat dem gestürzten Präsidenten von Kirgistan Asyl gewährt. Wahr. wurde die Unruhen in Kirgisien von ihm gesteuert und von BY unterstützt. Daher die Abmahnung mit dem Gasstop.
Die unbezahlten Gasrechnungen sind wohl nicht erst gestern der Buchhaltung aufgefallen...

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