"Ich glaube, wir kommen unseren Mietern günstiger"

28. Juni 2010, 11:18
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Hugo Kormout arbeitet seit 1977 im Gemeindebau im zweiten Wiener Gemeindebezirk und erklärt, was einen guten Hausmeister ausmacht

Die Hausmeister polarisieren die politischen Lager. Bei der Wiener Volksabstimmung votierten mehr als 80 Prozent für die Wiedereinführung dieser Berufsgruppe. Für die Umsetzung bedarf es eines Beschlusses des Bundes und einer Änderung des Hausbesorger-Gesetzes - die ÖVP verweigerte jedoch Mitte Juni ihre Zustimmung. Hugo Kormout hat zu dem Thema einiges zu erzählen. Er ist seit 1977 Hausbesorger im Gemeindebau an der Oberen Donaustraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Die 250 MieterInnen kennt er mittlerweile alle persönlich. "Das ist mein Gebiet", sagt er und zieht mit der Hand einen Bogen von den Altpapiercontainern, bis zum Haupteingang mit einem kleinen Rosenbeet.

Er war, als er in der Donaustraße begann, 22 Jahre alt und gelernter Spengler. Ihn reizten an dem Beruf die Dienstwohnung, aber auch die Zeit, die er mit seiner Familie verbringen konnte, denn zuvor war er oft Wochen lang auf Montage unterwegs. Neben Reinigung- und Wartungsarbeiten übernehmen Kormout und sein Kollege noch zahlreiche weitere Tätigkeiten: "Die Jüngeren brauchen meist nur den Waschküchenschlüssel von uns, für ältere Mieter übernehmen wir jedoch auch Handgriffe wie Müllsack wegtragen, Glühbirne wechseln oder Kleinigkeiten einkaufen." Denn, "bevor die älteren Herrschaften im Winter ausrutschen, übernehmen lieber wir das".

Frieden im Gemeindebau

Sein Handy läutet: "Opa bitte abheben" fordert ein Klingelton. Es ist der Hausmeisterinspektor, der vor seinem Urlaub noch einmal nach dem Rechten sieht. Er fungiert im Gemeindebau als Ordnungsschlichter. "Ich kenne ja viele Mieter seit Jahrzehnten, daher ist es für mich schwieriger, mich bei Problemen einzumischen. Außer wenn ich im Urlaub war, habe ich zum Beispiel an jedem Begräbnis teilgenommen", schildert Kormout. Eine 81-jährige Mieterin mischt sich in das Gespräch ein: "Ohne den Herrn Kormout würde hier gar nichts gehen. Er tragt mir zum Beispiel das Mineralwasser in die Wohnung." Und wenn mitten in der Nacht der Notarzt kommen muss, packt er MieterInnen, die keine Verwandten mehr haben, das Notwendigste für einen Spitalsaufenthalt ein. "Ohne Dienstwohnung ginge das in dieser Form eigentlich nicht", berichtet Kormout. Besonders im Winter entstehe schnell Glatteis - in der Früh treffen sich die Hausmeister daher meist schon gegen halb fünf Uhr zum Schneeschaufeln.

Marek: "Kosten in keiner Relation zum Nutzen"

"Wir schützen die Mieter vor einer SPÖ", sagte VP-Wien Chefin Christine Marek im derStandard.at-Interview zu dem Thema Widereinführung der Hausbesorger. Denn "die Kosten stehen in keiner Relation zum Nutzen." Zudem hätten sich nicht das versprochene "moderne Berufsbild", sondern erneut Privilegien in dem Papier wiedergefunden.

Daniela Strassl, die Direktorin von Wiener Wohnen, gibt konkrete Informationen zu den Kosten: In der Oberen Donaustraße leben 249 Mieter auf einer vermieteten Fläche von 14.729 Quadratmetern. "Die Mieter finden in der Betriebskostenabrechnung des Vorjahres als Hausbesorgerkosten den Betrag von 101.750 Euro, der die Gehälter der Hausbesorger, die Dienstgeberanteile und sonstigen Abgaben sowie die Zusatzkosten für Reinigungsmittel und Arbeitnehmerschutz enthält", informiert sie. Umgelegt auf die (Wohn)Nutzfläche mache das 6,90 Euro pro Quadratmeter aus.

"Durchschnittlich bedeutet das einen Beitrag von 408 Euro pro Jahr. Diese 'mehrere hundert Euro Mehrkosten pro Jahr', die von der ÖVP kolportiert werden, sind also mit Vorsicht zu genießen", rechnet Strassl vor. Wiener Wohnen sei bei seinen Berechnungen nicht auf diese Summe gekommen. Wobei die Direktorin einräumt, dass seit der Gründung einer Haus- und Außenbetreuungs GmbH die Kosten 25 Prozent unter denen der Hausbesorger liege - dafür sei der Hausbesorger aber rund um die Uhr als Ansprechpartner verfügbar. Andererseits sei der Vorteil am Putzdienst, so Strassl, dass die Mieter sich fix orientieren könnten, wann die externe Firma vorbei kommt. Diese Ersparnis könne Strassl jedoch nicht generell für alle privaten Reinigungsfirmen bestätigen.

Kormout relativiert: "Es kommt auf den Hausbesorger an. Ich bin mir sicher, dass mein Kollege und ich unseren Mietern günstiger kommen, als mehrere externe Firmen." Er nennt ein Beispiel aus der vergangenen Woche: Mieter hatten in der Nacht einen alten Kasten im Keller entsorgt, der den Zugang zu anderen Kellerabteilen versperrte. "Eine Entrümpelung ist relativ teuer, wir übernehmen aber auch Holzschneidearbeiten und haben den Kasten weggeschafft." Genauso sind in dem 1953 errichteten Wohnkomplex immer wieder kleinere Ausbesserungsarbeiten notwendig, die Kormout und sein Kollege übernehmen, wie ausgeschlagene Türsockel nach einem Umzug ausbessern, eine defekte Fassung für die Beleuchtung reparieren oder kleine Brandschäden übermalen. "Es gibt Gemeindebauten, da muss die MA 48 entrümpeln, bei uns ist das noch nie vorgekommen", berichtet Kormout stolz.

"Das Unlogische am alten Hausbesorgergesetz"

Ein fixes Einstiegsgehalt für Hausbesorger gibt es übrigens nicht, das hängt von der vermieteten Fläche ab. "Das ist das Unlogische am alten Hausbesorgergesetz, denn die vermietete Fläche sagt ja nichts darüber aus, wie groß die Fläche mit Steigenhaus, Lift, Hof oder Gehsteig ist, die gereinigt werden muss", sagt Strassl. Wo die Direktorin eine zusätzliche Einnahmequlle sieht, ist im Wegfall der Dienstwohnung. Laut neuem Gesetzesentwurf "kann" aber "muss" eine Dienstwohnung nicht mehr vergeben werden. "Ich bin dafür, dass man den Hausbesorger mit anderen Arbeitnehmer gleichsetzt", sagt sie.

Keine Zwangs-Hausmeister

Den Mietern werden übrigens nicht gegen deren Willen Hausbesorger vor die Nase gesetzt, sagt Rudolf Edlinger, Vorsitzende des Wiener Pensionistenverbandes: "Eine völlig unsinnige Argumentation. Der Gesetzentwurf sieht nämlich vor, dass die Hausbewohner selbst entscheiden können, ob sie einen Hausbesorger oder einen private Hausbetreuer wollen." Und Herr Kormout? Wenn er in einigen Jahren in Pension gehen kann, möchte er die Dienstwohnung nicht behalten: "Ich glaube, die Leute könnten sich nicht umstellen und würden trotzdem dauernd bei mir anläuten." (Julia Schilly, derStandard.at, 28. Juni 2010)

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