Regen und Schnee bringen Hoteliers zum Schwitzen

21. Juni 2010, 17:06
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Das kalte Wetter lässt die Lust auf Urlaub in Österreich gefrieren. Die Buchungen liegen im Schnitt um knapp zehn Prozent zurück

Das kalte und nasse Wetter lässt die Lust auf Urlaub in Österreich gefrieren. Die Buchungen liegen im Schnitt um knapp zehn Prozent zurück. Noch sei der Sommer nicht verloren, heißt es. Der Städtetourismus floriert.

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Wien - Das Einzige, das die Touristiker im Land derzeit zum Schwitzen bringt, sind die Leerstände in der Ferienhotellerie, der Schnee auf den Bergen und das kalte Wasser in den Seen. Der Start in das Sommerhalbjahr, das mit 1. Mai begonnen hat und noch bis Ende Oktober läuft, war eine kühl-nasse Angelegenheit.

"Wir sind von vornherein nicht allzu euphorisch in die Saison gegangen" , sagte der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Sepp Schellhorn, dem Standard . Grund sei die Fußballweltmeisterschaft. "Wir haben geahnt, dass sich viele Gäste aus unseren Hauptmärkten Deutschland und Niederlande die WM zu Hause ansehen werden. Das ist eingetreten" , sagte Schellhorn.

Bedingt durch das Schlechtwetter ließen aber Gäste aus Österreich, die im Winter den Rückgang der Nächtigungszahlen noch gebremst hatten, stark aus. In den knapp sieben Wochen seit Start der Sommersaison liege man im Österreich-Durchschnitt im Vergleich zu 2009 um knapp zehn Prozent zurück.

"Noch habe ich keine Angst" , sagte der oberste Touristiker in der Wirtschaftskammer Österreich, Johann Schenner. "Es hat im Mai geregnet, es hat im Juni geregnet - das kann nicht so weitergehen." Mit etwas Glück könnte sich unterm Strich zum Ende der Saison noch ein Plus bei Umsatz und Nächtigungen ausgehen.

"Viel schlimmer wären Regen und Kälte im August. Dann ist das Geschäft überall kaputt" , sagte Schenner, der selbst Hotels in Bad Goisern (Salzkammergut) und St. Anton / Arlberg betreibt. "Die Seen wärmen sich dann nicht mehr auf, den September kann man dann vergessen." Die Branche mache den Hauptumsatz von Mitte Juli bis Ende August. Wenn der Wettergott mitspiele, sei noch viel zu retten.

Als Stütze des Tourismus erweisen sich einmal mehr die Städte. In Salzburg geht es wie in Wien seit Jahresbeginn wieder aufwärts. Die Bundeshauptstadt hat im Mai ein Nächtigungsplus von 13,6 Prozent auf 3,9 Millionen verzeichnet. "Das war das beste Mai-Ergebnis in der Geschichte der Stadt" , sagte der Geschäftsführer des Wien Tourismus, Norbert Kettner. Gegenüber dem bisherigen Mai-Rekord von 2008 liege man heuer um 4,3 Prozent darüber.

Die am Montag veröffentlichten Nächtigungszahlen für Mai zeigen mit Ausnahme von Italien Zuwächse beim Gästeaufkommen aus allen Hauptherkunftsregionen. Auch in Märkten, wo Wien als einziges Bundesland aktiv geworben hat, gab es satte Steigerungen, etwa bei Gästen aus der Türkei mit plus 31 Prozent und aus Brasilien mit plus 44 Prozent.

Für Juni gebe es noch "keine validen Zahlen, nur Stimmungsbilder, und die sind gut" , sagte Kettner. Für das Gesamtjahr ist der Wienwerber vorsichtig optimistisch: "Der Städtetourismus hat immer die Gesamtentwicklung im Tourismus vorweggenommen. Wir waren aufgrund der internationalen Verflechtung unter den Ersten, die nach Ausbruch der Krise Rückgänge verkraften mussten und sind jetzt wieder unter den Ersten, die herauskommen."

Thermen, Reisebüros strahlen

Zu den bisherigen Gewinnern des schlechten Wetters gehören die diversen Thermen im Land. "An den Schlechtwetterwochenenden haben wir durchwegs Spitzenauslastungen verzeichnet" , sagte ein Sprecher der jüngsten Therme Österreichs, der am 11. November 2009 eröffneten St. Martins Therme & Lodge im burgenländischen Seewinkel. Dieses Wochenende wird der angrenzende Badeteich zur Benutzung freigegeben, sodass es auch ein "Sonnenangebot" gibt, wenn sie denn scheint.

Zu den Gewinnern zählen aber auch die Reisebüros. "Allein in der Vorwoche haben wir gegenüber der Vergleichswoche 2009 ein Buchungsplus von 20 Prozent verzeichnet" , sagte Verkehrsbüro-Vorstand Martin Bachlechner. Insgesamt liege man zwei Prozent über dem Vorjahr. Renner seien vor allem die Türkei, Ägypten und zuletzt auch Griechenland aufgrund günstiger Restplätze. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.6.2010)

  • Unbeirrt vom Dauerregen gehen Einheimische und Gäste ihrer Wege. In Wien
 (im Hintergrund der Stephansdom) gab es heuer im Mai so viele 
Nächtigungen wie in keinem Mai zuvor.
    foto: standard/matthias cremer

    Unbeirrt vom Dauerregen gehen Einheimische und Gäste ihrer Wege. In Wien (im Hintergrund der Stephansdom) gab es heuer im Mai so viele Nächtigungen wie in keinem Mai zuvor.

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