Biologe prophezeit der Menschheit das Aussterben

21. Juni 2010, 12:21
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"... vielleicht innerhalb von 100 Jahren" - der 95-jährige Frank Fenner zieht Bilanz

Wien - "Homo sapiens wird aussterben, vielleicht innerhalb von 100 Jahren." Diese düstere Prognose zur Zukunft der Menschheit gab der prominente australische Wissenschafter Frank Fenner (95) diese Woche gegenüber der Zeitung "The Australian" ab. Wie die Mailänder Tageszeitung "Corriere della sera" am Sonntag in ihrer Internetausgabe weiter berichtete, macht Fenner dafür "Bevölkerungsexplosion und unkontrollierten Konsum" verantwortlich.

Und der auf Virologie und Mikrobiologie spezialisierte Fenner hat seine Erfahrungen mit Massensterben - in Australien ist er deswegen sogar eine Art Nationalheld: Durch Einsatz des in über 99 Prozent der Fälle tödlichen Myxoma-Virus konnte er in den 50er Jahren die Kaninchenplage auf dem fünften Kontinent erstmals entscheidend eindämmen. Zuvor hatten sämtliche Maßnahmen - einschließlich des Baus tausender Kilometer langer Zäune - versagt. In den 60er Jahren war Fenner überdies führend an der globalen Ausrottung der Pocken beteiligt. 

Willkommen im Anthropozän

Fenners Ansicht nach droht nicht nur der Menschheit, sondern auch zahlreichen Tierarten die Auslöschung. Die Entwicklung sei bereits unumkehrbar, es könnte bereits zu spät sein, um Abhilfe zu schaffen. Zwar würden die Menschen bereits etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen versuchen, räumte Fenner ein. Vieles würde aber weiterhin auf die lange Bank geschoben. Der Eintritt der Menschheit ins "Anthropozän" - in der die menschliche Aktivität das Klima beeinflusst - sei vergleichbar mit globalen Katastrophen wie Eiszeiten oder Kometeneinschlägen.

Der Menschheit drohe das selbe Schicksal wie seinerzeit den Bewohnern der Osterinseln, so Fenner. Die Eingeborenen hatten durch die rücksichtlose Abholzung des Waldes ihre einst blühende Insel in eine Ödnis verwandelt. Die globalen Klimaveränderungen stünden noch am Anfang, es gebe aber jetzt schon beträchtliche Veränderungen in der Atmosphäre. Nun drohe der menschlichen Rasse das Schicksal vieler anderer Spezies, die im Laufe der Erdgeschichte ausgestorben sind.

Widerspruch

Zahlreiche Wissenschafter teilen den Pessimismus Fenners nicht. Sein Freund, der Immunologe Stephen Boyden, etwa meint: "Frank könnte durchaus Recht haben. Aber viele von uns haben immer noch die Hoffnung, dass die Menschheit sich der Situation bewusst wird und die notwendigen revolutionären Veränderungen einleitet, um die ökologische Nachhaltigkeit herzustellen."

Und andere widersprechen ohnehin jedem Szenario, das die Menschheit komplett auslöschen könnte. Der US-Biologe Peter Ward stellte gar die These auf, dass es nie mehr - egal durch welche Katastrophe - zu einem völligen Verschwinden der Menschheit kommen könnte. Stets bliebe aufgrund der Mittel, über die wir dank unserer Intelligenz verfügen, zumindest eine Restpopulation zurück, die zum Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung würde. Die Menschheit bliebe damit bis ans Ende der Zeit der bestimmende Faktor der irdischen Ökologie: Also doch eine Art Anthropozän - nicht ganz in dem Sinne, wie der niederländische Nobelpreisträger Paul J. Crutzen den Begriff definiert hat. Zumindest in den massiven Folgen für Tier- und Pflanzenwelt überschneiden sich jedoch die Szenarien. (APA/red)

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