Vorzeitiger Samenerguss häufigste Sexualstörung

21. Juni 2010, 17:30
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Weit verbreitet, aber wenig thematisiert - neuer Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer soll das kurze Vergnügen verlängern

Pörtschach - Rasches Service ist gut, Fast Food in aller Munde und Datenübertragungen müssen auch immer rascher werden - aber schneller ist nicht immer besser. Beim Sex entsteht ein Problem: Durch die Ejaculatio praecox, den frühzeitigen oder vorzeitigen Samenerguss kommt es innerhalb von ungefähr einer Minute des eigentlichen Geschlechtsverkehrs - und bevor es die Beteiligten wünschen - zur Ejakulation. "Dies stellt für den Mann, aber besonders für dessen Partnerin eine deutliche Verschlechterung des Liebeslebens dar", schilderte der Salzburger Urologe und Androloge Andreas Jungwirth auf der Sommerakademie der Apothekerkammer in Pörtschach.

Im Gegensatz zu den erektilen Dysfunktionen sei der vorzeitige Samenerguss keine Frage des zunehmenden Alters, erklärte Jungwirth: "Er manifestiert sich meist mit Beginn sexueller Aktivitäten und besteht bei Nichtbehandlung bis ins höhere Alter fort." Hintergrund dürfte ein gestörtes Zusammenspiel zwischen dem Ejakulationsreflexzentrum im Rückenmark und den inhibierenden Steuerungszentren im Gehirn sein, wobei offenbar ein Mangel an Serotonin in diesen Zentren ausschlaggebend ist.

Neues Therapeutikum

Seit einem Jahr können Ärzte ein Therapeutikum anbieten, das speziell gegen die vorzeitige Ejakulation entwickelt und "in multizentrischen Studien mit insgesamt 6.000 Probanden ihre Wirksamkeit beweisen hat", sagte der Salzburger Spezialist . Geschätzte 20 bis 30 Prozent der Männer aller Altersklassen haben einen vorzeitigen Samenerguss, so Jungwirth.

Der Wirkstoff Dapoxetin gehört zur Klasse der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), die eigentlich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Der spezielle Wirkstoff wirke schnell und erhöhe die Wirksamkeit des im Nervensystem vorhandenen Serotonins, wodurch sich der Samenerguss verzögern soll. Die Einnahme erfolgt bei Bedarf ein bis drei Stunden vor einem geplanten Geschlechtsverkehr. Der Wirkstoff wurde in klinischen Studien bei rund 6.000 Probanden getestet. Das Ergebnis: In der Gruppe der Betroffenen, die Dapoxetin erhielten, verdreifachte sich die Zeitspanne, bis die Männer beim vaginalen Sex zum Höhepunkt kamen, auf fast vier Minuten. "Das sind Lichtjahre für die Betroffenen", so Jungwirth. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen seien Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Durchfall, Insomnie und Müdigkeit gewesen. (APA/red)

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    Vorzeitiger Samenerguss ist keine Frage des zunehmenden Alters

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