Judith Butler lehnte Zivilcouragepreis ab

21. Juni 2010, 11:16
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Der Gender-Theoretikerin Judith Butler ist der Christopher Street Day zu wenig antirassistisch: "Von dieser rassistischen Komplizenschaft muss ich mich distanzieren"

In einer restlos ausverkauften Berliner Volksbühne sprach die US-amerikanische Philosophin und Literaturwissenschaftlerin Judith Butler über "Queere Bündnisse und Antikriegspolitik". Gleichberechtigung, diskriminierte Minderheiten und Freiheit waren die Themen des Vortrages, Anlass für diesen war der Berliner Christopher Street Day. Die OrganisatorInnen hatten die Startheoretikerin eingeladen um ihr den Zivilcouragepreis zu verleihen. Die von Butler in ihrem Vortrag geforderte Sensibilität für Homophobie habe aber der Christoper Street Day nicht an den Tag gelegt und so lehnte Butler den Preis kurzerhand ab. Butler sprach in ihrem Vortrag über nötige Allianzen, die in der Lage sein müssen, interne Differenzen anzuerkennen, um so gemeinsam gegen Rassismus, Nationalismus, Homo- und Transphobie ankämpfen zu könnten, berichtete die Online-taz über die Inhalte des Vortrags.

Zu kommerziell, zu wenig antirassistisch

Butler nahm den Preis nicht an, weil sie beim CSD den Anspruch, ein heterogenes Bündnis zu sein, nicht erkennen konnte. Der Kampf gegen Homophobie dürfe nicht isoliert betrachtet werden. Sie warf dem Berliner CSD vor, zu kommerziell und zu wenig antirassistisch zu sein. "Einige der VeranstalterInnen haben sich explizit rassistisch geäußert bzw. sich nicht von diesen Äußerungen distanziert. Die veranstaltenden Organisationen weigern sich, antirassistische Politiken als wesentlichen Teil ihrer Arbeit zu verstehen. In diesem Sinne muss ich mich von der Komplizenschaft mit Rassismus, einschließlich anti-muslimischem Rassismus, distanzieren", zitierte Tülin Duman von den "Gays & Lesbians aus der Türkei" in der Online-taz Butlers Begründung. 

Auf wenig Verständnis stoß die Theoretikerin bei den InitiatorInnen des CSD. "Judith Butler hätte den Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V. schon ablehnen können, als man ihr diesen antrug," meinte etwa Jan Fedderson, Mitinitiator des ersten bundesdeutschen CSD. Butler, die zwar theoretisch sehr viel geleistet hätte, habe sich "kapriziös gezeigt und obendrein frei von Souveränität" so Fedderson. (red) 

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    Judith Butler kritisierte den CSD in Berlin.

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