Krugman kritisiert Axel Weber scharf

21. Juni 2010, 12:20
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Der Chef der Deutschen Bundes­bank sei "ein Risiko für das Schicksal des Euro", falls er EZB-Chef Trichet nachfolgt, meint der Nobelpreisträger

Frankfurt - Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman hat den Chef der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, scharf attackiert. Weber sei "ein Risiko für das Schicksal des Euro", sollte er im kommenden Jahr Jean-Claude Trichet als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) beerben, sagte Krugman in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Krugman, der für provokante Wortmeldungen bekannt ist, begründet seine Meinung mit der harten Haltung Webers in der Euro-Schuldenkrise. "Die Gefahr, dass es zu einem Dominoeffekt von Griechenland über Spanien und Portugal bis nach Italien kommt, ist viel größer, wenn die EZB einen so konservativen Präsidenten hat. Das wäre ein Desaster für alle", zitiert die Zeitung den Star-Ökonomen.

Weber läuft derzeit Sturm gegen die Entscheidung des EZB-Rats von Anfang Mai, Staatsanleihen von Problemländern wie Griechenland zu kaufen. Er sieht im Vorgehen der Notenbank erhebliche "stabilitätspolitische Risiken", konnte sich aber bei der entscheidenden Abstimmung nicht gegen Notenbankchef Trichet durchsetzen. Weber gilt neben dem Chef der italienischen Zentralbank, Mario Draghi, als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Trichet, dessen achtjährige Amtszeit im Herbst 2011 endet.

Weltwirtschaftlicher Preis für Krugman

Krugman hat am Sonntag in Kiel den diesjährigen Weltwirtschaftlichen Preis entgegengenommen, den er gemeinsam mit Bertelsmann-Erbin Liz Mohn und dem Generaldirektor der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, verliehen bekam. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) würdigt mit dem Preis jährlich während der Kieler Woche je einen Politiker, Ökonomen und Unternehmer, die sich um die Marktwirtschaft und zugleich um soziale Gerechtigkeit verdient gemacht haben.

Die Preisträger hätten vorgelebt, wie eine Synthese aus wirtschaftlicher Effizienz und sozialer Verantwortung gelingen könne, sagte IFW-Präsident Dennis Snower. Er würdigte Krugman als "Fels in der Brandung internationaler ökonomischer Debatten". Unermüdlich fordere er Regeln ein, um die Wirtschaft in effizientere und gerechtere Bahnen zu lenken. "Er zeigt wissenschaftlich, dass solchen Regeln unterworfener Handel mehr Wohlstand für alle schaffen kann."

Wohlstand und Gerechtigkeit brauchen Regeln

"Wohlstand und Gerechtigkeit brauchen Regeln", betonte IfW-Präsident Snower. Der Weltwirtschaftliche Preis solle anregen, Wege zu finden, mit marktwirtschaftlichem Handeln Wirtschaftswachstum zusammen mit sozialer Gerechtigkeit zu erlangen. Aus Sicht von WTO- Chef Lamy sorge Handel für mehr Wohlstand: "Deshalb tritt er dafür ein, Handelsbarrieren zu überwinden", sagte Snower. Die Unternehmerin Liz Mohn stehe auch ganz persönlich dafür, durch Wissensverbreitung und wirtschaftliche Tätigkeit den sozialen Zusammenhalt zu fördern. "Durch ihr soziales Engagement in zahlreichen Stiftungen und wohltätigen Organisationen sorgt sie dafür, dass sich die sozialen Rahmenbedingungen verbessern."

"Freiheitliche Systeme brauchen Regeln und Begrenzungen", sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Kiel. Die Philosophie der Deregulierung sei durch die Erfahrungen der letzten Jahre ein gutes Stück widerlegt worden. Wie Deregulierung übertrieben worden sei, könne aber auch Regulierung übertrieben werden. "Durch Übertreibung zerstören wir alles", so Schäuble. Er verteidigte den Kurs, im nächsten Jahr mit dem Herunterfahren des Haushaltsdefizits zu beginnen. Dies müsse zu einem erheblichen Teil über die Ausgaben geschehen. In Deutschland könne man nicht der Philosophie anhängen, die Schulden eines Tages durch höheres Wachstum zurückzuzahlen.   (APA/red)

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    Paul Krugman: "Die Gefahr, dass es zu einem Dominoeffekt von Griechenland über Spanien und Portugal bis nach Italien kommt, ist viel größer, wenn die EZB einen so konservativen Präsidenten hat."

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