Stolz gestresster Papa

21. Juni 2010, 10:23
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Eine Primatenforscherin vermutet, dass das Engagement von Vätern ursprünglicher sein könnte, als man bisher dachte

Dass sich Väter der Pflege des Nachwuchses heute intensiver widmen als früher, ist eine wesentliche Errungenschaft des Feminismus. Längst sieht der Vater sich nicht mehr als bloßer Paterfamilias, der in der Hauptsache durch Abwesenheit glänzt und eben damit Angst und Schrecken verbreitet: "Na warte nur, bis der Papa nach Haus' kommt ..."

Jetzt aber berichtet die Primatenforscherin Julia Fischer im Magazin Animal Behaviour von Beobachtungen an Berberaffen, wonach das Engagement der Väter ursprünglicher sein könnte - allerdings aus egoistischen Motiven: Die Berber-Männchen stellen sich regelrecht an, der Mutter ein Kleines zu entwenden, um anderen Männchen zu präsentieren, wie gut sie die Jungen umsorgen. Die Vaterrolle, so Fischer, diene dazu, im Sozialgefüge Eindruck zu schinden und den Status zu erhöhen.

Während die Forscher anfangs meinten, dass Bemuttern beruhigend (und insofern sozialisierend) auf die Männchen wirke, beweisen Hormonmessungen das Gegenteil: Männchen, die ein Junges umsorgen, stehen unter irrem Stress.

Demnach, so Fischer, ließe das Babyhutschen sich als raffiniertes Imponiergehabe interpretieren: "Schauts her, ihr Weicheier! Beim Hutschen zeigt sich, was ein echter Kerl ist!" Vielleicht erleichtert diese Erkenntnis ja manch modernem Helden das Aufstehen, wenn demnächst wieder ein Windelwechsel ansteht - zur Geisterstunde. (corti, DER STANDARD/Printausgabe 21.6.2010)

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