Die zwei Seiten Chinas

20. Juni 2010, 19:40
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Die Bedenken in der Volksrepublik gegen eine Währungsaufwertung sind verständlich

Die monatelangen Drohungen aus den USA schienen gefruchtet zu haben: China deutete am Samstag eine Flexibilisierung seiner Währungspolitik an. Der schwache Yuan, der Pekings Exporte beflügelt und Washingtons Nerven strapaziert, sollte aufwerten dürfen. Die Freude währte nur kurz, schon am Sonntag stellte China klar, dass der Yuan keine großen Sprünge machen werde.

So peinlich Pekings Eiertanz auch sein mag, die Bedenken in der Volksrepublik gegen eine Währungsaufwertung sind verständlich. China hat die Yuan-Bindung an den Dollar 2008 verfügt. Durch die schwach gehaltene Währung sollte die Kündigung von Millionen Menschen in der Exportwirtschaft verhindert werden. Noch ist die globale wirtschaftliche Erholung fragil, und so spricht viel dafür, dass Peking seinen Exporteueren weiter hilft.

Zudem überflutet China die Welt nicht nur mit Billigwaren - das Land importiert auch immer mehr. China hat im Zuge der Wirtschaftskrise das größte aller Stimulusprogramme aufgelegt. Damit stieg die Nachfrage, im März wies China sogar ein Handelsdefizit auf - zuletzt gab es das 2004.

Keine Frage: Der Yuan ist unterbewertet, und auf lange Sicht wird Peking an einer Korrektur nicht vorbeikommen. Doch nicht nur China ist wegen der weltweiten Handelsungleichgewichte gefordert. Aktiv werden müssen auch die Rekordschuldner, die auf Pump konsumieren. Angesprochen sind damit vor allem die USA.(András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21.6.2010)

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