Fannie und Freddie, die Unersättlichen

20. Juni 2010, 19:21
20 Postings

Die Verstaatlichung der US-Hypothekenfinanzierer kostete den Steuerzahler 145 Milliarden Dollar. Die Abschlussbilanz könnte schlimmer aussehen

Washington - In den vergangenen zwei Jahren haben die Staaten immer wieder tief in die Tasche gegriffen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Der größte Kostenfaktor in der Finanzkrise waren aber ganz klar die Bankenhilfen, lautet eine der gängigen Thesen. Zumindest in den USA erweist sich diese Erkenntnis derzeit als falsch. Nach einem Bericht der New York Times dürften die staatlichen Hilfsmaßnahmen für den Immobilienmarkt in den USA weit mehr Geld verschlingen als Rettungspakete für angeschlagene Unternehmen und Banken zusammen. Hauptverantwortlich dafür sind die beiden Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac. Beide Unternehmen gerieten 2008 in schwere Turbulenzen und mussten von der Regierung aufgefangen werden. Der Staat erwarb an den beiden Firmen einen Anteil von 80 Prozent. Den Steuerzahler hat das bisher rund 145 Milliarden US-Dollar gekostet. Nach Berechnungen des US-Kongresses könnten es sogar 380 Milliarden Dollar werden.

Die meisten US-Banken haben die Staatshilfe dagegen bereits zurückgezahlt. Offen ist noch die Rechnung für die notverstaatlichte American International Group (50 Milliarden Dollar) und diverse Hilfen für die Automobilindustrie (31 Milliarden).

Fannie Mae und Freddie Mac vergeben selbst keine Kredite an Kunden. Sie kaufen die Hypotheken von anderen Kreditinstituten, vielfach bündelten sie diese Papiere und verkauften sie weiter. Die beiden Unternehmen sitzen wegen dieser Aktivitäten auf einem Berg von Immobilienkrediten - und genau da liegt das Problem.

2009 wurden in den USA fast drei Millionen Liegenschaften gepfändet, weil die Hausbesitzer ihre Kreditraten nicht mehr bedienen konnten. Und die Zahl steigt weiter: Zwischen Jänner und März 2010 wurden 930.000 Pfändungen registriert, das sind um 16 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2009.

Und so müssen auch Fannie und Freddie immer mehr Eigenheime übernehmen, sie zählen bereits zu den größten Landbesitzern in den USA. Alle 90 Sekunden übernehmen sie derzeit ein Haus - ihnen gehören inzwischen rund 160.000 Eigenheime.

Neuer Markteinbruch

Die Verluste der Hypothekenbanken wachsen damit aber an. Denn wegen der Marktübersättigung lassen sich die Häuser kaum gewinnbringend weiterverkaufen. Freddie und Fannie können durch den Verkauf der gepfändeten Häuser durchschnittlich nur 60 Prozent vom Wert des Hypothekarkredites einnehmen.

Hinzu kommt, dass am US-Immobilienmarkt ein weiterer Absturz im Gange ist. Hauptverantwortlich dafür ist das Auslaufen eines Hilfsprogramms der US-Regierung. Die Regierung von Präsident Barack Obama hat Erstkäufern von Immobilien bis Ende April eine Steuergutschrift in Höhe von 8000 Dollar zugesagt. Mit dem Auslaufen der Subvention folgte der Absturz: Im Mai brach der Verkauf von neuen Eigenheimen im Vorjahresvergleich um 19 Prozent ein, die Zahl der erteilten Baubewilligungen ging um sechs Prozent zurück.

Die US-Regierung unternimmt zwar weitere Anstrengungen, um den Immobilienmarkt zu stützen. So gibt es beispielsweise das "Home Affordable Modification Program - Hamp". Im Rahmen von Hamp stellen die USA 50 Milliarden Dollar zur Verfügung. Mit dem Geld sollen Zwangsversteigerungen vermieden werden. Wenn eine Bank ihrem Kunden bei Zahlungsschwierigkeiten nicht gleich kündigt, sondern eine Stundung gewährt, übernimmt der Hamp-Fonds einen Teil der Kosten.

Allerdings ist das Programm umstritten. Nach einer Analyse der Ratingagentur Fitch werden 75 Prozent der so aufgefangenen Kredite innerhalb eines Jahres dennoch uneinbringlich. Und auch der US-Kongress kritisiert, dass Hamp die Zahl der Versteigerungen kaum reduzieren konnte. (szi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.6.2010)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Protest gegen eine Zwangsräumung in New York. Bereits im vergangenen Jahr wurden in den USA fast drei Millionen Eigenheime gepfändet, die Zahl steigt weiter an.

Share if you care.