Bossi fordert Verlegung einiger Ministerien von Rom nach Mailand
Rom - Italiens rechtspopulistische Regierungspartei Lega
Nord hat am Sonntag mit der Sezession Norditaliens gedroht, sollte
das Land nicht in einen föderalistischen Staat umgewandelt werden,
wie die Gruppierung seit ihrer Gründung vor 25 Jahren verlangt. "Wenn
es nicht zum Föderalismus kommt, kann es nur die Sezession geben,
nicht weil es die Lega Nord fordert, sondern weil es ganz Norditalien
verlangen wird", sagte Unterstaatssekretär Roberto Castelli,
Spitzenpolitiker der Lega Nord, bei der Jahresversammlung der
Parteianhänger im lombardischen Pontida am Sonntag.
Castelli erklärte, die Lega Nord, zweitstärkste
Regierungspartei,
sei ein zuverläßliger Bündnispartner von Regierungschef Silvio
Berlusconi. "Heute hält die Lega de facto den italienischen Staat
zusammen", versicherte Castelli. Er und Parteichef Umberto Bossi
wurden von 30.000 Lega-Anhängern bejubelt, die sich an dem
alljährlichem Treffen in der kleinen Ortschaft beteiligten.
"Bereit, mit Waffen zu kämpfen"
Lega-Gründer und Reformenminister Bossi betonte, seine Partei
habe
den friedlichen Weg gewählt, um zum Föderalismus zu gelangen, obwohl
viele Anhänger bereit wären, für dieses Ziel auch mit den Waffen zu
kämpfen. "Bis Norditalien nicht frei sein wird, wird der Kampf nicht
aufgegeben", versicherte Bossi. Er verlangte, dass einige Ministerien
von der Hauptstadt Rom nach Mailand verlegt werden.
"Brüder auf freiem Boden", war auf einem Plakat der
Lega-Anhänger
zu lesen. Das alljährliche Juni-Treffen in Pontida ist eine alte
Tradition der Lega Nord, die Ende der 80er Jahre als kleine, radikale
Autonomiebewegung entstanden war, und sich danach zu einer
überregionalen Föderalismus-Partei entwickelt hat. (APA)