Königlicher Kaffeeklatsch

20. Juni 2010, 18:52
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"Brot und Spiele": Zu Beginn der Live-Übertragung sitzen 680.000 Zuschauer vor den Bildschirmen

Wie "Brot und Spiele" ist so eine königliche Märchenhochzeit: "Der Alltag ist ja ohnehin schwer genug, mit Ölpest und Wirtschaftskrise ... ", weiß Sonderreporter Roland Adrowitzer. Wohl wahr, und auch die österreichischen Fernsehzuschauer bestätigten seine Hellsicht: Um 10.10 Uhr verzeichnet die Vorberichterstattung zur Hochzeit am Samstag 58 Prozent Marktanteil. Zu Beginn der Live-Übertragung um 14.02 Uhr sitzen 680.000 Zuschauer vor den Bildschirmen.

Gut also, dass der ORF um die Stimmungslage im Land weiß und bereits um neun Uhr morgens mit dem Adelswahnsinn begann. Weniger gut, dass diese Sendezeit auch gefüllt werden musste. ZiB-Moderatorin Birgit Fenderl und "Society- und Adelsexpertin" Lisbeth Bischoff machten es wie schlecht vorbereitete Schülerinnen beim Referat: Hauptsache, man redet viel. Zur Hilfe riefen sie Kulturhistorikerin, Astrologin und eine "Arrangeurin von Adels-Hochzeiten". Dazu ein paar hanebüchene Fragen, und schon läuft die Sache: "Glauben Sie, werden die Souvenir-Teller zum Gebrauchsgegenstand werden, Frau Praschl-Bichler?"

Um das von Ölpest und Finanzkrise gebeutelte Fernsehvolk zu erfreuen, wurde gefragt, warum "die Königsfamilie Österreich so liebt?" Ganz klar, die alpinen Pisten sind ihr "wahres" Königreich.

Die Zeremonie erlöste zwar von der krampfigen Suche nach Gesprächsstoff, läutete aber einen vierstündigen Kaffeeklatsch ein: "Haben Sie's auch so empfunden, Frau Praschl-Bichler, dass es eine sehr stimmungsvolle Hochzeit war?" Übrigens: "Ihr Ex-Fitnesstrainer" ist nicht die verpflichtende Anrede für Victorias nunmehrigen Ehemann. Sein Name hätte völlig ausgereicht. (Andrea Heinz/DER STANDARD; Printausgabe, 21.6.2010)

  • Victoria und ihr Mann.
    foto: apn/scanpix

    Victoria und ihr Mann.

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