Südafrikas Cliquen und Mandelas Appell

20. Juni 2010, 18:26
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Südafrika droht als erstem WM-Gastgeber das Aus nach der Vorrunde. Vor dem Match gegen die zerstrittenen Franzosen zerfällt auch die Bafana Bafana in Grüppchen

Johannesburg - "Der ultimative Verwendungszweck der Vuvuzela." So beschriftete der Saturday Star eine Karikatur, die einen südafrikanischen Fan bei der rituellen Selbsttötung mittels Plastiktröte zeigt. Die Bafana Bafana, die Nationalmannschaft des Gastgebers, ist nach der 0:3-Niederlage gegen Uruguay und vor dem Duell mit Frankreich am Dienstag ehrlich bemüht, dem Cartoon Leben einzuhauchen. Es wird offenbar munter gestritten.

Die Sunday Times berichtet, dass sich die Profis aus Durban über die Bevorzugung der Spieler aus Soweto durch Coach Carlos Alberto Parreira beklagen. MacBeth Sibaya, der aus Durban stammt, aber bei Rubin Kasan in Russland sein Brot erwirbt, beklagte den mangelnden Kampfgeist gegen Uruguay. "Man muss auch Opfer bringen und die Drecksarbeit machen", sagte der Mittelfeldspieler, der wie die meisten Kicker aus Durban der Volksgruppe der Zulus angehört. Eine dritte Clique sollen die restlichen Spieler im Kader bilden.

Die Kunde vom Streit drang sogar an Nelson Mandelas Ohr. Der greise Vater der Nation rief zur Einheit auf, versicherte der Mannschaft "unsere uneingeschränkte Unterstützung" und wünschte ihr "viel Glück", was die Sunday Times zum Anlass nahm, Mandela mit "Madiba: Wirkt ein Wunder!" zu zitieren.

Auch die aktive Politik bemüht sich in Mandelas Sinne, das Land hinter der Mannschaft zu vereinen. "Die unvergleichliche Unterstützung für Bafana Bafana ist höchst eindrucksvoll", sagte Staatspräsident Jacob Zuma. Helen Zille, die Premierministerin der Provinz Western Cape, fand noch pathetischere Worte: "Bafana Bafana, die ganze Nation steht hinter euch. Egal, was passiert, ihr könnt stolz sein auf die Rolle, die ihr bei der Einigung unserer Nation gespielt habt." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 21. Juni 2010, sid, lü)

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    Die Fans, die noch hinter Südafrikas Mannschaft stehen, verlangen ein Aufbäumen gegen Frankreich.

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