Strache tritt als "blauer Hausmeister" für Wien an

20. Juni 2010, 18:01
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Beim 32. Landesparteitag der Wiener FPÖ wurde Strache von 99 Prozent der Delegierten zum Spitzenkandidaten gewählt

Wien - Während draußen die FPÖ-Fahnen im kühlen Juni-Wind flatterten, hing drinnen blauer Dunst über den Köpfen. Beim 32.Landesparteitag der Wiener FPÖ im Austria Center ließ es sich nämlich ein Gutteil der Delegierten nicht nehmen, den einzelnen Reden zigarettenrauchend zu lauschen.

Die sonst bei FPÖ-Veranstaltungen übliche Bierzelt-Stimmung blieb im fensterlosen Saal mit dunkelbrauner Einrichtung trotzdem aus. Vielmehr spulte man das Programm relativ unaufgeregt ab. Als Feindbild musste wie gewohnt die Wiener SPÖ im Allgemeinen und Michael Häupl im Besonderen herhalten. Der "Noch-Bürgermeister" habe heute schon schlaflose Nächte, wenn er an den 10. Oktober denke, meinte ein heiserer Parteichef Heinz-Christian Strache. Denn die FPÖ stehe geschlossener denn je zusammen. "Jeder kann sich auf Vordermann und Hintermann verlassen." Weshalb man auch die absolute Mehrheit brechen und Wien von der "roten Arroganz befreien" werde. "HC Strache" , so Strache, sei der einzige Herausforderer des "untätigen und grantelnden" Bürgermeisters.

Dann deklinierte Strache für die 340 Delegierten noch einmal das blaue Wahlkampfprogramm durch. Während er auf "Kriminelle und Ostbanden" schimpfte und einen eigenen Wachkörper für Wien sowie einen Sicherheitsstadtrat forderte, leuchteten die Worte "Endlich Sicherheit" auf. Dazu erschien das inWien derzeit affichierte Plakat von Strache zwischen zwei Polizisten.

Zuwanderungsstopp

Als es um den Ausländeranteil jenseits der 90 Prozent an Wiener Schulen und die Notwendigkeit, eine "verpflichtende Deutschvorschule" einzuführen ging, war das "Endlich Zukunft" -Sujet dran.

Die blaue Basis hörte ihrem Chef andächtig zu. Bravo-Rufe und tosenden Applaus erntete Strache aber nur einmal - als er seiner Partei versprach, als nächster Wiener Bürgermeister einen Zuwanderungsstopp umzusetzen. "Denn das Haus Wien gehört den Österreichern. Wir entscheiden, ob wir jemanden hineinlassen, ob er in ein Gästezimmer einziehen darf" , sagt der blaue Parteiobmann. Und:"Wer sich nicht benehmen kann, wird vor die Tür gesetzt - wir brauchen einen blauen Hausmeister!"

Zu Beginn seiner eineinhalb Stunden dauernden Rede sprach Strache noch von einem möglichen Wahlergebnis jenseits der 30 Prozent, gegen Ende schraubte er seine eigene Erwartung dann aber auf 20 Prozent herunter - und warnte seine Partei zu glauben, dass bei der Wien-Wahl "schon alles gegessen" sei. "Es liegen harte Monate vor uns, und es darf keinen Platz für Bequemlichkeit und Eifersüchteleien geben."

Darüber, wer die Nummer eins ist, ist sich die Wiener FP aber jedenfalls einig: Strache erhielt bei der Landesparteiobmann- und Spitzenkandidatenwahl 99,12 Prozent. 339 der 342 abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn, drei waren ungültig. Nach seinem Einzug zu den Klängen der Carmina Burana bedankte sich der neue alte Parteichef "für das großartige und ehrliche Vertrauen" . Die Stellvertreterriege bilden Harald Stefan, Eduard Schock, Johann Herzog und Veronika Matiasek.

Die Wiener SPÖ reagierte auf die blauen Angriffe erneut mit dem Verweis auf Straches "Loser-Image" . "Sein weinerlicher Auftritt unterstreicht seine Panik vor dem 10. Oktober 2010" , sagt Landesparteisekretär Christian Deutsch. "Dumpfe Sprüche sind wohl der letzte Versuch, diesem Trend entgegenzuwirken."  (Martina Stemmer/DER STANDARD Printausgabe, 21.6.2010)

  • Blauer Dunst: Nach geschlagener Wahl gönnt sich der neue alte Parteichef Heinz-Christian Strache eine Zigarettenpause.
    foto: standard/novotny

    Blauer Dunst: Nach geschlagener Wahl gönnt sich der neue alte Parteichef Heinz-Christian Strache eine Zigarettenpause.

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