Umfrage: Am Land ist vor allem der Hauptmann wichtig

20. Juni 2010, 17:46
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Landesidentität wird für viele Österreicher nicht durch kulturell wertvollen Landessammlungen, sondern durch den Landeshauptmann definiert

Linz - Die Landesschulräte könnte man schon einmal zusperren. Die Landeskulturreferate auch. Und die Landesmuseen halten nur 38 Prozent der Österreicher für unbedingt erhaltenswert.

Das geht aus einer aktuellen Market-Umfrage für den Standard hervor, bei der 500 repräsentativ ausgewählte Österreicher mit möglichen Sparvarianten im Zuge der Verwaltungsreform konfrontiert wurden. 77 Prozent halten in diesem Zusammenhang die Landesgerichte und 68 Prozent die Sicherheitsdirektionen für unverzichtbar. Auch die Krankenkassen will man gerne in der Nähe haben.

Auch ÖVP-Wähler stellen Landesräte zur Diskussion

Als wesentlichstes Element, mit dem sich das jeweilige Bundesland profilieren kann, gilt den Bürgern die Wohnbauförderung des jeweiligen Landes - da glauben nur 23 Prozent, dass diese auch von anderen Institutionen verwaltet werden könnte. Tatsächlich haben die Länder hier viel Spielraum - "aber dieser Spielraum wird gedanklich nicht den Landtagen oder den zuständigen Landesräten zugeordnet, für das Land steht der Landeshauptmann und sonst praktisch niemand" , sagt Market-Chef Werner Beutelmeyer. Sein Befund deckt sich tendenziell mit jenem der Karmasin-Motivforschung, die in der Vorwoche für Profil erhob, dass 61 Prozent der Österreicher Landtage und Landesregierungen für verzichtbar halten. Market fragte genauer: 43 Prozent meinen, dass die Aufgaben der Landtage von anderen übernommen werden könnten, gar 54 Prozent nehmen das von den Aufgaben der Landesregierungsmitglieder an.

Die größten Anhänger des Föderalismus sitzen in der ÖVP - deren Wähler sagen zu 58 Prozent, dass die Landtage bleiben sollen. Aber die Landesräte würde auch jeder zweite ÖVP-Wähler zur Diskussion stellen. Nur die Landeshauptleute sind den Wählern über alle Parteigrenzen hinweg wichtig, wobei die ÖVP-Wähler am stärksten und die FPÖ-Wähler am wenigsten am Landeshauptmann hängen.

Die Bauordnungen, deren Vereinheitlichung als wesentliche Verwaltungsvereinfachung gilt, erscheinen 42 Prozent erhaltenswürdig, auch beim Naturschutz herrscht Lokalpatriotismus.

Großparteien gleichauf

In der Bundespolitik stellte Market bei seiner aktuellen Umfrage wenig Veränderung fest: Die ÖVP liegt mit hochgerechnet 28 Prozent so knapp vor der SPÖ (27 Prozent), dass die Wählerschaften als praktisch gleich groß gelten müssen. Das zeigt sich auch in der Kanzlerpräferenz: Hier ist Josef Pröll (ÖVP)mit 25 Prozent knapp vor Amtsinhaber Werner Faymann (23 Prozent). Heinz-Christian Strache ist mit zwölf Prozent klar abgeschlagen - nicht aber seine Partei: Die FPÖ bekommt in der Hochrechnung derzeit 24 Prozent, der beste Wert in diesem Jahr. (Conrad Seidl/DER STANDARD Printausgabe, 21.6.2010)

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