Die Frau ohne Plan B führt die Grazer SP

20. Juni 2010, 17:29
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Elke Edlinger gewann Kampfabstimmung gegen Parteichef Wolfgang Riedler

Graz - "Niemand glaubte mir, dass ich keinen Plan B hatte, aber ich machte es wirklich ohne Sicherheitsnetz" , versicherte Elke Edlinger - am Samstag, am Tag danach.

Knapp 24 Stunden zuvor hatte die Grazer Sozialstadträtin am Stadtparteitag den seit zwei Jahren amtierenden Parteichef Wolfgang Riedler herausgefordert, eine Kampfabstimmung erzwungen und - gewonnen. Hauchdünn, mit nur sieben Stimmen Überhang.

Edlinger will der Partei jetzt Tempo geben. Die Partei komme seit zwei Jahren, nach der schweren Wahlniederlage, nicht vom Fleck, während die schwarz-grüne Regierungskoalition "im fünften Gang an uns vorbeizieht" , beklagte Edlinger vor den Delegierten. Die neue Parteichefin: "Ich bin nicht mehr bereit, dahinzuzuckeln und in der Ferne die Rücklichter von Schwarz-Grün zu sehen."

Nach diesem Machtwechsel wird die Grazer SPÖ nicht nur erstmals in ihrer Geschichte von einer Frau geführt, die Partei wird sich auch völlig neu präsentieren. Zumindest wenn es nach dem Willen der neuen Vorsitzenden geht. Edlinger versprach in ihrer Rede, in allen relevanten kommunalen Themenbereichen wie Wohnen, Verkehr und Integration neue Zeichen zu setzen.

Riedler hatte dem Vernehmen nach nicht mit einer Niederlage gerechnet. Nach seiner rhetorisch für alle Gruppen der Partei gut durchkomponierten Parteitagsrede und den anschließenden Standing Ovations musste er sich tatsächlich bereits als Sieger fühlen. Es war - im Nachhinein - aber ein Abschiedsapplaus. Der studierte Jurist Riedler muss jetzt das Feld räumen und wahrscheinlich in die Landesverwaltung, von wo er in die Politik gekommen war, zurückkehren.

"Aus dem eher linken Lager"

Die Befürchtungen vieler in der SPÖ, dass die Partei nun gespalten sei und auf neue Konflikte zutreibe, will Klubchef Karlheinz Herper zerstreuen. Herper im Gespräch mit dem Standard: "Edlinger wie Riedler kommen aus demselben eher linken Lager, es gibt also keine ideologischen Differenzen, es ist keine Frage von rechts oder links. Es ging darum, wem die Partei eher zutraut, die Partei wieder zu einem Faktor in der Stadt zu machen."

Edlinger wird als umgänglich, basisnahe, ideologisch gesattelt und beharrlich beschrieben, Riedler als linksintellektuell, aber eher kühl. Dass der Machtkampf drei Monate vor der entscheidenden Landtagswahl, in der Landeshauptmann Franz Voves um seine Wiederwahl bangen muss, von Edlinger losgetreten und auf offener Bühne zelebriert wurde, nahmen ihr viele in der Partei übel. Zum anderen waren nicht wenige unzufrieden, dass die einst dominierende SPÖ zwei Jahre nach der Gemeinderatswahl völlig von der Bildfläche verschwunden war und das politische Feld fast zur Gänze Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) und der Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) überlassen hatte.

Der Machtwechsel in der Grazer SP könnte sich auch auf die Landespartei auswirken und womöglich den steirischen "Paradelinken" , Landtagspräsident Kurt Flecker, die politische Zukunft kosten. Flecker, der Riedler unterstützte und Edlinger scharf kritisiert hatte, braucht, um nach der Landtagswahl weiter im Landesparlament bleiben zu können, einen Listenplatz. Wolfgang Riedler hatte Flecker diesen Platz zugesagt. Die neue Parteichefin zeigte bisher wenig Lust, Fleckers Politkarriere zu verlängern. (Walter Müller/DER STANDARD Printausgabe, 21.6.2010)

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    Elke Edlinger nahzm Wolfgang Riedler den SP-Parteivoristz mit sieben Stimmen Mehrheit ab.

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