Netzwerkanalyse: Vor­bild­lich in Schach gehalten

20. Juni 2010, 17:08
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Das dichte Zirkulationsnetz der Niederlande und Japans ausbalancierte Schlankheit

Die häufigsten Passbeziehungen untermauern eine Grundtendenz der Vorrunde: Während ein Team Ball und Spiel kontrolliert (Niederlande), verlegt sich das andere (Japan) darauf, den Spielfluss durch konsequente Raumdeckung vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Sowohl Holland als auch Japan erfüllten die diesbezüglichen taktischen Vorgaben über weite Strecken vorbildlich.

Die beiden Teams hielten sich mit ihrer konzentrierten Performance taktisch und spielerisch in Schach. Die Niederländer spulten ein ums andere Mal ihr präzises Passspiel ab. Der defensiv-zentrale Mannschaftsteil entwickelte ein dichtes Zirkulationsnetzwerk, an dem sogar Tormann Stekelenburg phasenweise als Quasi-Libero partizipierte. Dennoch resultierten aus der flüssig vorgetragenen One-Touch-Rotation kaum Impulse für die Offensive (Van Persie, Sneijder, Van der Vaart). Der sonst nicht unbedingt für seinen Vorwärtsdrang bekannte Außenverteidiger Van Bronckhorst mutierte zum Schlüsselspieler. Er nützte den Raum noch am ehesten für Vorstöße und kompensierte dadurch auch die vor ihm sich auftuende Lücke namens Van der Vaart. Nicht nur die systemische Asymmetrie im Netzwerk verrät, dass Van der Vaart kein wirklicher Flügelspieler ist. Die Laufwege gerieten ihm im Vergleich zu Kuyt, seinem Pendant am rechten Flügel, entsprechend diffus.

Bei Japan finden wir ein vergleichsweise schlankes und dennoch relativ ausbalanciertes Netzwerk mit einer starken Ausrichtung auf die Solospitze Honda. Vor allem Innenverteidiger Tanaka forcierte das vertikale Spiel. An den Flügeln zeichnet sich eine Asymmetrie ab: Außenverteidiger Komano operierte offensiver als Kollege Nagatomo und sorgte im Wechsel mit Matsui für ansatzweise gefährliche Vorstöße. Routinier Nakamura erwies sich nach seiner Einwechslung als zentrale Anlaufstelle für das schlussendlich erfolglose Bemühen um Remisierung. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD Printausgabe, 21.6.2010)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Van der Wiel-Kuyt26
2. Van Bronckhorst-De Jong18
3. Van Bronckhorst-Mathijsen17
3. Mathijsen-Van Bronckhorst17
5. Heitinga-Van Bommel16
5. Van Bommel-Van der Wiel16
7. Kuyt-Van der Wiel15
8. De Jong-Van Bronckhorst14
9. Van Bronckhorst-Van der Vaart13
9. De Jong-Mathijsen13
9. Van Bommel-Heitinga13
12. Van Bronckhorst-Sneijder12

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Van Bronckhorst155 (89/66)
2. Van Bommel134 (71/63)
3. Heitinga126 (69/57)
3. Mathijsen126 (65/61)
5. De Jong121 (65/56)
6. Kuyt119 (53/66)
7. Van der Wiel113 (59/54)
8. Sneijder88 (39/49)
9. Van der Vaart77 (32/45)
10. Van Persie76 (21/55)
11. Stekelenburg65 (42/23)
12. Elia28 (12/16)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. De Jong95,38 (62 von 65)
2. Van der Wiel94,92 (56 von 59)
3. Van Bommel94,37 (67 von 71)
4. Heitinga91,30 (63 von 69)
5. Mathijsen90,77 (59 von 65)
6. Van Bronckhorst84,27 (75 von 89)
7. Elia83,33 (10 von 12)
8. Kuyt83,02 (44 von 53)
9. Van der Vaart81,25 (26 von 32)
10. Sneijder77,92 (30 von 39)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Tanaka-Honda11
2. Komano-Honda10
3. Endo-Nakazawa7
3. Matsui-Honda7
3. Nakazawa-Tanaka7
3. Okubo-Honda7
3. Komano-Matsui7
3. Tanaka-Endo7
3. Komano-Hasebe7
3. Endo-Nakamura7
3. Hasebe-Komano7
12. Honda-Okubo6
12. Tanaka-Nakazawa6
12. Tanaka-Okubo6
12. Tanaka-Matsui6
12. Kawashima-Honda6

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Honda84 (22/62)
2. Endo80 (47/33)
3. Tanaka79 (49/30)
4. Komano74 (45/29)
5. Nakazawa67 (36/31)
6. Abe62 (33/29)
7. Matsui59 (22/37)
8. Okubo45 (15/30)
8. Hasebe45 (21/24)
10. Nakamura44 (22/22)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Nakatomo96,00 (24 von 25)
2. Nakazawa91,67 (33 von 36)
3. Nakamura90,91 (20 von 22)
4. Hasebe90,48 (19 von 21)
5. Endo87,23 (41 von 47)
6. Tamada83,33 ( 5 von 6)
7. Komano80,00 (36 von 45)
8. Tanaka77,55 (38 von 49)

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe. (red)

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei der WM 2006 und der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard ab 11. Juni auch die WM in Südafrika.

Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair. (red)

der Standard Webtipp: www.fas.at

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