Spitzendiplomat für ein "ungeteiltes Kärnten"

20. Juni 2010, 22:25
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Neuer Obmann des Rates der Kärntner Slowenen will sich um neuen Schwung in der Kärntner Volksgruppenpolitik bemühen

Der neugewählte Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, der Hohe EU-Beauftragte in Bosnien- Herzegowina, Valentin Inzko, will die seit Jahren offene Ortstafelfrage im politischen Konsens lösen.

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Klagenfurt - Es passt zum Naturell Valentin Inzkos, dass er sein Augenmerk als Hoher EU-Repräsentant für die Konfliktregion Bosnien-Herzegowina auch auf sein Heimatland Kärnten legt. Schließlich stammt der vielsprachige Weltbürger und überzeugte Mitteleuropäer aus der zweisprachigen deutsch-slowenischen Kultur Kärntens und kennt die hiesigen Konfliktfelder um das schwierige Zusammenleben der beiden Volksgruppen seit frühester Jugend. Deren langjährige politische "Sklerose" scheint der im geteilten Bosnien nicht unähnlich.

Sonntagabend wurde der Spitzendiplomat Inzko einstimmig zum Obmann des Rates der Kärntner Slowenen gewählt. Nun will er eine neue Ära in der Kärntner Volksgruppenpolitik einleiten und auch den konservativ-katholischen Slowenenrat aus der politischen Sackgasse herausholen, in die dieser sich selbst wegen seiner starrenHaltung in der Ortstafel-Causa hineinmanövriert hatte.

Die Erfahrungen als krisenerprobter Diplomat, dem zuletzt das internationale "Himmelfahrtskommando" im geteilten Bosnien übertragen wurde, werden Valentin Inzko auch im Kärntner Mikro-Volksgruppen-Konflikt zugute kommen. "Frei und ungeteilt in den Köpfen" , so soll auch seine Kärntner Heimat werden.

Ebenso will Inzko auch erstmals einen Schulterschluss zwischen allen Kärntner Slowenenorganisationen zustande bringen, um in Volksgruppenfragen "mit einer Stimme" reden und die Politik in Zugzwang bringen zu können.

Inzko präsentierte sich in seiner Antrittsrede als Mann des Konsenses: "Die seit Jahrzehnten offenen Ortstafelfrage kann nur im politischen Umfeld gelöst werden." Vom Zentralverband und der Slowenen-Gemeinschaft, die beide schon vor Jahren gemeinsam mit dem Historiker Stefan Karner einen Ortstafelkompromiss für die Politik ausgearbeitet haben, kommen schon positive Signale für eine Zusammenarbeit. Stellvertreter des vielbeschäftigten Diplomaten werden der frühere Ratschef Nanti Olip und der slowenische Lehrervertreter Danilo Katz. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2010)

 

  • Mit Konflikten auf dem Balkan kann der EU-Beauftragte für Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko, umgehen. Nun will er sich auch um seine slowenische Volksgruppe in Kärnten kümmern. Foto: Reuters/Sagolj

    Mit Konflikten auf dem Balkan kann der EU-Beauftragte für Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko, umgehen. Nun will er sich auch um seine slowenische Volksgruppe in Kärnten kümmern. Foto: Reuters/Sagolj

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