"Nachruf"

Vatikan-Zeitung: Saramago war "popu­listischer Extremist"

20. Juni 2010 18:06

Sprachrohr des Vatikans tritt postum gegen Literaturnobelpreisträger nach

Rom - Die vatikanische Tageszeitung "L'Osservatore Romano" hat den am Freitag verstorbenen Schriftsteller Jose Saramago postum angegriffen und ihn als "populistischen Extremisten" bezeichnet. In der Sonntagsausgabe des vatikanischen Sprachrohrs wurde der im Alter von 87 Jahren verstorbene Literaturnobelpreisträger wegen seiner "anti-religiösen Ideologie" scharf kritisiert. Das Blatt bezeichnete den Kommunisten und Atheisten als "Mensch und Intellektuellen, der keinerlei Metaphysik zuließ". "Bis zuletzt war er in seinem unerschütterlichen Vertrauen in den historischen Materialismus, also im Marxismus, blockiert", schriebt das Blatt.

Saramago habe die Kreuzzüge und die Inquisition scharf verurteilt, dabei aber vollkommen die Ära der Gulags in Russland vergessen, schrieb "L'Osservatore Romano" in seinem Leitartikel. Das Blatt kritisierte den Autor als Populisten, der für alles einen Gott beschuldigte, an den er wegen seines allwissenden Verhaltens nie geglaubt habe.

Ideologische Kritik

Saramago hatte den Vatikan und die katholische Kirche mit seinem Werk "Das Evangelium nach Jesus Christus" (1992) stark irritiert. Das Werk war auch in Portugal wegen angeblicher Verletzung religiöser Gefühle kritisiert worden. Der Schriftsteller hatte in dem Buch den Gottessohn als Jüngling dargestellt, der auch an seinem eigenen Glauben zweifeln kann.

Der Vatikan hatte sich 1998 pikiert über den Literaturnobelpreis für den portugiesischen Schriftsteller gezeigt. "L'Osservatore Romano" hatte Saramago damals als "unverbesserlichen Kommunisten" bezeichnet. Die Nominierung des Portugiesen stelle eine "ideologisch geprägte Anerkennung" dar. Saramago habe mit seinem Werk "Das Evangelium nach Jesus" eine "grundlegend anti-religiöse Haltung" eingenommen.

Letzter Roman

José Saramago wird in Lissabon eingeäschert, am 25. Juni veröffentlicht Hoffmann und Campe seinen neuen Roman "Die Reise des Elefanten", in dem Saramago auf Grundlage historischer Tatsachen die Geschichte eines Elefanten erzählt, der im 16. Jahrhundert von Lissabon an den Wiener Hof gebracht wurde. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 164
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weitrabia
26.06.2010 11:33
Lieber Vatikan, lass auch du die Toten ruhen!!!!!!!!!!!!!

Bromer
23.06.2010 17:33

Unverbesserliche Katholiken.

estragon001
22.06.2010 08:20
Der Tote solle leben ! Gerade wegen seiner ""grundlegend anti-religiösen Haltung" !

Religion ist für die Fische !
Alle Religionen sind Erfindungen von Menschen GEGEN Menschen !
Jesus hat nie gelebt !

Azdak111
23.06.2010 08:07

ich glaube schon daran, dass jesus gelebt hat - was aber nichts mit gott zu tun hat.
er war ein spinner, so wie es heute der großteil der welt ihm nachahmt; zu spinnen und zu irren.

Markus_L
27.06.2010 18:50

nein, so weit ich weiß glaubt ein großteil der menschen auf der welt nicht an jesus (bzw. ist christ)

DarktowerX
22.06.2010 12:36
selbst falls Jesus gelebt haben sollte..

...der Christus, über den die Kirche doziert, hat es jedenfalls nie.

GOTT (himself)
21.06.2010 17:43
Also eine posthume Auszeichnung vom offiziellen Vatikanblatt -

net schlecht.
Der Mann war wohl noch besser, als ein Literaturnobelpreis ohnehin schon vermuten lässt, wenn er so wichtig ist, dass ihm eine - angeblich - christliche Institution noch im Tod das Hackl ins Kreuz haut.

Ja ja, wahre Christen sind da im Vatikan am werken. Man hört und sieht und liest es fast täglich - weltweit.

a grünes stricherl
 
21.06.2010 13:32
toten wirft man keine steine nach

auch wenn man ein katholiban ist ..

estragon001
22.06.2010 08:18
und warum nicht ?

Soll mer Hitler loben, der ist auch tot, zum Glück !
Und das soll er auch bleiben...

Engel Bert
24.06.2010 01:29
Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Genant.

Markus_L
27.06.2010 18:51

ich finden den vergleich auch nicht passend.

aber: wann ist ein verlgeich passend. das ist doch alles sehr subjektiv, ob ein vergleich hinkt oder nicht.

cipf
 
21.06.2010 11:34

Was soll eine - ausgewiesen - katholische Zeitung denn sonst schreiben?
Vergebung, Verständnis, Milde und Großherzigkeit?
Hier geht es um einen Kritiker am (kath.) System, nicht um einen Päderasten im Rock!

Freigeist78
21.06.2010 10:00
eine "grundlegend anti-religiöse Haltung" eingenommen...

Als ob das etwas Schlechtes wäre.

Sepp Unterwurmbacher
21.06.2010 09:52
ansonsten

wird seitens dieser adresse aber immer darauf verwiesen, dass über tote nicht schlechtes gesagt werden darf. erwischt!

KKdJ
21.06.2010 09:30
Da polemisieren die Vertreter einer fundamentalistischen Ideologie...

... gegen den Vertreter einer totalitären Ideologie.

Alles dieselbe Brut.

KKdJ
21.06.2010 14:26
Jetzt würde noch das Verhältnis ...

... Linksdolme:Kathodolme interessieren, was die roten Stricherln betrifft.

Ich tippe aber auf 4:1, wir sind ja hier beim STANDARD....

Engel Bert
24.06.2010 01:31
Wen interessiert das?



leser129
21.06.2010 07:50

http://www.youtube.com/watch?v=J5YA3mauYqI bin gespannt wenn die Vatikanische Zeitung darüber was schreibt...;-)

stormy andy
 
21.06.2010 07:37
was zählt schon die meinung

dieser kindrverzahrer!

Yukio Wakizashi
21.06.2010 12:46
met da zitrechn haund

Wenn schon, denn schon:

"KINDAFAZARA" haast des ...

Gruss von der Kölaschdiang!

YW

Doktor Leid
21.06.2010 16:12
the ONEANDONLY HC ever ...

johann potakowskyj
 
21.06.2010 05:15
Der Vatikan macht sich Sorgen

dass seine Bücher posthum schlecht verkauft werden könnten ...

Manche schlechte Kritik ist in der Kunst ehrenvoll. die des Vatikan ist sicherlich eine davon.

Chien de Pique
21.06.2010 00:20

Schön und rühmlich ist das nicht gerade, einem toten Feind ins Grab nachzuspucken, aber der Vatikan und der Osservatore haben selbstverständlich jedes Recht, ihre Meinung zu Saramago zu äußern, so wie dieser jedes Recht hatte, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn er über die kath. Kirche schrieb.
Man sollte aber trotzdem die einzigartigen literarischen Qualitäten von den weltanschaulichen Aspekten trennen können.

Walter J. Ferstl
20.06.2010 23:16
Diesen Artikel des "Osservatore Romano"...

... werden auf der iberischen Halbinsel viele Menschen mit einem gewissen Interesse, aber kaum mit Zustimmung aufnehmen.

Ich denke an die Opfer der jahrzehntelang folternden und mordenden Regimes Francos und Salazars und an die Familien und Hinterbliebenen dieser Opfer.

Beide waren faschistische Regimes mit der vollen Unterstützung des hohen Klerus von Portugal und Spanien und, wie könnte es anders sein, des Vatikans.

Entropix
20.06.2010 22:55
na ja,

die Krone hat ihn eh auch nicht mögen, also ist man in guter Gesellschaft ;-)

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